Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Trotz mit 2,5 Jahren - Ich weiß nicht mehr weiter

Frage: Trotz mit 2,5 Jahren - Ich weiß nicht mehr weiter

Mitglied inaktiv

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Hallo, ich weiß, daß es gerade zwischen 2-3 Jahren sehr schwierige Phasen bei einem Kleinkind gibt, aber die meines Sohnes ist so schwer, daß ich mir nicht mehr zu helfen weiß. Kurz zu den familären Dingen: Ich 32, alleinerziehend, seit 4 Monaten wieder einen Partner. Justins Vater ist gegangen, als er 10 Monate war. Justins Schwester ist genau 2 Jahre jünger als er und da war nie ein Vater da. Mein jetziger Partner kennt uns schon länger und liebt beide Kinder, zeigt das auch. Und nun zu dem Trotzkopf: Justin versucht von morgens bis abends seinen Kopf durchzusetzen, was meist in Geschrei ausartet. Er kann dann stundenlang brüllen. Z.B. verlangt er morgens trinken, ich gebe ihm was, das passt ihm dann nicht und er schüttet es aus und verlangt mit lauten Geheule was anderes (nämlich auch Milch wie seine Schwester). Wenn er die bekommt, dann will er mit Geschrei keine Flasche, sondern ein Glas. Wenn es um Windelwechsel geht, dann ist er zuerst dran (tue ich auch, damit er sich nicht zurückgesetzt fühlt, da das Baby ja mehr Aufmerksamkeit braucht), doch auch dann sträubt er sich anziehen zu lassen und es artet wieder in Geschrei aus. Wenn ich nicht wirklich ausgeprägt Zeit für ihn habe, dann sucht er alles Mittel um mich zu provozieren und falls ich seinen Wutanfall ignoriere, dann gibt es wieder Geschrei. Er lässt sich in seinen Trotzanfällen auch mit nichts beruhigen, geschweige denn ansprechen. Nichts hilft, ich habe es mit allen Mitteln versucht und inzwischen ist es sogar soweit, daß ich ihm auch schon auf die Finger gehauen habe, einfach aus Hilflosigkeit, weil ich nicht mehr weiterwusste. Unser Tag besteht aus Mehrheit daraus, daß Justin sich versucht in den Mittelpunkt zu stellen und das meist mit Geschrei. Und ich muß zugeben, daß ich so langsam am Ende meines Lateins bin. Sämtliche Ratschläge anderer schlagen bei meinem Sohn nicht an, er ist extrem ausdauernd, zieht nie beleidigt mal ab, sondern schreit so lange (auch 2 Std.) bis er irgendwie abgelenkt wird. Ich kenne wirklich viele Kinder, aber keines hat diese Trotzphase so extrem durchlebt. Nachts schläft er natürlich auch nicht, sondern steht nach 2-3 Std. nach dem Einschlafen wieder bei mir, um dann in meinem Bett weiter zu schlafen. Wie lange dauert so eine Phase, denn es geht schon seit Wochen so? Und was raten Sie mir als Maßnahme bei solchen Ausbrüchen? Ich dachte erst an Eifersucht auf die Schwester, aber das kann es nicht sein, denn wenn er ihr was tut, dann nur um meine Aufmerksamkeit zu erhalten, wenn ich mal garnicht reagiere, ansonsten spielt er viel mit ihr und schmust auch. Allerdings kämpfte er die ersten 8 Wochen nach der Geburt damit. Was soll ich noch tun? Grüsse Heike


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Heike, zum Thema "Trotz" gibt es zahlreiche Antworten hier im Form. Bitte dort einmal nachschlagen. Das, was Ihr Sohn zeigt, ist ihrer Beschreibung nach nur noch zum Teil Trotz. Darüberhinaus ist es dessen Steigerungsform, nämlich Opposition und Provokation. Jetzt bewegen wir uns aber an der Grenze zu übersteigerten Reaktionsweisen der Wut und des Widerstandes, und zwar unter Zuhilfenahme des altersgerecht einesetzenden Aggressionstriebs. Das muß man eigentlich gut unterscheiden, denn Trotz dient der Selbstversteidigung und ist eine wichtige Phase im Leben eines jeden Menschen, Opposition nur noch zum Teil und Provokation ist die früheste sozialbestimmte Aggressionsform. Bei solchen übersteigerten Reaktionen hat man nur eine Chance, wenn man die Ursachen dieser Entwicklung erkennt. Dazu brauchen Sie im Grunde eine Erziehungshilfe, die sie ja auch beanspruchen dürfen. Die meisten Kommunen haben Angebote in dieser Richtung. In meinem Forum sehe ich mich außerstande, definitve Erzeihungshilfe zu leisten. Dazu müßte ich Sie und die Kinder persönlich kennen. Viele Grüße


Mitglied inaktiv

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Ich weiß nicht, ob ich froh darüber sein kann, jemanden gefunden zu haben, der die gleichen Probleme wie ich habe. Mein Sohn ist jetzt 3 1/2 und sein Bruder knapp 4 Monate. Ich dachte bisher, es liegt am Alter, daß mein Sohn zu schwierig ist, weil es mit dem 3. Geburtstag losging. Im Moment kommt es mir vor, als wenn ich morgens aufstehe und schimpfe und abends in Bett gehe und immer noch schimpfe. Das schlimmste an der Sache ist, daß ich abends im Bett liege und mir der kleine Zwerg leid tut, weil ich ein schlechtes Gewissen habe, daß ich zu doll gemeckert habe. Aber wieviel soll man sich gefallen lassen? Wenn ich ein Rat weiß, kann ich Dir diesen weitergeben.


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