Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Ich bin verzweifelt

Rund ums Baby Adventskalender 2025
Frage: Ich bin verzweifelt

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Hallo Dr. Posth, ich habe ein sehr ernstes Problem – weniger mit meinem 2 ½ Jahre altem Sohn, sondern mit mir selbst. Ich verliere immer häufiger die Beherrschung und schreie meinen Sohn wegen kleinster Vorfälle an. Ich sehe in diesen Momenten einfach rot. Ich bekomme das nicht unter Kontrolle, so sehr ich mich auch anstrenge – es endet immer häufiger mit einem völlig unkontrolliertem anschreien und einen Ton meinem Sohn gegenüber, den ich selbst als nicht vertretbar empfinde. Ich kann mich dann nicht unter Kontrolle bringen. Manchmal gelingt es mir und ich kann dann ruhig mit ihm über die Dinge sprechen und es klappt dann auch. Er versteht mich sehr gut. Er ist für sein Alter sehr weit entwickelt. Er spricht perfekt und begreift viele Zusammenhänge, die andere Kinder in seinem Alter noch nicht mal aussprechen können. Ich glaube er ist sehr intelligent. Aber bei der nächsten Gelegenheit hört er dann nicht (er ist eben erst 2 ½ ) und ich versuche es ein paar mal – schließlich merke ich dann wie die Wut wieder in mir hochkommt – dann brülle ich meistens. Der Kleine weint dann natürlich ganz bitterlich und in diesem Moment hasse ich mich selbst abgrundtief. Ich habe mich nach so einer Aktion schon selbst geohrfeigt. Mittlerweile bin ich völlig verzweifelt. Mein Umfeld ist eigentlich wunderbar. Ich muss nicht arbeiten, habe keine finanziellen Probleme, ich unternehme viel mit meinem Sohn und dann passieren wieder diese Ausraster. Ich habe Angst vor mir selbst. Geschlagen habe ich ihn bis jetzt – Gott sei Dank – noch nie. Ich kann mir Zeit für mich nehmen, die Großeltern passen dann auf ihn auf, mein Mann nimmt ihn mir auch viel ab, aber es hilft nichts. Ich merke wie mein Sohn langsam Abstand zu mir nimmt und ich weiß nicht was ich machen soll. Ich habe große Angst, dass er das Urvertrauen zu mir verliert. Er fragt mich jetzt schon mehrmals am Tag: „Mama, bist du lieb? Mama, bist du böse?“ Ich benötige dringend Hilfe, ich weiß aber nicht was ich tun soll – an wen kann ich mich wenden? Sollte ich einen Arzt aufsuchen, psychologische Hilfe in Anspruch nehmen? Ich mag auch mit niemandem aus meinem Umfeld offen darüber sprechen. Bitte geben Sie mir einen Rat. Vielen Dank Adrienne


Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Adrienne, zunächst einmal möchte ich sie zum dem Mut beglückwünschen, den Sie hier demonstrieren, in dem Sie so offen bekennen, was zahlose Andere verschweigen. Wahrscheinlich hat es sehr viel mit der eigenen Kindheit zu tun, wenn man Verhaltensweisen seiner Kinder so schwer annehmen kann. Das sind ja meistens jene Verhaltensweisen, welche Geduld, Toleranz und Akzeptanz bei einem auf eine fast unerträgliche Weise herausfordern. Da man selbst in seiner Kindheit aber eine ganz andere Sprache gelernt hat, als die, die hier angemessen wäre, bricht das innere Konzept, so fest man es sich auch vorgenommen hat, zusammen. Schließlich bestraft in seinen Kindern jene symbolisch, gegen deren abweisenden und kränkenden Einfluß man sich in seiner eigenen Kindheit nicht ausreichend hat wehren können. Das sind ganz typische, menschliche Reaktionen. Nur leider traditioniert man auf diese Weise das autoritär-unterdrückende Verhalten, das man eigentlich abschaffen möchte. Das irritierte Kind kann dann nur (höflich) anfragen, wie man sich gerade fühlt und ob man heute böse ist oder lieb. Sicherlich steigern sich solche Zornesgefühle auf die Kinder, wenn auch noch im unmittelbaren Lebensumfeld etwas nicht stimmt, z.B. Partnerschaft oder unliebsame Fremdeinflüsse oder soziale Probleme. Wenn man meint, es allein nicht nicht zu schaffen, was überhaupt keine Schande ist, dann sollte man sich bei einer geeigenten Beratungsstelle hilfe holen. Man muß nicht gleich zur Psychologin gehen. Manchmal ist aber auch das sinnvoll und nötig. Alles Gute und viel Erfolg


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Liebe Adrienne, ich habe solche Situationen auch schon erlebt - mein cholerisches Temperament, leider :-( Fest steht jedoch, dass es nicht vorkommt, wenn es mir gut geht und eher, wenn ich im Streß bin/mich schlecht fühle (nicht körperlich, sondern psychisch). Ich denke, dich bedrückt irgendetwas - auch wenn du schreibst, wie gut es dir eigentlich geht. Horch doch mal in dich hinein, ob du nicht herausfinden kannst, was es ist (unterschwellige Probleme in der Partnerschaft, Unzufriedenheit mit der Mutterrolle, oder eben irgendetwas ganz anderes, Individuelles). Solange du nicht die "Wurzel des Übels" anpackst, wird sich an diesen Entgleisungen nicht viel ändern. Du sagst ja selbst, dass du in diesen Momenten die Kontrolle über dich verlierst. Das Verhalten deines Sohnes mag dich zwar stressen, aber es stellt nur ein Ventil für die tiefliegende emotionale Krise dar. Leider kann ich dir keine Beratung oder THerapie empfehlen, weil ich damit keine Erfahrung habe. Vielleicht weiß Dr.Posth da Rat? Herzliche Grüße Oda um so seltener vorkommt, je besser es mir geht und eher


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Hallo, Deine Wutausbrüche haben wahrscheinlich einen unterschwelligen Grund. Vielleicht Unzufriedenheit, Partnerprobleme? Hast Du irgendein Geschehniss, sei es in der Ehe oder im Verwandten-/Bekanntenbereich nicht verarbeitet? Ich kenne das nämlich, und würde Dir raten, bevor die Situation eskaliert, eine Therapie zu machen. Wenn Du Dich ohrfeigst, zeigt das, daß Du DICH SELBER nicht akzeptierst, und das hat vielleicht einen tieferen Grund. Und sowas bekommt Dein Kleiner auch mit, und was soll ER machen, wenn Du Dich in Frage stellst? Liebe Grüße und viel Glück von Sabine


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Das was du schreibst ist so als wenn ich von meiner Situation spreche. Mir geht es ganz genauso wie Dir und ich bin völlig ratlos und weiß auch nicht wie ich es in den Griff bekommen soll. Es wird immer schlimmer und ich werde jetzt versuchen eine Kur zu beantragen, damit ich wieder auftanken kann, allerdings ohne Kinder.Vielleicht hilft das ja.Wenn du Lust hast kannst du mir ja schreiben.Es würde mich sehr freuen.


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Liebst Du Dein Kind? Vermeidest Du diese Frage, weil Du Angst hast, Du müsstest sie vielleicht tief im Innersten mit "Nein" beantworten? Es scheint auf dieser Welt ein unumstössliches Gesetz zu sein, dass eine Mutter "naturgemäß" ihr Kind ab dem ersten Moment seines Lebens liebt. Umso schlimmer für die, die sich da manchmal nicht ganz sicher sind. Hast Du den Eindruck, dass Dein Mann sich seit der Geburt Eures Kindes geändert hat? Bist Du vielleicht ein bißchen eifersüchtig auf Deinen Sohn? Falls Du mit diesen Fragen was anfangen kannst, maile mich doch mal an. Mach Dich nicht fertig !


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Hallo, auch ich kenne dieses Gefühl der heftigen Wut. Bei mir traten gleichzeitig noch andere ektreme Gefühle auf wie z.B. Ängste, Grübeln usw. So kannte ich mich gar nicht, meine Familie litt sehr unter meinen Launen. Schliesslich ging ich zum Arzt und bei einer Blutuntersuchung stellte sich dann eine extreme Schilddrüsenunterfunktion heraus. Diese hatte auch Auswirkungen auf den Stoffwechsel meines Gehirns, so erkläte mir der Arzt. Ich muss seitdem jeden Tag eine Hormontablette einnehmen. Da es mir nach einer Weile psychisch nur etwas besser ging, empfahl mir der Hausarzt den Besuch eines Pychiaters. Da war ich erstmal geschockt. Aber im Interesse meiner Familie ging ich dahin und ich kam zu einer netten Psychiaterin. Sie erklärte mir, dass eine Schilddrüsenunterfunktion Depressionen, Ängste, heftige Wutgefühle usw. auslösen kann und es dauert trotz Hormontablette ziemlich lange bis man wieder die ganze Alte wird. Sie empfahl mir Antidepressiva zu nehmen. Erst zögerte ich und dann dachte ich, ein Versuch ist es wert, zumal sie nicht abhängig machen. Ich glaubte nicht an den Erfolg, doch es wirkte. Ich wurde viel ausgeglichener, war nicht mehr so extrem gereizt, konnte wieder lachen und ich war auch nicht so kaputt. Es machte mir nichts mehr aus, wenn viel Trubel um mich herum war usw. Nach 6 Monaten habe ich die Tabletteneinnahme beendet und mir geht es immer noch gut. Meine Psychiaterin erklärte mir, dass innere Unzufriedenheit häufig eben nicht mit der aktuellen Situation zu tun hat. Mag sein, dass dein Kind anstrengend ist, andere haben auch anstrengende Kinder, oft noch mehrere und werden trotzdem gut damit fertig. Gerade Frauen sind aufgrund ihrer schwankenden Hormone psychisch anfällig, ich selbst leide unter PMS. Kurz bevor meine Tage kommen, bin ich sehr launisch und da geht man mir am besten aus dem Weg. Wenn meine Periode da ist, geht es mir wieder bestens, aber meine Situation ist nicht anders geworden, sondern mein Gehirn, meine Sichtweise, mein Empfinden ist anders geworden. Daher meine ich, dass Fragen, ob du unzufrieden mit deinem Mann bist, usw. nicht viel weiter bringen. Auch die Antibabypille vertrage ich nicht gut, da wird es mir auch immer so komisch, ich werde launisch, gereizt, kriege häufiger Kopfschmerzen usw. Ich finde, Du sollste auch körperliche Ursachen abklären, gehe zum Hausarzt, vielleicht auch zum Frauenarzt, lass dich untersuchen. Und wenn sie psychiatrische Hilfe empfehlen, blockiere nicht gleich ab. Gruß Ulla


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Hallo Angi, es tut gut zu hören, dass es anderen ähnlich geht wie mir. Du kannst mir ja mal mailen, dann können wir uns austauschen. Adrienne


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