Frage im Expertenforum Beziehungsprobleme an Leonie Traub:

Mann ist krank - was den Kindern sagen

Frage: Mann ist krank - was den Kindern sagen

Schnecki2014

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Liebe Frau Traub! Ich bin mit meinem Mann seit 30 Jahren zusammen, davon 20 verheiratet. Wir haben drei Kinder, 11 und Zwillinge mit 9. Mein Mann war schon immer "eigen". Er hatte nur einen Freund, ist nicht gern weggegangen, nicht gern weggefahren. Am Liebsten ist er zu Hause und alleine im Wald. Depressive Züge hatte er schon immer. Vor 2 Jahren hatte er einen Herzinfarkt, danach ist er in eine (mittlerweile diagnostizierte) Depression abgerutscht. Außerdem wurde im Zuge dieser Untersuchungen festgestellt, dass er eine schizoide Persönlichkeitsstörung hat. Ich habe ihn schon immer viel in Ruhe gelassen. Die Kinder und unser gesamtes Leben organisiere ich, fahre mit den Kindern weg und mache Ausflüge mit ihnen. Er ist ein liebevoller Vater und tut was er kann, aber er braucht halt extrem viel Zeit für sich, ist mit Kleinigkeiten überfordert, unorganisiert, vergesslich und wenn die Depression besonders stark ist, wird er schnell laut. Mein Problem ist, dass die Kinder älter werden und ihnen natürlich auffällt, dass sich der Papa erratisch verhält, nie wo dabei ist und manchmal nur in seinem Sessel sitzt und vor sich hinstarrt. Was kann/soll ich den Kindern ab welchem Alter sagen? Ich möchte sie nicht überfordern, sie sind was den Papa betrifft ohnehin so "beschützend", vor allem seit dem Herzinfarkt. Aber ich habe schön langsam das Gefühl, irgendeine Erklärung brauchen sie. Derzeit lenkt sich mein Mann zB sehr stark mit Computer spielen ab, wo er mit anderen online spielt. Da dauert ein Durchgang circa 15 min und in der Zeit kann er nicht unterbrechen. Ich verstehe, warum er das macht und braucht, aber die Kinder sagen jetzt immer wieder, dass dem Papa das Spiel wichtiger ist als sie. Ich weiß, dass das nicht stimmt, aber was kann ich denn sagen? Ich möchte, dass die Kinder wissen, dass sie für ihren Papa das wichtigste auf der Welt sind, und dass es nicht "Desinteresse" ist, das dazu führt, dass er nie wo dabei ist. Aber wie mache ich das? Danke für Ihre Hilfe Schnecki


Leonie Traub

Leonie Traub

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Hallo Schnecki,   vielen Dank für deine Frage. Du klingst, als würdest du eine Menge wuppen. Dein Mann hatte einen Herzinfarkt und infolge eine psychische Erkrankung entwickelt, die nun Auswirkungen auf eure Familie zeigt.     Er ist unorganisiert und braucht viel Zeit für sich, wodurch Carearbeit für eure gemeinsamen Kinder auf dich abfällt. Zusätzlich wird er schnell laut und eure Kinder machen sich Sorgen, dass er sie nicht in den Mittelpunkt stellt. Das hört sich so an, als würdest du auch viel emotionale Arbeit machen und zwischen deinem Mann und deinen Kindern vermitteln.     Es ist toll, dass du viel Verständnis zeigst und ihr einen Weg gefunden habt, mit der Situation gut umzugehen. Pass dabei aber gut auf dich auf! Auch wenn Partner*innen eine Erkrankung haben, muss die andere Person nicht alles allein tragen. Bitte schaue auch nach dir und such dir kleine Auszeiten, in denen du dich nur um dich kümmerst. Vielleicht gibt es auch Personen aus dem Umfeld, die euch mit unterstützen können?     Wir denken, es wäre gut, wenn ihr möglichst ehrlich und bald mit euren Kindern über die Situation deines Mannes sprecht. Kinder haben viel Fantasie und malen sich häufig schlimme Szenarien aus, wenn sie Situationen nicht verstehen. Ein ehrliches Gespräch ist dann in den meisten Fällen weniger erschreckend als die Ängste, die durch Unwissenheit entstanden sind.     Könnte es eine Möglichkeit sein, dass ihr das Gespräch gemeinsam führt? Das könnte ein erster Schritt sein, den Kindern klarzumachen, dass sie wichtig für deinen Mann sind und miteinbezogen werden. Wenn ihr unsicher seid, mit welchen Worten ihr am besten über eine Depression mit Kindern reden könnt, gibt es viele Bücher, die dabei unterstützen können. Die AWO hat eine Liste mit Kinderbüchern zusammengestellt, die hilfreich dabei sein können: https://kifaz.awo-karlsruhe.de/wp-content/uploads/2021/07/Kinderbuecher-ueber-psychische-Erkrankungen-und-ueber-Gefuehle.pdf     Viel Erfolg bei dem Gespräch. Ihr seid liebevolle und unterstützende Eltern und macht das bestimmt gut!    Liebe Grüße  Xenia und Leonie 


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