Kathikatharina
Hallo, ich habe ein (immer wiederkehrendes) Thema mit meinem Ehemann, was mich sehr belastet. Ich befinde mich im Moment in der 40. SSW und mein Partner trifft sich hin und wieder mit seinen Freunden zum Billiard spielen oder ähnliches. Soweit so gut. Das Problem dabei ist, dass er ein Thema mit Alkohol hat und sich oft bei diesen Treffen so betrinkt, dass er erst morgens wieder kommt und bis dahin nicht erreichbat ist (Akku leer). Oder durch den kontrollverlust "scheisse baut". Ich habe bereits einiges versucht, ihm klar zu machen, dass ich damit nicht umgehen kann und es auch nicht möchte. Wir waren bereits bei einer Paartherapie. Da er jedoch das Problem nicht sieht, konnte sie uns nicht helfen. Vor allem jetzt, kurz vor dem ET erwarte ich von meinem Mann, dass er erreichbar und klar bei Verstand ist, da die Geburt jederzeit losgehen kann. In der Theorie versteht er das auch und dann kommen die Treffen und kann nicht NEIN sagen, wenn es darum geht Alkohol zu trinken bzw. kennt er seine Grenzen nicht. Mich belastet das Thema sehr, weil er durch den Alkoholkonsum bereits (unter anderem) seinen Führerschein verloren hat. Dieses (unmännliche) Verhalten macht sehr viel mit mir emotional, vor allem im Hinblick auf unseren zukünftigen Zuwachs. Vielleicht habt ihr Tipps wie ich besser damit umgehen kann. Oder vielleicht hat jemand ähnliche Erfahrung, damit ich mich nicht so sehr alleine damit fühle. Viele Grüße Kathi
Hallo Kathi, schön, dass du den Weg ins Forum gefunden hast und deine Sorgen mit uns teilst. Die Zeit der Schwangerschaft ist eine besonders herausfordernde, da ist Unterstützung durch die Beziehungsperson, Freund*innen oder Familie besonders wichtig. Die Zeit rund um Schwangerschaft und Geburt ist für viele Familien eine große Herausforderung. Das Familiensystem und auch die Beziehungsdynamik ändert sich, weil neue Aufgaben anfallen und es eine intensive Zeit ist. Manchmal kommen auch in dieser Zeit einige Probleme zum Vorschein oder verstärken sich wie zum Beispiel verantwortungsloses Verhalten der Partner*innen. Aus deiner Nachricht lesen wir heraus, dass du vor der anstehenden Zeit und die damit verbundenen Aufgaben, die auch für dich neu sind und eine Herausforderung darstellen, allein fühlst. Außerdem ist die Sorgen um deinen Partner und sein Alkoholkonsum deutlich spürbar. Dass das zu Verunsicherungen führt, ist verständlich. Andere Vertrauenspersonen sind in dieser Zeit auch besonders wichtig. Hast du Personen, an du dich vertrauensvoll wenden kannst, die dich auch etwas entlasten können? Der Austausch mit anderen Müttern, die ähnliche Gefühle oder Situationen kennen, kann sehr entlastend sein. Dazu gibt es an vielen Orten kostenlose Angebote, wie z.B.: Stadtteilmütter, Stillgruppen, Frauentreffpunkte oder Babylotsinnen. So wie du die Situation mit dem Alkoholkonsum deines Mannes beschreibst, klingt sie für uns sehr ernst. Du beschreibst, dass es immer wieder zu Kontrollverlust kommt, er keine Grenzen ziehen und nicht nein sagen kann. Es kam auch schon zu ersten Konsequenzen wie dem Führerscheinverlust. Das sind klare Anzeichen für eine Suchterkrankung. Auch Vernachlässigung sozialer Kontakte oder Verantwortlichkeiten im Alltag sind häufige Hinweise. Das mag erstmal sehr groß klingen, aber Alkoholabhängigkeit wird in Deutschland häufig unterschätzt und Personen suchen sich erst sehr spät Unterstützung. Es wäre wichtig, dass dein Mann eine Beratung aufsucht oder mit seinem oder seiner Hausärzt*in dazu spricht. Hier könnt ihr nach Beratungsstellen in eurer Nähe suchen: https://www.dhs.de/service/suchthilfeverzeichnis. Falls eine Beratung digital erstmal machbarer erscheint, kann man sich hier registrieren und sich online beraten lassen: https://www.suchtberatung.digital/alkoholabhaengigkeit/ Eine Person im Umfeld zu haben, die von Substanzabhängigkeit betroffen ist, kann sehr belastend sein. Angehörige beschreiben häufig Sorgen um die Gesundheit der betroffenen Person, Zukunftsängste, finanzielle Sorgen, Hilflosigkeit oder auch Angst vor Aggressionen vonseiten der Person. Es ist wichtig, dass auch du dir Unterstützung suchst. Hier findest du Informationen für Angehörige: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/alkohol/angehoerige. Wenn du selbst gerne eine Beratung dazu wahrnehmen würdest, wie du in dieser Situation für dich sorgen (und ggf. deinen Mann unterstützen) kannst, findest du hier die Möglichkeit einer digitalen Beratung für Angehörige: https://www.suchtberatung.digital/suchtberatung-fuer-angehoerige/ Die Verantwortung für jemanden zu übernehmen, der immer wieder in Situationen des Kontrollverlusts gerät, kann zu einer Übernahme bestimmter Rollen führen. Personen berichten, dass sie sich manchmal wie eine Mutter für ihre Männer fühlen, weil sie die Fürsorge für das verantwortungslose Verhalten übernehmen müssen. Das ist leider eine Rolle, die aufgrund von patriarchalen Verhältnissen in unserer Gesellschaft immer wieder Frauen in heterosexuellen Beziehungen zufällt. Diese Rolle führt in vielen Fällen auch dazu, dass eigene Bedürfnisse zurückgesteckt werden und der Fokus immer auf der anderen Person liegt. Ihr bekommt bald ein Kind zusammen. Es ist wichtig, dass dein Mann sich darüber bewusst wird, in welche Rolle er dich durch sein Verhalten schiebt. Er muss die Verantwortung für sich und euer bald auf die Welt kommendes Kind übernehmen. Bei schwierigen Situationen rund um Alkoholkonsum kann es sehr hilfreich sein, das Umfeld aktiv miteinzubeziehen. Gibt es eine Person im Freund*innenkreis deines Mannes, mit dem ihr darüber sprechen könntet, wie die Billardabende anders gestaltet werden könnten? Gemeinsam lassen sich Veränderungen oftmals viel leichter umsetzen. Vielleicht kann die Regel etabliert werden, (zumindest bis zur Geburt eures Kindes) nur alkoholfreie Getränke zu konsumieren? Oder ein bestimmtes Limit bis beispielsweise 23 Uhr gemeinsam zu setzen? Vielleicht gibt es auch andere Partner*innen oder Personen aus dem erweiterten Freund*innenkreis, die ähnliche Auswirkungen durch die alkoholreichen Abende wie du zu spüren bekommen. Ihr könntet euch austauschen und zusammenschließen. Übermäßiger Alkoholkonsum wird häufig nicht als solcher wahrgenommen und erstmal abgetan. Es ist gut, wenn mehrere Personen aus dem Umfeld sich bei der Unterstützung betroffener Personen bestärken können. Es ist gut, dass du Grenzen für dich ziehst und deinem Mann auch schon klar gesagt hast, was du nicht möchtest. Wir können deine Erwartung auch sehr gut verstehen, dass er bei der Geburt erreichbar und nüchtern ist. Du stehst damit gut für dich ein! Vor dir liegt eine herausfordernde Situation. Du solltest dabei jede mögliche Unterstützung bekommen, vor allem von dem Vater deines Kindes. Als werdende Mutter muss sich dein Mann nach dir richten. Du stehst jetzt erstmal im Mittelpunkt! Wir wünschen dir alles Gute mit der Geburt und eurem weiteren Weg zusammen. Liebe Grüße Xenia und Leonie
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