Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

weinen ohne Grund

Frage: weinen ohne Grund

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Guten Tag Dr. Posth,unser Sohn ist 19 Monate alt. Wir haben nun vor 2 Monaten ein zweites Baby bekommen. Ich habe im Suchlauf, in Ihren Texten und auch in Ihren Stichwort-Antworten nagelesen und leider nicht eindeutige Antwort für mich gefunden:Die Geburt unseres zweiten Kindes hat ihm in seiner Loslösungsphase meiner Meinung nach "zurückgeworfen" er ist agressiver geworden (gegen uns und gegen sich),manchmal steht er am Fenster,schaut raus und jammert und weint - ohne ersichtlichen Grund. Ich gehe dann auch zu ihm,tröste ihm,biete etwas was wir zusammen unternehmen können(Buch schauen, bauen etc) er lässt sich dann auf etwas ein aber wirft dann gleich das Buch weg, oder die Bausteine landen auf dem Boden oder er vernichtet sofort das, was wir gebaut haben. Ich weiss nun nicht, wie ich richtig reagieren sollte. Wenn er mich haut, versuche ich ihm abzulenken und das klappt auch ganz gut. Mein Mann ist dann zwar nur abends aber sehr intensiv vorhanden und bringt ihm auch zur Bett.Paula


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Paula, das sog. Entthronungstrauma, denn um ein solches handelt es sich bei Ihrem Sohn, wenn man der Tiefenpsychologie und Psychanalyse folgt, erwischt jedes ältere Kind, wenn es selbst gerade der primären Bindung entschlüpft. Um es abzumildern, ist das Loslösungsvorbild ganz stark gefragt. Leider wird das in unserer Gesellschaft nicht in der nötigen Form gesehen und akzeptiert. Kein Arbeitgeber gibt einem Vater für diese Aufgabe frei oder reduziert seine Arbeitszeit. Ich glaube, auch unsere Familienministerin täte sich schwer, solche Forderungen im Bundestag anzubringen, wenn Sie denn für Entwicklungspsychologie überhaupt ein Verständnis hätte. Aber streng genommen müßte es so sein. So bleibt es Aufgabe einer jeden einzelnen Familie, mit diesen Entwicklungen einigermaßen geschickt umzugehen. Da also der Vater jetzt mehr gefragt ist, als die Mutter, werden Ihre Bemühungen zwar hilfreich sein, aber nicht von allzuviel Erfolg gekrönt. Was Sie noch machen können, ist, Ihren Sohn in die Pflege seines Geschwisterchens mit einzubeziehen, so daß er sich als der ältere profilieren kann. Mehr läßt isch aber im Moment nicht machen. Ihr Sohn wird sich recht bald an seine neue Position in der Familie gewöhnen. Viele Grüße


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