Mitglied inaktiv
Hallo Dr. Posth, den Löwenanteil in der Versorgung meines kleinen Sohns (6 Mon.) übernehme ich (sehr gerne natürlich), da mein Mann auch arbeiten muss. Nun fällt mir in den letzten Wochen verstärkt auf, dass mein Sohn mich gerne auch mal links liegen lässt, wenn mein Mann in der Nähe ist. Er wird dann auch viel mehr angelächelt als ich. Er wächst sehr behütet auf, habe ihn nie schreien lassen und immer schnell Trost gespendet. Ich rede und beschäftige mich viel mit ihm. Den "Kontakt" zwischen Vater und Sohn habe ich immer angeregt (u.a. Zeit zu zweit, Einbindung in Abendritual). Bin ich überhaupt noch seine erste Bezugsperson? Habe ich vllt etwas falsch gemacht? Oder ist seine Bindung zu mir so sicher? Trost und Schlafenlegen klappt bei mir meist noch einen Tick besser. Er lacht auch sehr herzlich mit mir, wenn wir mal albern. Trotzdem bin ich manchmal wirklich traurig, wenn ich so abgeschrieben bin. Viele Grüße
Hallo, Ihr Bekenntnis zum Muttersein bekommt Ihrem Sohn sicherlich sehr gut. Die sichere Bindung und der Status der primären Bezugsperson sind damit auf jeden Fall gewährleistet. Sie unternehmen ja offensichtlich nichts, was die Bindung gefährdet. Dennoch spürt der Säugling, dass es noch eine weitere Person in seinem leben gibt, die von größter Bedeutung ist. Sie wird ab dem zweiten Lebensjahr sehr wichtig und das ist im Idealfall der Vater. Der wird aber auch jetzt schon als Ersatzbezugsperson gewertet und zur Kommunikation bedürfnishaft angeregt. Das sollten Sie schätzen, denn Sie werden Ihren Mann beim Aufziehen Ihres Sohnes immer mehr brauchen. Sie dürfen also auf keinen Fall eine Konkurrenz zu ihm aufbauen. Liebe zum Kind darf nie eigennützig sein. Die Liebe wird zwar lebenslang erwidert, verlangt aber die Zulassung von Autonomie. Ihr Satz, "oder ist seine Bindung zu mir so sicher?" ist genau die richtige Sicht der Dinge! Sie werden es in Zukunft an vielen Dingen merken, dass Sie die primäre Bezugsperson sind. Dafür müssen Sie aber mehr geben als Sie nehmen können. Viele Grüße
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