Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Immer nur Papa!

Frage: Immer nur Papa!

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Hallo, ich bin verzweifelt. Unser Sohn, 15 Monate, geht seit 2 Monaten in die Krippe. Mein Mann ist unter der Woche in einer anderen Stadt. Zu Hause bekommt unser Sohn total oft Wutanfälle und schreit nur rum (er war ein Schreibaby). Wenn mein Mann am Wochenende da ist, ist er wie ausgewechselt, er hört auf meinen Mann eher als auf mich, obwohl ich den ganzen Tag mit ihm zusammen bin. In der Krippe habe ich nachgefragt, da ist er auch total lieb. Liegt es an mir? Versucht er mich auszutesten? 1 x hat er mich jetzt auch schon mal gehauen, als ich ihm was verboten habe. Obwohl ich viel mit meinem Sohn spiele, mit ihm knuddle, kommt es mir manchmal so vor, als ob er mich nicht so mag, hört sich jetzt vielleicht komisch an. Er schmust auch nicht gerne mit mir, da will er immer schnell woanders hin. Woran könnte das alles liegen? Sind Wutanfälle mit 15 Monaten normal? Er liebt seinen Papa total. Nach der Geburt (Saugglocke) hat sich auch Papa sehr viel mit ihm beschäftigt. Was raten sie uns


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, die Hinwendung der Kleinkinder zum Vater im 2. Lebensjahr ist ein normaler Entwicklungsschritt, der zur sogenannten Loslösung gehört (s. gezielter Suchlauf unter selbigem Stichwort). Es ist also ganz normal, dass Ihr Sohn so reagiert. Nicht ganz so leicht zu erklären ist seine momentane Aggression auf Sie. Die hängt zwar auch mit der Loslösung und dem Widerstandsverhalten zusammen, das ein Kind braucht, um sich aus der engen Mutter-Kind-Bindung zu befreien, aber so heftig, wie bei Ihrem Sohn muss es nicht zugehen. Vermutlich hängt das mit der Vorgeschichte und den Schreiphasen in Säuglingszeit zusammen. Je nachdem, wie es der Mutter gelungen ist, mit dem Schreien ihres Babys zurechtzukommen, und je nachdem, wie sich die Familie hilfreich in das Geschen eingeschaltet hat, kommt es zu einer sicheren oder unsicheren Bindung am Ende des 1. Lebensjahres. V.a. wenn die Bindung unsicher-ambivalent ausgefallen ist (s. wieder gezielter Suchlauf und meine Langtexte), reagieren die Kleinkinder dann so heftig auf die Mutter in der Loslösung. Das frühe Abgeben des Kindes in die Ki-krippe tut noch ein Übriges. Trotz dieser "Ausfälle" Ihres Sohnes, die ja nur eine Reaktion auf seiner eigenen Konflikte sind, sollten Sie liebevoll und nachsichtig mit ihm umgehen, ihm aber da klare Regeln aufzeigen, wo er über die Stränge schlägt. Ihr Sohn wird sie umso mehr wieder lieb haben, je mütterlicher sie mit ihm umgehen und je weniger Sie in ihrem erzieherischen Bemühen klein bei geben. Viele Grüße


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