Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Tragen und Loslösung

Frage: Tragen und Loslösung

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Sehr geehrter Dr. Posth, ein weiteres Mal wende ich mich an Sie und hoffe auf Ihre Hilfe. Unsere Tochter, 13 Monate, Schreibaby, fast nur getragen, schlief schlecht, jetzt langsam besser, stark gefremdelt, jetzt aber auch besser, ist nach wie vor sehr anhänglich an mich und meinen Mann. Sie fremdelt zwar kaum noch, d.h. spielt gern mit Menschen, die sie gern hat, wie z.B. Opa, Tante, etc. Wenn wir allein mit ihr zu Hause sind, möchte sie nur bei uns sein. Entweder sind wir dann im Wohnzimmer und spielen mit ihr, oder sie spielt kurze Zeit allein, aber wir müssen im Raum sein. Wenn wir kurz rausgehen wollen, kommt sie protestierend hinterher gekrabbelt und will dann auch oft von uns geholt werden und auf dem Arm bleiben. Sprich, wir kommen nach wie vor kaum dazu, mal was im Haushalt zu machen, weil sie ständig bei uns bzw. auf dem Arm sein will und sonst nur Theater macht. Sie quengelt dann zuerst, wenn wir sie aber dann nicht auf den Arm nehmen, weil wir grad was anderes machen, dann steigert sie sich richtig rein und weint dicke Kullertränen. Aber soweit lassen wir es nur im Notfall kommen. Meist kommen wir ihrem Wunsch schnell nach und nehmen sie auf den Arm. Wir machen das ja schon sehr lange mit, mit dem Tragen. Hört das denn irgendwann mal von alleine auf? Bald wird sie hoffentlich laufen, wir können sie doch nicht ewig tragen (sie wiegt immerhin schon 11 kg!) Ich habe Sie schon öfter bzgl. Loslösung angeschrieben. Unsere Tochter liebt ihren Papa über alles und lässt von uns beiden alles machen. Papa hat sich auch von Geburt an sehr stark in alles miteingebracht. Ich war aber ein Jahr rund um die Uhr mit ihr zusammen, Papa war arbeiten. Zeitweise durfte auch nur ich bestimmte Dinge machen. Ich bin mir sehr unsicher, wer jetzt die Hauptbezugsperson ist. Wenn sie getröstet werden will, lieber von mir, aber Papa darf auch – zusehends öfter. Wenn wir unter vielen Menschen sind und sie sich unwohl fühlt, ist sie lieber bei Papa. Wie wird sich die Loslösung vermutlich gestalten, bei fast gleichwertigen Bezugspersonen? Sind da eher mehr Probleme wie starker Trotz etc. zu erwarten? Vielen Dank für Ihre geschätzte Antwort, viele Grüße, Daniela


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Daniela, Ihr Einsatz für Ihre Tochter in den ersten -offenbar schweren- Lebensmonaten zahlt sich jetzt schon aus. Denn, das Verhalten, das Ihre Tochter mit gerade einmal 13 Monaten an den Tag legt, entspricht ziemlich genau dem eines weitgehend sicher gebundenen Kindes. Die Schwierigkeiten, die Sie an ihr feststellen, passen denn auch eher zu Bindungsunsicherheiten, wer von ihren Eltern die momentane Hauptbezugsperson ist und wer -vorübergehend- zurückgestuft wird. Dieses Verhalten ist für Säuglinge, die von beiden Eltern einigermaßen gleichwertig aufgezogen worden sind ziemlich typisch. Man muss nicht gleich von einer Bindungsverwirrung sprechen, aber eine gewisse Unsicherheit in der Orientierung ist festzustellen. Am besten, man richtet sich in solchen Fällen weitgehend nach dem Kind und positioniert sich auf Dauer etwas klarer. Mit einem stärkeren Trotzen wäre nur dann zu rechnen, wenn der Faktor der erschwerten Loslösung (s. gzieleter Suchlauf) dazu käme. Aber das ist bei einem engagierten Vater ja gerade nicht zu erwarten. Die verstärkte Anhänglichkeit mit 13 Monaten gehört zu beginnenden Loslösung. Sie ist so gesehen nichts Auffälliges. Das Trageprinzip nimmt dann sofort ab, wenn die Kinder sich selbstständig fortbewegen können. Das wird auch bei Ihrer Tochter so sein, sobald sie laufen kann. Viele Grüße


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