Ausa2219
Hallo, Womöglich bin ich hier mit meinen Sorgen falsch da es nicht mich direkt betrifft und ich mich erstmals nicht getraut habe dennoch mache ich mir Gedanken und Sorgen über meine Tochter und ihrem neuen Freund. Meine Tochter ist 16 Jahre alt und hat seit 4 Monaten einen Freund 18 den wir bereits sehr früh kennengelernt haben auf Wunsch vom Freund. Beide kennen sich seit ungefähr Februar 2025 er hatte sich damals über ein zufallsfoto von gemeinsamen Freunden für sie interessiert. Doch es gibt ein paar Sachen/ Verhaltensweisen die uns Eltern nicht gefallen. - Er möchte ständig wissen wo sie ist und wenn er sie nicht erreicht ( es handelt sich um ca 1 Stunde oder weniger) dann meldet er sich bei meiner nichte und fragt auch bei meinen jüngeren Kindern nach meiner Tochter da er sich Sorgen macht. - er fragt meine jüngere Tochter nach fotos von meiner großen da er sie sehen möchte oder sehen möchte wie sie schläft. - er fragt meine nichte oft ob meine Tochter ihn liebt und nun fragt er auch meine jüngere Tochter aus. Sie wurde sogar gefilmt als sie auf einem Geburtstag mit einem Klassenkameraden geredet hat und dies wurde ihm zugeschickt. Es gab eine eifersuchtsszene und da dies nicht genug war erfand der Freund eine Lüge um meine Tochter zu testen indem er behauptete sie hätte einen jungen geküsst. Mittlerweile ist die Sache geklärt aber nichts desto trotz haben wir das Gefühl, dass er nicht der richtige ist obwohl wir ihn mögen und er total nett und höflich zu uns ist. Ganz merkwürdig war auch, dass er bereits zu meiner anderen Tochter 9Jahre meinte, dass er meine große Tochter heiraten möchte und da waren sie nicht einmal zusammen aber am anfang der beziehung meinte er ähnliches, dass er unbedingt mit meinem Mann reden möchte da er ihn fragen will ob er meine Tochter irgendwann heiraten darf ( hat er aber nicht gefragt) Dann kamen Sätze wie er müsste meine Tochter für sich reservieren. Ich denke auch, dass seine worte leere worte sind und er wenig für unsere Tochter tut. Er darf nun Auto fahren ( sein liebstes hobby) und wenn er das dann bekommt dann unternimmt er eher etwas mit Freunden oder seinem Cousin obwohl sich die beiden wenig sehen als " durchschnittliche " Pärchen, das längste war ein Abstand von 2 Wochen und das in der anfangszeit weil er ein stubenhocker ist. Ich muss sagen, dass er auch einen strengen Vater hat und dieser als einziger immernoch nicht weiß, dass er eine Freundin hat die meisten aus seiner Familie wissen davon und seine Mutter grüßt immer ganz lieb. Mein mann hatte mit ihm darüber auch schon gesprochen und er möchte es bald öffentlich machen da der Vater etwas ahnt. Er meinte, dass der Vater anstrengend sei und er mit ihm nicht darüber reden kann...der Vater hat zwar nix dagegen jedoch möchte er lieber dass es später wie möglich passiert, dass er eine Beziehung hat. Als wir mit unserer Tochter darüber gesprochen haben was uns aufgefallen ist reagiert sie wie ein typischer teenager aber weiß insgeheim dass es zutrifft was wir in frage stellen oder Sorge ist. Das wenige sehen ärgert sie auch da beide wirklich nicht einmal was am Wochenende gemeinsam unternehmen, manchmal passt er auf seine Geschwister auf oder es ist als Familie was geplant was wir verstehen aber in den 4 Monaten haben sich die beiden nur an 2 Samstagen gesehen und das ist sehr wenig. Kein kinobesuch kein Shopping einfach nix nur sich bei uns 1 mal die woche verstecken und sich sehen. Telefonieren und schreiben machen beide täglich aber es fehlt viel. Er hatte vor ihr auch eine Beziehung mit bereits 14 die 2 Jahre hielt und er für einen anderen verlassen wurde. Meine tochter wurde ebenfalls verlassen jedoch muss ich gestehen, dass der erste Freund in manchen Situationen besser war er hatte es nicht mit ihr verheimlicht und viel mit ihr unternommen kam aber auch aus einem anderen Elternhaus wo es etwas lockerer verlief. Ich weiß, dass wir uns nicht einmischen dürfen es tut uns jedoch weh zu sehen wie diese Beziehung läuft. Was können wir Eltern tun da dies auch eine komplett andere Beziehung ist und wir es so nicht kennen? Ist der junge vielleicht doch nix für meine Tochter Liebe Grüße und danke im Vorraus
Hallo Ausa, vielen Dank, dass du dich mit deinen Sorgen an uns wendest. Deine Frage ist hier absolut richtig aufgehoben. Wir möchten auch gerne Personen unterstützen, die einschränkende oder kontrollierende Beziehungsdynamiken bei anderen wahrnehmen und sich unsicher sind, wie sie damit umgehen sollen. Es ist verständlich, dass es nicht leicht ist zu beobachten, wie eure Tochter in diese Dynamik hineingerät. Vieles von dem, was du beschreibst, ist tatsächlich alarmierend. Lass uns das, was du beobachtet hast, einmal strukturiert betrachten: Was du beschreibst, sind Warnzeichen: - Er kontrolliert den Aufenthaltsort eurer Tochter und erwartet, dass sie permanent erreichbar ist. Wenn sie nicht antwortet, fragt er eure Nichten und jüngeren Kinder aus. Das ist Kontrolle, keine Fürsorge. - Er lässt sich von den Nichten bestätigen, dass eure Tochter ihn liebt, weil er ihren eigenen Worten offenbar nicht vertraut. Das zeigt eine tiefe Unsicherheit, die er durch Kontrolle zu kompensieren versucht. - Er möchte Fotos von eurer schlafenden Tochter haben. Das ist eine Situation, in der sie einer Aufnahme nicht einwilligen kann. Das missachtet ihre Grenzen. - Eure Tochter wird heimlich gefilmt, wenn sie mit anderen Jungs spricht, und es folgen Eifersuchtsszenen. Das hat bereits einen Geschmack von digitaler Nachstellung. - Er erfindet eine Lüge (sie habe einen anderen geküsst), um ihr "Vertrauen zu testen" – dabei bricht er selbst ihr Vertrauen und erschüttert die Beziehung. Das schafft ein Ungleichgewicht und ist nicht mehr auf Augenhöhe. - Er spricht davon, eure Tochter "reservieren" zu müssen und möchte deinen Mann fragen, ob er sie "heiraten darf". Das deutet auf einen Besitzanspruch hin und ignoriert, dass eure Tochter selbstbestimmt ist. Bei einem 16-jährigen Mädchen und einem 18-jährigen Jungen von Heirat zu sprechen und die Zustimmung des Vaters einzuholen, verweist auf Vorstellungen, bei denen Frauen eine untergeordnete Rolle zugeschrieben wird. - Die beiden verbringen wenig Zeit miteinander, was für deine Tochter belastend ist. Ihm scheint es weniger um Zeit mit deiner Tochter als um Besitz und Kontrolle zu gehen. - Es gibt keinen Austausch zu seinen Eltern, weil sein Vater sehr streng ist und nichts von der Beziehung weiß. Es klingt für uns so, als wären Ängste und Unsicherheiten im Spiel, die in der Beziehung mit dem Vater keinen Raum finden können. Das macht seine Verhaltensweisen zwar teilweise erklärbar, aber entschuldigt sie keinesfalls. Vertraue deinem Bauchgefühl! Ihr habt das Gefühl, dass er nicht der richtige für eure Tochter ist und dieses Gefühl ist berechtigt. Der Junge mag nett und höflich zu euch sein, aber das bedeutet nicht, dass er als Partner für eure Tochter geeignet ist. Das muss kein Widerspruch sein. Viele Menschen, die in Beziehungen kontrollierend oder übergriffig sind, zeigen sich nach außen hin charmant und zuvorkommend. Was du beschreibst, sind klassische Muster von Kontrolle, emotionaler Manipulation und Grenzüberschreitungen in jungen Beziehungen. Diese Muster können sich verfestigen und verschlimmern, wenn sie nicht angesprochen werden. Es ist wichtig, dass eure Tochter lernt, solche Dynamiken zu erkennen und eigene Grenzen zu setzen. Seit einigen Jahren erfährt "Teen Dating Violence" (Beziehungsgewalt unter Jugendlichen) mehr Aufmerksamkeit, denn Studien zeigen, dass viele Jugendliche schon früh Erfahrungen mit kontrollierenden Beziehungsdynamiken machen. Mehr hierzu findest du hier: https://www.zeit.de/zett/2019-02/teen-dating-violence-wie-gewalttaetig-sind-junge-beziehungen oder https://sicher-aufwachsen.org/uploads/files/Handout-Gespraechsfuehrung-mit-Jugendlichen.pdf Hier gibt es eine wissenschaftliche Studie, die vertiefend Teen Dating Violence erfasst: https://www.gesine-intervention.de/wp-content/uploads/Faktenblatt_Gewalt-in-jugendlichen-Paarbeziehungen-1.pdf Ihr befindet euch in einer schwierigen Position: Einerseits seht ihr die problematischen Muster, andererseits wisst ihr, dass direkte Verbote oder starke Kritik oft dazu führen, dass Teenager sich noch mehr zurückziehen und ihre Partner verteidigen. In einer kontrollierenden Beziehung zu sein, ist häufig mit viel Scham verbunden. Betroffene Personen fühlen sich in einem Zwiespalt zwischen der Liebe zu ihrem Partner und einem Gefühl, dass etwas nicht ok ist. Den Partner zu kritisieren, führt in vielen Fällen zu einer Verteidigung dieser und zu Rückzug, bei dem weitere schwierige Verhaltensweisen nicht mehr geteilt werden. Es ist wichtig, dass eure Tochter weiß, dass ihr sie unterstützt, egal ob sie sich für oder gegen die Beziehung entscheidet. Sich von einer Person zu trennen, die Kontrolle ausübt, kann für Betroffene schwierig sein, denn oftmals endet die Kontrolle nach einer Trennung nicht. Falls eine Trennung im Raum steht und ihr bemerkt, dass eure Tochter sich Sorgen macht, könnt ihr gemeinsam mit dem Hilfetelefon überlegen, wie eine Trennung vorbereitet werden könnte: https://onlineberatung.hilfetelefon.de/ Ihr könnt dort auch als Unterstützungspersonen anrufen und euch beraten lassen. Falls deine Tochter an den Punkt kommt, an dem sie Unterstützung möchte, ist auch der Krisenchat immer eine gute Anlaufstelle: https://www.krisenchat.de/ Kannst du dir vorstellen, dass du mit deiner Tochter demnächst einen Tag allein verbringst und etwas Schönes zusammen macht? So kann ein Rahmen entstehen, um in Ruhe zu sprechen, was sich nicht wie ein Tribunal für deine Tochter anfühlt. Statt eure Tochter mit Vorwürfen oder direkter Kritik am Freund zu konfrontieren, versucht Fragen zu stellen, die sie selbst zum Nachdenken anregen. Zum Beispiel: "Wie fühlst du dich, wenn er dich ständig kontrolliert?" oder "Findest du es okay, dass er heimliche Fotos/Videos von dir möchte?" oder "Wie ist es für dich, dass ihr euch so selten seht?" Solche Fragen helfen ihr, ihre eigenen Gefühle zu reflektieren, ohne sich angegriffen zu fühlen. Und wenn es sich ergibt, dann sprecht auch darüber, was in der Beziehung schön ist, was sich wünscht und auch wie eine unterstützende Beziehung aussieht. Falls du etwas aus deiner Jugendzeit teilen möchtest, signalisiert das auch, dass du sie ernst nimmst und nicht ratschlagend über sie stellst. Sprecht mit ihr darüber, wie eine gleichberechtigte Beziehung aussieht: gegenseitiger Respekt, Vertrauen ohne Kontrolle, gemeinsame Zeit, die beide genießen, und die Freiheit, eigene Freundschaften zu pflegen. Es kann auch gut sein, dass sie erstmal nicht offen für diese Gespräche ist, dann können auch geeignete Seiten z.B. bei Instagram oder auch Bücher eine gute Hilfestellung sein. Viele bekannte Personen teilen auch ihre Erfahrungen öffentlich, um so Aufmerksamkeit zu schaffen. Vielleicht ist das auch ein Weg, eure Tochter indirekt zu erreichen: IG: geschlechtersensible Pädagogik (@geschlechtersensibel) IG: Mädelsabende (@maedelsabende) Buchempfehlung: Die schönste Version von Ruth-Maria Thomas Junge Menschen, besonders Mädchen und junge Frauen, werden oft nicht ausreichend darüber aufgeklärt, wie kontrollierende Beziehungsdynamiken aussehen und dass sie ein Recht auf eine gleichberechtigte, respektvolle Partnerschaft haben. In einer Gesellschaft, in der romantische Liebe oft mit Eifersucht, Besitzansprüchen und Kontrolle gleichgesetzt wird ("Er ist nur eifersüchtig, weil er dich so sehr liebt"), ist es schwer für junge Menschen, problematische Muster zu erkennen. Vor allem, weil diese in Filmen und Medien immer wieder reproduziert und damit zu “Normalität” werden. Es ist völlig legitim, eure Beobachtungen und Sorgen zu äußern, ohne ihr Vorschriften zu machen. Sagt ihr: "Uns fällt auf, dass er sehr viel Kontrolle ausübt und wir machen uns Sorgen um dich. Wir vertrauen dir, aber wir möchten, dass du weißt: Wenn du jemals das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt oder du Unterstützung brauchst, sind wir für dich da." Das zeigt ihr, dass sie nicht allein ist, ohne sie in eine Verteidigungshaltung zu drängen. Wie du auch sagst, wahrscheinlich weiß sie, dass an euren Sorgen etwas Wahres dran ist. Eure Tochter befindet sich in einer Lebensphase, in der sie lernt, was sie in Beziehungen möchte und was nicht. Es ist gut, dass ihr aufmerksam seid und sie unterstützt, diese Erfahrungen zu reflektieren. Eure Gespräche wirken nach, auch wenn sie im Moment vielleicht nicht so reagiert, wie ihr es euch wünscht. Es ist nicht in Ordnung, dass er eure jüngeren Kinder oder Nichten ausfragt oder in die Beziehung einbezieht. Das könnt ihr klar ansprechen: "Wir möchten nicht, dass unsere jüngeren Kinder in eure Beziehung hineingezogen werden. Wenn du Fragen oder Sorgen hast, sprich direkt mit ihr oder mit uns." Wenn ihr das Gefühl habt, dass die Situation eskaliert oder eure Tochter sich immer mehr zurückzieht, kann es hilfreich sein, gemeinsam eine Familienberatung aufzusuchen. Dort kann ein neutraler Rahmen geschaffen werden, in dem alle offen sprechen können. Hier kannst du nach Beratungsstellen schauen: https://www.dajeb.de/beratungsfuehrer-online/beratung-in-ihrer-naehe/ Ihr macht das Richtige, indem ihr hinschaut, Fragen stellt und eure Sorgen äußert. Bleibt präsent, geduldig und offen – und vor allem: Zeigt eurer Tochter, dass ihr ihr vertraut und sie immer zu euch kommen kann, egal was passiert. Wir wünschen euch viel Kraft in dieser herausfordernden Situation! Xenia und Leonie
Die letzten 10 Beiträge
- Großer Bruder schlägt den Kleinen
- Tochter 16 und ihr Freund 18
- Stress wegen Jobverlust
- Kind ist auffällig
- Zerrüttete Familienverhältnisse. Wie, eine Lösung finden?
- Mobbing auf der Arbeit
- Neue Partnerin will nicht zu uns ziehen
- Umgang mit narzisstischer Mutter
- Viel Streit - leider auch vor unserem Sohn
- nochmal Familienkonflikte Pflege