Bine.30
Lieber Dr Nohr, meine Tochter 5, ist schon immer sehr sensibel. Im Vergleich zu meinen anderen Kindern wirkt sie sehr dünnhäutig und nicht selbstsicher. Sie lässt sich von jeder Kleinigkeit aus dem Konzept bringen und nimmt sich jede unbedachte Äußerung anderer sehr zu Herzen. Vor besonderen Ereignissen (Weihnachten, Geburtstag, Musikauftritt...) ist sie wochenlang ständig am Weinen und verhält sich schon fast zwanghaft, was wir ihr verbieten (ständiges Händewaschen, Nägelkauen, ständiges Haarekämmen, kann keine Kleidung ertragen und reißt sie sich vom Leib). Mittlerweile lassen wir sie dann ein paar Tage krank zuhause, was ihr in solchen Phasen sehr hilft. Teilweise habe ich das Gefühl, dass sie die Dinge verzerrt wahrnimmt, wenn alle Kleidung weh tut, oder sie angeblich alle wegen ihrer nicht perfekt gekämmten Haare auslachen, Wenn mein Mann zu ihr sagt, den siehst erkältet aus, ist sie überzeugt, wirklich erkältet zu sein. Haben Sie ein paar Tipps für uns, wie wir meiner Tochter helfen können selbstsicherer und robuster zu werden? Sie wird bald eingeschult und ich habe Sorge, wenn ich an die leistungsorientierte bayrische Schule denke. Im Kiga, Sport usw wird sie übrigens eher sehr selbstbewusst und lebhaft wahrgenommen. Das zwanghafte, hysterische Verhalten zeigt sie fast ausschließlich zu Hause.
Dr. med. Ludger Nohr
Hallo, die beiden Texte beschreiben die Situation unterschiedlich. Dass Kinder, in dieser Form eher Mädchen, vor für sie wichtigen Ereignissen so unruhig werden können, macht mir keine Sorge. (So würde ich auf den zweiten Text antworten) Auffallend ist für mich, dass es eben gar kein Problem im Kiga, beim Sport usw. gibt, Sie also die Schulsorge nicht haben müssen. Warum also zu Hause diese Heftigkeit, dieses überdreht wirkende Verhalten, das dann aber mit relativ einfachen Maßnahmen (CD im Zimmer, ein Tag Pause) beruhigt werden kann? Es könnte sein, dass die Abweichungen vom Alltäglichen verunsichern und auf zwanghafte Weise versucht wird, wieder Sicherheit herzustellen.(Das ist der Sinn von zwanghaften Verhaltensweisen). Dass also ihre Sicherheit für "Normalsituationen" ausreicht, aber noch nicht für Besonderheiten. Es könnte auch sein, dass das Verhalten demonstrativen Charakter hat und die Eltern dazu bringen soll, die Bedeutung dieser kommenden Situationen (endlich) auch zu sehen. Und es kann eine Kombination aus Beidem sein. Und all dies läuft unbewusst und ist deshalb mit rationalen Argumenten wenig erreichbar. Beruhigend ist, dass sich das Verhalten zum Positiven verändert, die Verunsicherung weniger wird. Deshalb drängt sich im Moment auch keine prof. Untersuchung auf. Wenn man es also als Verunsicherung versteht ist es wichtig, mit ihr Wege aus dieser Notlage (aus kindlicher Sicht) zu finden, ohne zu sehr auf den heftigen Charakter des Verhaltens einzugehen oder es gar zu entwerten. Der Vorteil dieser Haltung ist, dass man es selbst so leichter schafft, weniger emotional (auch in der Begrenzung) und mehr konstruktiv zu reagieren. Und je nachdem wie es sich entwickelt, muß man neu überlegen. Dr.Ludger Nohr
Bine.30
Also das Hauptproblem ist, dass sie über Wochen völlig hysterisch ist und ständig weint. Ihr Verhalten wird dann zwanghaft, in dem sie sich z.b. vor dem Kiga immer und immer wieder die Haare kämmen muss und dabei immer verzweifelter wird und weint und kämmt, und weint und kämmt, bis wir ihr die Haarbürste wegnehmen.
Bine.30
Wenn sie dann im Kiga usw ist, spielt die Frisur, Kleidung usw keine Rolle mehr und sie ist bestens gelaunt. Meistens hat sie ihre Ausbrüche bevor wir irgendwo hingehen. Dort ist dann alles vergessen und wieder ok, davor ist aber immer völliges Drama.
cube
Ich bin nicht Dr. Nohr, hoffe aber es ist ok, dir zu antworten. Ich persönlich würde einen Arzt aufsuchen. Es scheinen ja echte Zwangshandlungen zu sein und nicht nur ein Ritual, das sie ungerne unterbrechen möchte. Auffällig finde ich auch, das sie dieses zwanghafte Verhalten offenbar nur (oder fast nur) zu Hase zeigt - um dann aber relativ schnell in einen Normal-Modus wechseln zu können. Sie selbst leidet ja nun auch darunter ganz offensichtlich. Also ja, ich würde das definitiv ärztlich abklären lassen.
Bine.30
Liebe Cube, wenn es ständig so wäre und ein dauerhafter Leidensdruck bestehen würde, würde ich es auch sinnvoll finden, es ärztlich abzuklären. Tatsächlich sind es ja immer nur einzelne Wochen im Jahr und dann auch nur ein paar am Minuten am Tag. Insgesamt sehe ich über die Zeit auf jeden Fall eine Verbesserung und habe das Gefühl, dass sie schon etwas mehr in sich ruht und dass die Ausbrüche schneller vorüber gehen und weniger intensiv sind als noch vor einem oder zwei Jahren. Deswegen habe ich die Hoffnung, dass es vielleicht auch etwas mit Reife zu tun hat, oder dass wir ihr vermitteln können, wie sie damit umgehen kann, wenn sie durch Ereignisse oder Veränderungen aus der Bahn geworfen wird. Wir haben herausgefunden, dass alleine im Zimmer CD hören oder einen Krankheitstag zu nehmen oder mehr zu schlafen dazu führen, dass sie ruhiger wird und mehr bei sich ist.
cube
Liebe Bine, in deiner Frage schriebst du etwas von "wochenlang" und das sie zB beim zwanghaften Kämmen schon fast anfängt zu weinen und sich Haare ausreißt. Das sie nicht aufhören kann und ihr es verbieten müsst. Für mich hört sich das schon auffällig an und nicht, als wenn es nur kurze Momente wären. Aber es ist natürlich auch schwer, sich das genau vorzustellen und sicher auch schwer, hier detailliert genug zu beschreiben. Es gibt ja nun auch Kinder, die eine Wahrnehmungs"störung" haben - also Dinge viel intensiver wahrnehmen als andere Menschen. Diese Kinder (oder auch Erwachsene) sind schnell gestresst, empfinden Kleidung als einengend, kratzig, können keine Bündchen oä ertragen. Aber vielleicht empfinde nur ich deine Schilderung als auffällig - und Gott sei Dank gibt es ja dann Dr. Nohr, der da auf jeden Fall eh der kompetentere Ansprechpartner ist und das auch besser einschätzen kann :-) LG, Cube
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