Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Fortsetzung vom 14.5.: Erziehung 16 Monate altes Kind

Frage: Fortsetzung vom 14.5.: Erziehung 16 Monate altes Kind

natusch26

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Hallo Herr Dr. Posth, Danke für Ihre Antwort. Ich habe aber noch ein paar Fragen, weil ich manchmal das Gefühl habe einen Wunsch meiner Tochter nicht zu erfüllen komme der Nicht-Erfüllung der Bedürfnisse gleich. Wo ist denn da die Abgrenzung? Ich habe Angst, dass sich die Bindung verschlechtert, wenn ich sie z.B. Mal gegen Ihren Willen wickele und sie schreit, wenn sie auf dem Rücken liegen muss. Oder was ist z.B. wenn sie nicht im Buggy sitzen oder gehen, sondern getragen werden will? Dann lasse ich sie doch nicht schreiend im Buggy sitzen, sondern trage sie immer, egal wie weit der weg ist. Manchmal meckert sie auch bei Kleinigkeiten, z.B. wenn sie das nächste Lied auf der CD will. Soll ich bei solchen Dingen aus Prinzip hart bleiben und das Lied lassen oder soll ich ihr den Wnsch erfüllen? Ich habe Angst jetzt vieles falsch zu machen und später dann bereuen zu müssen, dass ich mich jetzt nicht durchgesetzt habe.


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, Beziehung ist keine Einbahnstraße. Eine gute Beziehung und schließlich eine Bindung entstehen nicht dadurch, dass man dem Bindungspartner immer nur alle Wünsche von den Augen abliest. Das weiß auch die Natur. Also konstruiert sie Bindungen so, dass sie Spannungen aushalten kann, und manche Spannung ist sogar unabdingbar. Z.B. der Widerstand der Kleinkinder gegen die üblichen Verrichtungen der Mutter. Er ist sogar entwicklungsförderlich, weil sich im Widerstand das persönliche Selbst herausschält. Also nicht in der Folgsamkeit wird der Mensch zum Ich, sondern im Widerstand. Im Trotz wird das noch einmal besonders deutlich, denn jetzt kommt auch noch der Machtaspekt dazu. Ursache für dieses Verhalten ist der Wille, ohne den kein Mensch vernünftig leben kann. Aber der Wille ist der beste Freund des Ich, und er kämpft auch immer für sein Ich solange er kraft genug hat. Und die Willenkraft des Kleinkindes ist immens. Es ist übrigens die Loslösung, die die größten Spannungen zwischen Mutter und Kind im zweiten und dritten Lebensjahr abfedert (s. gezielter Suchlauf). Kommt sie nicht so recht in Gang, weil der Vater nicht ausreichend zur Verfügung steht, wird die Auseinandersetzung zwischen Kind und Mutter automatisch stärker. Viele Grüße


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