Mitglied inaktiv
Hallo Herr Dr. Posth, unsere Tochter Miriam, 4 J., ist manchmal lieb, oft aber schwierig. Ohne Anlaß oder wegen einer Kleinigkeit (z.B. Ich stelle Ihr eine schon gefüllte Tasse Milch zum Frühstück auf den Tisch, statt daran zu denken, daß sie die Milch auf dem Tisch erst selbst einschütten will) ist Miriam dann trotzig. Sie wiederholt dann gebetsmühlenartig, 20 mal oder öfter: "Ich bin schuld, ich bin alles schuld..." "Ich bin blöd, ich bin total blöd.." Wenn wir dann sagen, sie sei nicht schuld oder blöd, wird Miriam noch viel wütender uns schreit dann das Gleiche wieder und wieder. Wie reagieren wir am besten darauf? Und was ist die Ursache dieser monotonen Äußerungen. Insgesamt, so glauben wir, gehen wir ruhig, liebevoll, konsequent mit unseren Kindern um. Vielen Dank. Vielen Dank
Hallo, obwohl Ihre Tochter die beiden Sätze hintereinander sagt und diese irgendwie auch miteinander zusammenhängen, würde ich sie doch trennen. Mit Trotz ist diese Aussage auch sicher nicht mehr zu erklären, und das Verhalten selbst signalisiert nur, dass Ihre Tochter Ihre Selbständigkeit mit aller Deutlichkeit reklamiert. Die innere Auseinandersetzung mit der Schuldfrage und dem dazugehörigen Gefühl gehört zum Alter zwischen 4 und 5 Jahre dazu. Allerdings verbalisiert nicht jedes Kind das so deutlich. Das Schuldgefühl setzt zwei Erkenntnisse voraus, erstens das generelle Verständnis gesellschaftlicher Regeln und deren bereitwillige Anerkennung, auch wenn diese im Gegensatz zu den eigenen Wünschen und Bedürfnissen stehen. Zweitens das Bewusstsein in der Verweigerung der Befolgung einer solchen Regel, aufgestellt z.B. durch die Eltern, einen Verstoß zu begehen und damit einen moralischen Fehltritt zu leisten. Die Empfindung des moralischen Fehltritts rührt nun nicht so sehr aus dem Regelverständnis her, sondern mehr aus dem Gefühl, den Eltern eine Enttäuschung bereitet zu haben. Dieses Gefühl ist tief verbunden mit der Fähigkeit zur Empathie und dem Gefühl von Mitleid. Enttäuschung heißt nämlich, jenen geliebten Anderen einen seelischen Schmerz zugefügt zu haben, den man in sich selbst durch dieselben Anderen verursacht nicht erleben möchte. Kinder mit 4-5 Jahren und älter üben sich in solchen Gefühlsbestimmungen. Ihre Tochter hat nun den Vorzug, dass sie dieses gedankliche Arbeiten am Schuldverständnis auch verbalisiert. In entwicklungspsychologischen Studien muss man solche Aussagen auf komplizierte Weise aus den Kindern "hervorkitzeln". Also empfindet Ihre Tochter ganz normal und versucht nur zu verstehen, was in ihr vorgeht. sie erwartet dabei, dass Sie als Eltern keine widersprüchlichen Aussagen dazu liefern, denn das brächte sie total durcheinander. Dass sie "blöd" sei, der zweite Satz also, soll ausdrücken, das sie sich kritikwürdig mit dem, was sie bei Tisch anbringt, verhält und befürchtet einen Tadel zu erhalten. Das entspräche jedenfalls ihrer Eigensicht. Sie selbst als nette Eltern wollen Ihre Tochter aber prompt entschulden, was ihrem Selbstverständnis vollständig zuwider läuft. Also reagiert sie, für uns Eltern paradox, ärgerlich auf die Entschuldung, denn das zerstört die Ordnung, um die sie sich gerade bemüht. Besser scheint es mir, Sie bestätigen erst einmal die persönliche Sichtweise Ihrer Tochter und sagen ihr, Sie hätten es ja nur lieb gemeint mit dem Eingießen, und es sei doch jetzt "doof" von ihr, so einen Terz zu machen. Aber beim nächsten Mal würden Sie es besser machen. Auf das "ich bin alles Schuld" wäre vielleicht besser zu antworten: "du bist nicht alles Schuld, aber manchmal stimmt es". Und man kann zur Entlastung anfügen: "Jeder mal halt mal einen Fehler". So bleibt Ihrer Tochter das Schema, um das sie sich fortgesetzt bemüht erhalten, und sie spürt zugleich, dass Sie als ihre Eltern weiter auf ihrer Seite stehen. Viele Grüße
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