Heidi1211
Hallo, ich hoffe mir können hier ein paar Ratschläge gegeben werden. Mein Mann und ich sind seit 15 Jahren zusammen, haben eine gemeinsame 9 jährige Tochter und ich habe einen Sohn mit in die Beziehung gebracht, er war damals 8 Monate alt. Leider gibt es zunehmend Konflikte mit meinem Mann und meinen Sohn. Mein Sohn wird von ihm als faul bezeichnet obwohl er wirklich zu Hause mithilft wenn man ihm Aufgaben verteilt. Meinem Mann ist das aber nie genug, mein Sohn solle selber sehen was zu tun ist und sofort nachdem Aufstehen am Wochenende oder den Ferien sauber machen. Damit meint er die Küche. Auch das Zocken ist ein großes Problem, mein Sohn hat leider keine Freunde und sitzt somit häufiger am PC da er sich hier mit Online Freunden "trifft". Wir haben die Regelung das er 2 Stunden am Tag ran drauf, manchmal auch länger. Hat leider etwas gedauert diese Regel durchzusetzen aber mein Sohn hat sich arrangiert. Wir müssen ihn allerdings nach 2 Stunden daran erinnern da er es oft vergisst. Mein Sohn hat ADHS und ist dann oft so vertieft darin. Meinem Mann passt das gar nicht. Er sagt das muss er von selber ausmachen. Meinem Sohn wird dann gleich angedroht das er ihm alles weg nimmte, oft rastet mein Mann richtig aus und sagt auch Sachen wie wenn ich dich in den Ferien da dran sitzen sehe dann zerschlage ich alles mit einem Hammer. Außerdem wird mein Sohn von ihm ständig kritisiert das er dies und jenes ja nicht macht. Auch wird er häufig anders behandelt als unsere gemeinsame Tochter. Diese behandelt er wie eine Prinzessin. Sie hat auch keine festen Aufgaben im Haushalt und sie wird nicht angeschrien. Von ihr liegt überall immer Spielzeug und das wird dann geduldet oder hinweggesehen. Wenn mein Sohn das macht gibt's riesen großen Ärger. Ich habe mich schon oft dazwischen gestellt wenn mein Sohn unfair behandelt wurde. Und das passt meinem Mann gar nicht. Er wird dann mir gegenüber sehr laut und sagt Dinge wie das ich lernen soll meinen Mund zu halten. Er tickt regelmäßig wegen irgendwelchen Kleinigkeiten aus die er missversteht, und dann sind wir aber Schuld. Also ich und mein Sohn. Würden wir uns nicht so schlimm verhalten würde er auch nicht so austicken. Auch wenn ich und mein Mann Konflikte haben die gar nicht unsere Kinder betreffen, wird trotzdem mein Sohn runter gemacht und angeschrien. Auch die körperliche Nähe hat nachgelassen, von meiner Seite. Mir geht es leider häufig nicht gut, habe erst jetzt seit 6 Wochen eine akute Magenschleimhautentzündung. Er lässt mich oft mit allem was zu erledigen ist, alleine. Ich arbeite täglich 7 Stunden wenn ich heim komme muss ich mit der Tochter Hausaufgaben machen weil er oft überhaupt keine Geduld dazu hat, außerdem haben wir mit ihr regelmäßig Termine bei einer Psychologin sowie Dyskalkulie Therapie. Und zu diesen Terminen muss immer ich fahren. Er macht es nur wenn ich ihn ausdrücklich darum Bitte. Auch alle anderen Aufgaben Haushaltstechnisch liegen nur bei mir. Oft kommt mal die Frage ob er mir bei irgendwas helfen kann. Von selber sieht er nicht was zu tun ist. Die dreckige Küche überlässt er immer meinem Sohn. Und wenn ich dann einfach abends kaputt auf der Couch liege und meine Ruhe will, dann will er Zärtlichkeit. Ich sage dann oft das ich jetzt wirklich keine Lust habe und kaputt bin und dann gibt's wieder Krach weil er keinen Sex bekommt. Er kann auch nicht einfach neben mir liegen und kuscheln, er will immer an meinem Busen oder Geschlechtsteil spielen. Und wenn ich das verwehre, dann werde ich als prüde bezeichnet oder ich hab doch keine Nonne geheiratet. Und dann streiten wir Recht häufig was natürlich mich immer weiter von ihm weg treibt. Und dann kann ich keine Nähe zulassen, dann brauch ich erst mal Zeit für mich. Auch wenn es mir nicht gut geht wird das immer regelrecht lächerlich gemacht. Er sagt dann du und deine Krankheiten immer, das nervt. Ich glaube das ich mittlerweile psychisch am Ende bin und deshalb ständig krank bin. Aber das versteht er alles nicht. Er sagt auch Recht häufig ach jetzt ist wieder alles meine Schuld, immer bin ich der Schuldige und immer werde ich nur kritisiert. Was absolut nicht stimmt. Auch kann er keine Entscheidungen eigenständig treffen, ich muss immer für alles Entscheiden. Aber im Nachhinein wird mir das vorgehalten, er sagt dann immer wir müssen ja immer nur das machen was du sagst.. Ich weiß echt nicht mehr weiter und bin mit meinen Kräften am Ende.. Ich hoffe Sie können mir Ratschläge geben wie ich mit diesen Situationen umgehen kann. Es geht im Grunde immer nur um meinen faulen Sohn und um fehlende körperliche Zuneigung
Hallo Heidi, vielen Dank, dass du dich meldest und dir Unterstützung suchst! Das ist ein wichtiger Schritt. Was du hier beschreibst, klingt für uns sehr beunruhigend. Dein Mann verhält sich deinem Sohn gegenüber aggressiv: Er bewertet ihn ungerecht, kritisiert ihn ständig, wird laut und spricht harte Drohungen gegenüber einem Kind aus, das eine psychische Erkrankung hat. Das ist nicht akzeptabel. Es ist gut, dass du dich schützend vor deinen Sohn stellst. Du hast geschrieben, dass dein Sohn ADHS hat. Wir vermuten, dass er dann in psychologischer Behandlung ist? Kinder- und Jugendpsycholog*innen bieten immer auch Elterngespräche an. Vielleicht ist das ein Ort, an dem das Verhalten deines Mannes thematisiert werden kann? Du beschreibst auch aggressives Verhalten von deinem Mann, das sich gegen dich richtet. Dein Mann hat kein Recht dazu, dir den Mund zu verbieten. Mit so einer Aussage stellt er sich über dich und baut ein Machtverhältnis auf. Er hat auch kein Recht auf deinen Körper oder auf Sexualität, die du nicht möchtest. Er muss deine Grenzen wahren. Sexualität, ohne dass beide Personen zustimmen, ist Gewalt. Es ist nicht ok, wie dein Mann auf Grenzziehungen deinerseits reagiert. Du beschreibst, dass er dir die Schuld für sein Verhalten zuschiebt und dich abwertet. Indem er sagt, dass ihr euch schlimm verhaltet, schiebt er die Verantwortung, die er für sein Verhalten trägt, an euch ab. Du schreibst auch, dass er regelmäßig austickt. Das kann zu einer Situation führen, in der sich alle Personen in der Familie vorsichtig verhalten, sich nach einer Person richten und ihre eigenen Bedürfnisse zurückstecken, um keine weiteren Austicker zu generieren. Was du beschreibst, sind Muster psychischer und emotionaler Gewalt: Kontrolle, Abwertung, Schuldzuweisungen, Drohungen und sexuelle Grenzüberschreitungen. Diese Dynamiken sind kein individuelles Problem, sondern folgen patriarchalen Mustern, in denen Männer Macht über Partnerinnen und Kinder ausüben. Du bist nicht allein, denn viele Frauen erleben ähnliches. Wende dich an das kostenlose und anonyme Hilfetelefon 116 016 (https://www.hilfetelefon.de/, rund um die Uhr erreichbar auch per Online-Chat). Die Beraterinnen können dir helfen einzuschätzen, welche Schritte für dich möglich und sinnvoll sind. Sie kennen sich gut mit verschiedenen Formen von Gewalt (auch emotionale) aus und stehen hinter dir. Du musst nichts entschieden haben, um dort anzurufen, sondern kannst dich einfach erstmal informieren. Wenn dir eine persönliche Beratung lieber ist, kannst du hier nach Anlaufstellen in der Nähe suchen: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/hilfe-vor-ort.html Besonders deutlich zeigt sich das Machtgefälle zwischen euch auch in der Verteilung von Hausarbeit und Care-Arbeit. Du arbeitest sieben Stunden bezahlt und trägst gleichzeitig den Großteil der unbezahlten Arbeit. Dazu gehören Haushalt, Kinderbetreuung, Organisation und alle Überlegungen und Planungen, die dazu gehören, euren Alltag am Laufen zu halten (Mental Load). Das ist keine persönliche Schwäche deines Mannes, das ist Struktur: Care-Arbeit wird gesellschaftlich als „weibliche Selbstverständlichkeit" unsichtbar gemacht und abgewertet, obwohl sie genauso zum Erhalt eines Familiensystems beiträgt wie Lohnarbeit. Es ist nicht deine Aufgabe, deinen Mann zu „delegieren" oder ihm zuzuteilen, wobei er dir „helfen" kann, er ist genauso verantwortlich wie du. Um sichtbar zu machen, wer wie viel Zeit und Energie in euren gemeinsamen Alltag investiert, kann die Who Cares? App hilfreich sein (https://whocares-app.de/). Das mag nach einem großen Schritt klingen, macht aber oft erst klar, wie ungleich die Last verteilt ist. Vor allem aber: Was du trägst, ist zu viel. Deine psychische Erschöpfung (und eventuell auch körperliche Auswirkungen) ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist eine verständliche Reaktion auf eine Situation, die nicht tragbar ist. Bitte bleib damit nicht alleine. Es gibt viele Möglichkeiten, wie du dich um dich und deine Gesundheit kümmern kannst. Sprich mit deiner*m Hausärzt*in. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, eine Psychotherapie zu beginnen, in der du Raum hast, alles zu besprechen, was dich besorgt. Oder du informierst dich zu Möglichkeiten in Kur zu fahren? Es ist immer ok, sich Zeit für sich zu nehmen. Manchmal ist das sogar notwendig, wenn sich Familiendynamiken zuspitzen und sich gewaltvolle Muster entwickelt haben. Vielleicht hilft es dir auch, dir in deinen stressigen Alltag kleine Übungen einzubauen, um gezielt eine Pause zu machen und dir kleine Auszeiten für dich zu nehmen. Hier findest du eine Übung, die dir dabei helfen kann, wieder ein gutes Gefühl zu dir zu entwickeln, und die dir Mut machen kann: https://www.be-here-now.eu/selbstfursorge/ich-kann-das. Auszeiten sehen aber für jede Person verschieden aus. Überlege, was dir guttun könnte. Vielleicht hilft es dir auch, eine halbe Stunde am Tag allein spazieren zu gehen oder mit einer Freundin zu telefonieren. Wichtig ist, dass du jetzt gut nach dir schaust. Du erlebst eine Situation, die viele Frauen kennen. Zum Glück gibt es dadurch auch viele Unterstützungsmöglichkeiten. Bleib nicht allein damit. Liebe Grüße Xenia und Leonie