Elternforum Über 18

Fachabitur vs Abitur

Über 18
Fachabitur vs Abitur

Safa75

Hallo ich schon wieder. Hatte ja vor kurzem mal geschrieben, dass unsere nun 18 jährige viel mit uns diskutiert und das ganze hat sich jetzt beruhigt - wir lassen sie laufen. Nun hat sie sich tatsächlich überraschend dafür entschieden, nach der 12. Klasse ein FSJ zu machen und dann mit Fachabitur zu studieren. Von unserer Seite aus ist das ok, mein Mann trauert noch ein wenig weil er denkt, das eine Jahr hätte sie noch durchziehen können aber wir gehen natürlich mit ihrer Entscheidung mit. Nun hatte ich heute einen Anruf der Studienberaterin die sagte sie ist völlig entsetzt, dass sie hin werfen will und sie will versuchen sie noch umzustimmen. Ich habe zu ihr gesagt, sie ist 18 und wenn sie nicht möchte kann man sie nicht zwingen . Sie ist der Meinung das ganze ist ein Trend den sie natürlich gar nicht gut findet. Sie hat mit meiner Tochter auch immer über abbrechen gesprochen und diese meinte sie sieht es nicht als abgebrochen sondern einfach mit Fachabitur beendet… Wir hoffen nun natürlich, dass sie ihre Entscheidung nicht bereut aber sie freut sich total auf das FSJ und möchte dann nächstes Jahr dann soziale Arbeit studieren wofür ihr ein Fachabitur ausreicht und sie sagt was anderes kommt für sie nicht in Frage. Wie seht ihr die Situation?


Caot

Antwort auf Beitrag von Safa75

Abitur benötigst du nur für eine Universität. Hier in BaWü geht das also fast volle Programm mit Klasse 11 und dann FSJ oder BFD. Es ist eine Alternative. Ich finde, dass man da den Jugendlichen nicht rein reden sollte. Es will eh nicht jede:r an die Uni und man kann eben nicht alle verhassten Fächer abwählen oder man muss blöde Kombinationen wählen. Mein Großer wird mal, wenn er fertig mit dem Studium ist, dort eingesetzt wo die Anderen kein Abitur haben. Selbe Arbeit, selber Arbeitsplatz. War früher eine Ausbildung besser oder ist heute das Studium schlechter? Was schafft man mit Abitur dort besser und die ohne dort schlechter? Da hat selbst mein Sohn schon Fragezeichen. Klasse 12 ist hier nur noch Abiturvorbereitung. Eigentlich hat man alles nach Klasse 11. Nicht für umsonst gibt es ja das Angebot. Früher hatte ich auch mal andere Vorstellungen in meinem Kopf. Schlechte Note ist schlecht und das fing bei mir schon bei einer Drei an. Das haben mir meine Eltern eingebläut. Schneller, höher, weiter, besser. Es geht aber in der Tat auch anders. Ich finde, dass es viele Wege gibt die einen einen erfolgreichen Menschen werden lassen.


MM

Antwort auf Beitrag von Caot

...mit dem FSJ und Fachabi? Ich kenne das gar nicht... Geht man da ein Jahr früher vom Gym ab, macht ein FSJ o.ä. und hat danach automatisch das Fachabi in der entsprechenden Fachrichtung (je nachdem in welchem Bereich man das FSJ o.ä. absolviert hat)...? Bekommt man dann einfach so das Fachabiturzeugnis oder was muss man dafür tun? Zur AP: Wenn deine Tochter sich das gut überlegt hat und weiß wohin sie will, finde ich das gar nicht schlecht - dann hat sie durch das FSJ schon mal etwas Praxis und kann dann an eine Fachhochschule in diese Richtung (Sozialarbeit etc.). Blöd wäre halt, wenn sie das FSJ nicht zu Ende macht, dann hätte sie "nichts"... aber sie scheint ja motiviert zu sein(?).


bea+Michelle

Antwort auf Beitrag von MM

Deine Tochter wird es sich gut überlegt haben. ich würde sie machen lassen. Hier hat eine Tochte Abitur und eine Fachabi .


Shanalou

Antwort auf Beitrag von MM

Man geht ein Jahr früher vom Gym ab und macht dann ein FSJ oder eine Ausbildung. Danach bekommt man automatisch die Fachhochschulreife/ Fachabi. Eine Prüfung braucht es nicht. Man kann danach an allen Fachhochschulen und sogar an manchen Unis studieren.


Caot

Antwort auf Beitrag von MM

Bei G8 kann man nach Klasse 11 abgehen und ein FSJ machen. Dann bekommt man seine Fachhochschulreife (Hochschule) bestätigt, mit Zeugnis. Das ist kein Abiturzeugnis. Ich kann damit keinen wissenschaftlichen Beruf studieren. Aber wenn ich das eh nicht will, ist diese Möglichkeit eine tolle Alternative. Denn mit dem Endzeugnis kann ich an jede (Fach)-Hochschule und dort z.B. auch soziale Berufe studieren. Zumindest in BaWü gibt es diese Möglichkeit. Für die anderen BL weiß ich es nicht.


MM

Antwort auf Beitrag von Caot

... das ist interessant, wusste ich nicht. Einst zu "meiner" Zeit hatten Gym/Oberstufe und FSJ überhaupt nichts miteinander zu tun... (FSJ war damals einfach "insititutionalisierte" Form von Gap Year - und diente ausserdem dazu, den Personalmangel in der Pflege und sozialen Berufen abzumildern (auch mit Zivis wurden da die Löcher gestopft damals)... Das war oft auch die Kritik daran - dass man durch FSJ eigentlich bei diesem Flickwerk mithilft.)


Shanalou

Antwort auf Beitrag von Safa75

Warum sollte sie es bereuen? Mein Sohn macht das gleiche. Seine Noten würden für ein Medizin- oder Jurastudium eh nicht reichen (vom Interesse mal ganz abgesehen). Wenn sie eh soziale Arbeit studieren will, muss sie sich doch nicht durchs Abi stressen. Später interessiert das eh keinen mehr.


rabe71

Antwort auf Beitrag von Shanalou

Hallo, das ist ja gut, dass es diese Alternative gibt und sie so klar ist, was sie machen möchte. Als Mutter würde es mir trotzdem etwas so gehen, wie deinem Mann: das eine Jahr- und dann hat sie alle Alternativen. Mit 18 denkt man vielleicht: so mache ich es und 2 Jahre später sieht es ganz anders aus! Aber es kommt natürlich auch sehr drauf an, wie es ihr geht: würde sie das 1 Jahr mit links schaffen- dann ist es schade. Ist sie jetzt schon sehr gefordert/belastet, dann ist es doch super, dass es eine gute Lösung gibt. Dass die Lehrerin mit ihr spricht ist ja nicht verkehrt, dass ist immer gut, sich verschiedene Sichtweisen anzuhören, auch wenn man sie nicht teilt!


Safa75

Antwort auf Beitrag von Shanalou

Exakt so sehe ich es auch für ein anderes Studium würden die Noten nicht reichen


Dots

Antwort auf Beitrag von Safa75

Ich gebe der Studienberaterin recht und halte das tatsächlich für einen Trend vor allem unter Oberstufenschüler*innen. Im Fall deiner Tochter (sie war diejenige auf der privaten Oberstufe, die beim Lernen nicht in die Puschen kommt, richtig?) würde ich sie zwar nicht "zwingen", aber ihr die Option offenlassen, diese Entscheidung noch einmal zu revidieren. Falls sie der Typ ist, der sich wirklich (also nicht nur pubertätsbedingt) an der Schule herumquält und lieber etwas Handfestes macht, ist die Erlangung des Fachabis per FSJ für sie vielleicht wirklich die richtige Option. Meine Beobachtung ist aber eher, dass einige Schülerinnen und Schüler gegen Ende ganz einfach "schulmüde" werden (ist bei einigen auch eine der Auswirkungen der Corona-Zeit) und dann nach dem Motto "Hauptsache was anderes, Scheiß-Schule" Wege suchen, früher aus dem "System" herauszukommen. Um dann unsanft in der Realität zu landen, weil FSJ oft eben kein Zuckerschlecken ist, gerade bei Teenagern (das ist sie mit 18 ja auch noch), die ein bisschen zum Schlendrian neigen. Aber diese Fachabi-Schiene mit FSJ ist auch keine Einbahnstraße oder ein Point of No Return, sie hat noch einige Jahre (ich meine, die Grenze wäre 22, aber das bitte noch mal nachlesen oder bei der Studienberaterin erfragen), in denen sie auf die normale gymnasiale Oberstufe zurückkehren und ihr allgemeines Abi noch nachholen kann, falls sich das FSJ als Holzweg erweist.


MM

Antwort auf Beitrag von Dots

... wenn man aus dem System aussteigen will. macht man das doch nicht ein Jahr vor dem Abi?? Da würde ich eher erwarten, dass man ein paar Jahre früher (sei es im Rahmen von Teenagerrebellion oder weil man wirklich einen anderen Weg gehen will) entscheidet, erst gar nicht in die gymnasiale Oberstufe zu gehen, oder? Ich dachte die die einmal dort sind, wollen auch das Abi durchziehen?! Warum wurde diese Option mit Abgang ein Jahr früher + FSJ denn eigentlich eingeführt? Seit wann hängt FSJ überhaupt irgendwie mit dem Schulsystem zusammen? Da ist mir wohl einiges entgangen...


Caot

Antwort auf Beitrag von MM

…. und dabei sollte der Grund, warum man sich entscheidet wie man sich entscheidet, egal sein. Es gibt diese Möglichkeit, damit hat man sich ja was gedacht. Warum also diese angebotene Option nicht auch anwenden?. Es sei ein Trend signalisiert etwas doofes. Etwas was schlecht sei. Aber etwas was schlecht ist und doof eröffnet man dann warum? Viele Wege führen nach Rom und das ist ein Weg der eben nach Rom führt. Ich weiß nicht seit wann es diese Möglichkeit gibt. Bekommt man sicherlich übers googeln raus. Ich hab das auch nie auf dem Schirm gehabt, wäre da nicht eine (1) Mutter die ich kenne und die mir diese tolle neu motivierende Option für ihren Sohn - freudestrahlend und erleichternd - erzählt hat. Ich war total berührt und spürte, dass da eine große Erleichterung zu hören war.


Shanalou

Antwort auf Beitrag von MM

Nein, das siehst du komplett falsch. Ich hab meine Kinder immer mit dieser Option aufs Gymnasium geschickt. Es ist ein Weg zur Fachhochschulreife zu kommen ohne eine Prüfung ablegen zu müssen. Früher gab es das auch schon, da musste man aber nach der 12. eine Prüfung schreiben. Mit einem Realschulabschluss muss man das auch weiterhin. Die Einführung des praktischen Teils hat wahrscheinlich mit der Angleichung der Abschlüsse zu tun. Es gibt ja inzwischen auch die Möglichkeit ohne Abitur/ Fachabi zu studieren.


MM

Antwort auf Beitrag von Caot

... und denke, es kann eine gute Option sein, wie du schreibst. Warum nicht die Möglichkeiten nutzen, die es gibt... das stimmt.


Dots

Antwort auf Beitrag von MM

Das Schulsystem in Baden-Württemberg bietet glücklicherweise mehrere Optionen, sich zwischendurch umzuentscheiden, und das gibt es natürlich nicht ohne Grund. Ich persönlich finde es eher fürchterlich, wenn für "Durchhalte-Systeme" plädiert wird, bei denen möglichst früh "gesiebt" wird und dann jeder bis zum bitteren Ende durchgeschleppt wird, nur damit sich Bildungspolitiker auf die Schulter klopfen können. Die Ergebnisse solcher nicht entwicklungsgerechten Bildungspolitik sieht man vor allem in Bundesländern wie Bayern, da ist die Schulabbrecherquote auch entsprechend hoch. Aber Hauptsache keinen "linken" Reform"quatsch", sondern lieber am altbewährten Schwachsinn festhalten.


MM

Antwort auf Beitrag von Shanalou

... finde ich schon etwas seltsam. Warum soll das möglich sein?? Und ohne Prüfung - hm, aber Abi/Fachabi ist doch nun mal eine "Reifeprüfung" bzw. man zeigt, dass man das Zeug für ein (Fach-)Hochschulstudium hat. Ist das jetzt neuerdings falsch? Einerseits finde ich eine solche Option durchaus gut, in konkreten Fällem hilfreich für das "Kind" - wie auch Caot schreibt - aber andererseits geht es mir irgendwie zu sehr in die Richtung, nur bloß keine zu großen Anforderungen...


MM

Antwort auf Beitrag von Dots

Ich finde frühes "Aussieben" nicht gut (es ist extrem früh in DE, in anderen Ländern wundert man sich darüber) und bin dafür, dass es verschiedene Wege gibt, die Schulbildung zu erlangen, die einem entspricht. Auch mit "Umwegen", Änderungen... Was ich nur nicht ganz verstehe - was ist so schlimm an einer Prüfung? Wenn man das Zeug dazu hat und sie nicht unangemessen schwer ist, müsste das doch kein Problem sein...?


Shanalou

Antwort auf Beitrag von MM

Unterm Strich fällt ja nur die Prüfung weg. Bei vielen wird ja bei einer solchen Prüfung, wie Abitur, mittlere Reife,etc. nur die Fähigkeit zur Stressbewältigung während einer Prüfungssituation geprüft. Mit wirklichem Wissen hat das ja oft nichts zu tun.


MM

Antwort auf Beitrag von Shanalou

... denke ich nicht, dass man die Prüfung so ganz nur darauf reduzieren kann... Aber OK, kommt wohl auch auf die konkrete Art von Prüfung an, und wie der sonstige Kontext ist...


Shanalou

Antwort auf Beitrag von MM

Wenn du keine Prüfungsangst hast, vielleicht. Aber eine andere Frage: wozu ist eine solche Prüfung gut? Das Meiste wird doch sowieso nach kürzester Zeit wieder vergessen. Was sagt eine solche Prüfung aus?


Caot

Antwort auf Beitrag von MM

Darum geht es doch. Das Fachabi ist ja eingeschränkt. Du kannst halt nicht ohne Prüfung überall hin. Ich denke man muss einer vielfältigen Menschheit auch vielfältige Angebote geben. Wir können es uns nicht leisten Schulabbrecher zu produzieren, nur weil wir aus lauter Ideologie heraus nicht über den Tellerrand schauen wollen. Ich sehe im übrigen auch keinen Trend. Nach wie vor streben hier die Oberstüfler das Abitur an. Aber wenn es eben nicht passt, sollten wir den jungen Menschen andere, gleichwertige Optionen anbieten.


MM

Antwort auf Beitrag von Caot

... wenn es manchen hilft, ihren Weg zu finden. Auf jeden Fall danke allen für die Infos - hab ich wieder was gelernt...


Dots

Antwort auf Beitrag von MM

Es gibt eben sehr verschiedene Lern- und Leistungstypen. Ein gutes Bildungssystem orientiert sich an der individuellen Vielfalt und sorgt dafür, dass alle bestmöglich gefördert werden und am Ende ein (individueller) Erfolg und Zufriedenheit steht. Ein statisches Bildungssystem, das die Auszubildenden nur zum System "passend macht", sorgt für viel Schulversagen, Frust und Demotivation. Abi-Prüfungen spielen für die Berechnung der Note in Ba-Wü zum Glück nur eine sehr untergeordnete Rolle, aber vieles in der Abi-Prüfung ist auch nicht Lern-, sondern Glückssache. Das gilt insbesondere für mündliche oder fachpraktische Prüfungen, teilweise aber auch für die wichtigen Fächer, wenn ein Thema drankommt, das einem partout nicht liegt oder man eben einen "schlechten Tag" hat. Was ja passieren kann. Über die Leistungsfähigkeit der Person oder gar über ihr generelles Talent sagt eine Prüfung gar nichts aus, weil sie ein total punktuelles Abfragen ist. Erwischt man da den falschen Prüfer/Lehrer, kommt da womöglich eine Note oder Punktzahl heraus, die überhaupt nichts abbildet als diesen "one Moment in time" zwischen dem Prüfling und dem Prüfer.


MM

Antwort auf Beitrag von Dots

... wenn in das Abiergebnis nicht nur die Prüfungsnote einfliesst, sondern auch die Noten aus den letzten zwei Schuljahren in den entsprechenden Fächern. Dann ist es nicht nur eine Momentaufnahme.


Ellert

Antwort auf Beitrag von Shanalou

Bei meiner Großen sind einige dann an Statistik gescheitert weil sie nie für Mathe was über hatten ich hätte bei der Kleinen auch nie gedacht dass das noch einThema werden wird, bei Psychologie hätte auch auch nicht Statistik so wichtig gefunden, aber auch im Master ist das wichtig. Die Vorstellung nach der Schule wird alles besser oder leichter stimmt nur bedingt


Häsle

Antwort auf Beitrag von Dots

Als Schulabbrecher bezeichnet man Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Das angehängte Bild ist nicht mega aktuell, aber auch nicht uralt. Bayern scheint hier eher nicht das Problem zu sein.


Dots

Antwort auf Beitrag von Häsle

Echt? Danke für die Statistik. Ich hatte das kürzlich in einem Artikel gelesen, als es um Söders Pläne ging, mehr Grundschulstunden auf die Hauptfächer Deutsch, Mathe und Englisch zu legen und dafür Zeit an für ihn nebensächlichen "Randfächer" wie Musik und Kunst zu sparen. Das war insgesamt ein ziemlich böser Rant über das starre, elitäre bayrische Schulsystem und darüber, dass es längst nicht so erfolgreich sei und gut funktioniere wie behauptet - u. a. unter Angabe der Schulabbrecherquote.


Tai

Antwort auf Beitrag von MM

Auch die Möglichkeit, ohne Abitur zu studieren, ist nicht neu, sondern gibt es schon sehr lange. Natürlich ist die Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife ein gewisser intellektueller Abschluss und eine hoffentlich gute Allgemeinbildung, aber für die Befähigung des Studiums oder gar der gelungenen Berufsausübung wenig aussagekräftig. Eine frühere Freundin von mir war mit Mittlerer Reife erst Erzieherin mit einigen Jahren Berufserfahrung, hat nach einer Aufnahmeprüfung an einer Pädagogischen Hochschule Grundschullehramt studiert und wurde eine sicher von Anfang an sehr gute und kompetente Lehrerin. Nach abgeschlossener Berufsausbildung mit ordentlichen Noten und mindestens drei Jahren Berufserfahrung kann man fast alles im entsprechenden Bereich studieren. Mit einem medizinischen Beruf auch Medizin, soweit ich weiß. Und ich gehe davon aus, diese Studenten wissen, was und wofür sie studieren.


Häsle

Antwort auf Beitrag von Dots

Ich bin nur gerade etwas im Thema drinnen, weil bei Kind 2 der Übertritt ansteht. Bei einer Infoveranstaltung wurde die niedrige Abbrecherquote nebenbei erwähnt. Man versucht, die Durchlässigkeit des Schulsystem zu erklären und den Eltern der schlechten Schüler die Angst zu nehmen. Realschule wird von vielen schon als Niederlage angesehen, und Mittelschule als Katastrophe. Mich nervt, dass in Bayern an allen Schulen, bis zum Schluss, Religion/Ethik verpflichtendes Vorrückungsfach ist. Die Stunden sollte man nutzen für Deutsch und Mathe. Noch sinnvoller fände ich aber sowas wie "Lebensfähigkeit/normaler Menschenverstand". Das fehlt echt vielen Leuten.


Carmar

Antwort auf Beitrag von MM

Wer kurz vor dem Abitur aussteigt (gewisse Noten vorausgesetzt), hat den schulischen Teil der Fachhochschulreife. Das war schon vor mindestens 30 Jahren so. Mit dem FSJ erlangt man die "komplette" Fachhochschulreife. Damals hat man das mit einer anschließenden Ausbildung auch erlangt. FSJ gibt es aber auch schon seit vielen, vielen Jahren.


Maca

Antwort auf Beitrag von Safa75

Du hast deine Tochter weiter unten als stinkfaul bezeichnet. Wenn sie dennoch durch die Oberstufe kommen könnte, muss sie über gutes kognitives Potenzial verfügen und vielleicht ist es das, was die Studienberaterin als Problem sieht. Eine fehlende Anstrengungsbereitschaft, die sie jetzt den (vermeintlichen) Weg des geringsten (geistigen) Widerstandes gehen lässt. Jetzt kann sie noch lernen, sich gegen Widrigkeiten durchzubeißen und einen Teil der eigenen mentalen Trägheit zu überwinden. Das daraus resultierende Erfolgserlebnis könnte sie nachhaltig positiv beeinflussen und sie für ihren weiteren Weg besser wappnen. Ich würde auch zum Abschluss mit dem Abitur motivieren. Aber wenn sie entschlossen ist und sich nicht umstimmen lässt, wäre es natürlich besser das zu akzeptieren und unterstützend zu begleiten.


Shanalou

Antwort auf Beitrag von Maca

Aber wozu? Das Kind will danach soziale Arbeit studieren. Die Fachhochschulreife bietet ein sehr großes Spektrum an Möglichkeiten. Mit einem schlechten Abi kann man auch vieles nicht studieren und die Möglichkeiten bleiben begrenzt.


Safa75

Antwort auf Beitrag von Shanalou

Da habt ihr beide recht, für sie ist es der leichtere Weg und sie sagt es kommt nichts anderes in Frage als soziale Arbeit zu studieren und eigentlich sehe ich das auch so aber lasse ihr bis zum Schluss alle Wege offen wenn sie sich unentscheidet. Ich hab ihr auch gesagt, dass sie im Studium auch lernen muss das wird ihr auch nicht geschenkt aber sie sagt das ist ihr bewusst. Unter uns gesagt denke ich, das sie aktuell froh sein kann so weit gekommen zu sein und die Noten zu halten nächstes Jahr erscheint mir schon sehr schwer. Ich bin froh wenn diese Entscheidung durch ist. Mir gefällt nur das Wort abbrechen nicht weil sie hat ja dann immerhin ihrem Realschulabschluss noch ein Fachabi nachgeschoben. Sie ist total der Typ der jetzt gerne was praktisches machen möchte über sie sagt sie freut sich so darauf


MM

Antwort auf Beitrag von Safa75

... besonders wo sie ja offenbar vorher eher Durchhängephasen hatte. "Abbrechen" ist in dem konkreten Zusammenhang wirklich das total falsche Wort, da sie ja im Gegenteil weitermacht - sie schlägt einen Weg ein, hin zu einem Ziel, das sie erreichen möchte (sie scheint sich das ja wirklich überlegt zu haben) und worauf sie sich freut! Darin würde ich sie bestärken.


Maca

Antwort auf Beitrag von Shanalou

Ob die Tochter der TE wirklich soziale Arbeit studieren möchte oder nur nach „den leichtesten Studiengängen“ gegoogelt hat, weiß man nicht. Auf jeden Fall ist das spätere Arbeiten in diesem Bereich sehr, sehr fordernd, anstrengend und geht mit einer Verantwortung einher, mit der man umgehen können muss.


Maca

Antwort auf Beitrag von Safa75

Vielleicht ist das ja wirklich genau das Richtige für deine Tochter. Als Mutter kannst du ja auch abschätzen, ob sie sich aufrichtig auf diese neuen Erfahrungen freut oder nur froh ist, der anstrengenden Oberstufe entfliehen zu können.


Shanalou

Antwort auf Beitrag von Maca

Da hast du recht. Aber sie hat ja im FSJ eine gute Möglichkeit in den sozialen Bereich reinzuschnuppern, um das dann besser abschätzen zu können. Sollte sie sich dann doch um entscheiden, dann hat sie immer noch sehr viele Möglichkeiten.


Sonnenkäferchen

Antwort auf Beitrag von Shanalou

Gute Hochschulen haben mittlerweile einen NC mit 1 vor dem Komma bei sozialer Arbeit. Darüber sollte man sich klar sein. Und es ist ein durchaus anspruchsvolles Studium und nicht mehr so larifari wie früher. Ich habe in den 90ern studiert und wundere mich, was unsere Anerkennungspraktikanten alles so machen müssen.


dhana

Antwort auf Beitrag von Safa75

Hallo, ich sehe da keinen Trend, sondern eine Vielzahl an Möglichkeiten. Heute ist das Abitur am Gymnasium nicht mehr der einzige Weg zum Studium - sondern es gibt vielfältige Möglichkeiten die Studienreife zu erreichen. Volles Abitur braucht man nur für bestimmte Studiengänge an einer Universität - und auch da gibt es schon Zulassungsmöglichkeiten ohne gymnasialem Abitur. Ich finde deine Tochter hat recht, sie weiß was sie Studieren möchte, sie weiß was sie braucht um dazu zugelassen zu werden. Warum dann nicht diesen Weg gehen? Und in einer Zeit, in der man schon für einen "normalen" Bürojob ein Studium braucht, braucht man sich nicht mehr wundern, wenn jeder Studieren will. Ist halt wie im internationalen Vergleich - da ist doch schon fast jede Berufsausbildung ein Bachelor. Mein ältester Sohn hat die Fachhochschulreife über eine Berufsausbildung - hat jetzt seinen Bachelor in Elektrotechnik und möchte noch den Master dazu machen - mit dem Bachelor an einer FH, kann er an jeder Universität weiterstudieren - jeder universitäre Weg steht ihm offen. Mein Mittlerer hat eine Berufsaufbildung gemacht, ist jetzt dabei noch den Techniker dazu zu machen - mit dem Techniker hat er ebenfall einen Abschuss, mit der er wenn er dies möchte an jeder Universität zulassungsberechtigt ist. Mein Jüngster hat sich ein Studium ausgesucht, das er nur an einer Uni gibt - der macht jetzt seine 13. Klasse über die FOS und möchte das volle Abi machen. Ist doch schön, das unser System inzwischen so durchlässig ist - auch ohne das ein Kind nach der 4. Klasse aufs Gymnasium wechselt sind weiterhin alle Wege offen. Gruß Dhana


kevome*

Antwort auf Beitrag von Safa75

An dieser Stelle zeigt sich mal wieder der große Nachteil des föderalen Schulsystems. Während es Bundesländer gibt, die diese Möglichkeit anbieten, hat man in anderen Bundesländern, wenn man nach der 11ten abgeht einfach nichts bzw. die mittlere Reife, die man auch nach Klasse 10 schon hatte. Da wird ist das Fachabitur eine komplett andere Schulform und man kann auch nicht zwischen Gymnasium und Fachoberschule wechseln


ak

Antwort auf Beitrag von kevome*

Wenn sie so vehement dafür stimmt... würde ich wahrscheinlich sie machen lassen. Hat sie denn den Eindruck , dass es ihr wahrscheinlich leichter fallen würde ? Oder weshalb will sie das eine Jahr nicht mehr durchziehen ? Weißt du... nach dem Abischnitt fragt sowieso keiner mehr, wenn man mal eine Berufsausbildung hinter sich hat. Von daher... ist es eigentlich egal. Das ist nur eine Momentaufnahme... und es heißt nicht, dass ein Einser Kandidat auch der bessere Arbeitnehmer ist. Das sind auch ( natürlich nicht immer ) Nulpen.


MM

Antwort auf Beitrag von kevome*

... finde ich, gerade im Schulwesen, das sollte doch wohl überall in einem Staat einheitlich geregelt sein! Blöd ist nur, dass eine evtl. Vereinheitlichung wahrscheinlich - bei der momentanen politischen Konstellation - eher nach "unten" gehen würde, statt sich am Höchststandard zu orientieten...


Dots

Antwort auf Beitrag von MM

... der killt dich. Ich finde es ja nett, dass dich das alles so interessiert und du so viel nachfragst, aber wenn dich das Thema "Warum ist Bildung in Deutschland Ländersache" interessiert, hätte ich hier einen Link für dich, der da genaue Hintergrundinfos liefert, geht vielleicht schneller: https://www.mdr.de/geschichte/zeitgeschichte-gegenwart/politik-gesellschaft/bildungsfoederalismus-deutschland-100_page-1_zc-43c28d56.html Dass wir keine zentralisierte Bildung (mehr) haben, ist auch ein Erbe aus der Nazi-Diktatur, da gab es eine einheitliche Bildung für alle, in der DDR ebenso. Trotzdem gibt es natürlich bundeseinheitliche Standards und eine Kultusministerkonferenz. Der letzte Satz in deinem Post ist übrigens Unfug. Vermeintliche "Höchststandards" ergeben keine gelungene Bildungspolitik, alle Länder, die in internationalen Vergleichen gut abschneiden, haben keine elitären, selektiven Bildungssysteme, sondern Gemeinschaftsschulen mit höherer Personaldichte und individuelleren Bildungskonzepten.


Häsle

Antwort auf Beitrag von Dots

"Gemeinschaftsschulen mit höherer Personaldichte und individuelleren Bildungskonzepten". Fände ich auch gut. Man sollte aber zumindest die Schulabschlüsse bundesweit aneinander anpassen. Einheitliche Anforderungen für gleichwertige Abschlüsse. Egal welcher Weg dorthin geführt hat.


Dots

Antwort auf Beitrag von Häsle

Ja, das fände ich auch gut. Aber das empfindet euer Landesherr (und dessen jeweilige Kultusminister) ja dann auch gleich wieder als Nivellierung nach unten. Dabei gibt's auch in Bayern Ecken (hab nach unserem Austausch gestern mal geguckt, Hof zum Beispiel), wo das Bildungssystem ganz und gar nicht funktioniert. Eine gesellschaftliche Homogenität, wie man sie in Bayern im Großraum München oder auf dem Land hat, wo "die Welt noch in Ordnung" ist, widerspricht halt der Realität in den allermeisten Gegenden Deutschlands, und damit muss Bildungspolitik ja auch umgehen. Dazu müsste man diese Realität aber auch anerkennen und damit umgehen, statt gegen sie anzukämpfen.


Häsle

Antwort auf Beitrag von Dots

Ja, aber das Problem bestand schon Jahrzehnte vor Söder. Er reiht sich da halt brav ein. Die Ecke Bayerns ist auch anderweitig schwierig. Bzgl. Rechtsradikalismus z.B.


Ellert

Antwort auf Beitrag von Safa75

huhu ich wäre auch nicht begeistert aber wenn sie den festen Plan schon hat und dafür die Fachhochschulreife oder Fachabi ausreicht dann würde ich auch damit leben können. Vermutlich bringt Ihr das soziale Jahr mehr in der Reife als in der Schule sitzen und das zieht sie dann sicher auch durch. Alternativ hat sie ja immer noch einen fertigen Realschulabschluss oder ? ich fand es auch nicht toll dass meine mittlere das Abi nicht mehr gemacht hat und dann den Plan hatte Erzieher zu werden, für sie war es eben der passende Weg, nur die zwei anderen wollten studieren. Und selbst jetzt mit der Berufserfahrung könnte meine soziale Arbeit studieren - das Sytsem ist doch sehr flexibel


Tai

Antwort auf Beitrag von Safa75

Ich finde, das klingt nach einem sehr guten Plan deiner Tochter. Sie hat konkrete Pläne für ihre berufliche Zukunft, wofür sie kein klassisches Abitur braucht. Für ein weiteres Jahr schulisches Lernen fehlt ihr die Motivation, die sie aber für das FSJ hat. Das praktische Arbeiten wir sie weiterbringen, und auch zeigen, ob ihr die geplante Studienwahl richtig ist. Also ist alles gut. Sie steht mit dem Schulabbruch ja nicht vor dem Nichts. Ein neuer Trend ist es meines Erachtens nach nicht, ein Jahr vorm Abitur die Schule zu verlassen, wenn es zu schwer fällt oder jeglicher Antrieb fehlt. Bereits in meinem Jahrgang in den 80ern in Baden-Württemberg haben einige die Schule nach der 12. Klasse mit der Fachhochschulreife verlassen. Eine Freundin meiner ältesten Tochter hat vor acht Jahren nach der 11. Klasse die Schule verlassen, leider aber das FSJ abgebrochen und somit die Mittlere Reife als Schulabschluss. Hier spielten aber auch psychische Probleme mit. Das Fachabitur scheint mir hier in unserer Gegend in NRW irgendwie die neue Mittlere Reife, so viele haben das inzwischen. Denn man erlangt es auch durch den Besuch eines Berufskollegs, was viele nach der Realschule oder der Mittelstufe der Gesamtschule machen, wenn sie keine Qualifikation für die Oberstufe bekommen.


kirshinka

Antwort auf Beitrag von Safa75

Oh Gott - soziale Arbeit…. Das sieht sie total romantisiert - hab ich auch mal so gesehen. Als es dann ans Eingemachte ging (Arbeit mit Obdachlosen Familien, etc.) hab ich sehr schnell gemerkt, dass das eine Kack-Wahl war! Und heute: Größter Fehler meines Lebens! Ich hab auch ganz schnell danach noch was anderes Studiert. Ich hab aber normales Abitur. Wenn sie also merkt, das ist nichts (und das wird sie!) dann hat sie keinen Ausweg wenn sie nur Fachabitur hat. Sag ihr das!!!!


Tai

Antwort auf Beitrag von kirshinka

Abgesehen davon, dass es inzwischen unzählige Studiengänge an Hochschulen gibt, ist der einzig richtige Weg im Leben ein Studium?


MM

Antwort auf Beitrag von kirshinka

... finde ich. Natürlich ist es ihre Wahl und es gut, dass sie sich drauf freut - aber auch Warnungen können angebracht sein, für den Fall dass sie es sich tatsächlich romantisiert hat... Entscheiden muss sie dann selbst.


Ellert

Antwort auf Beitrag von kirshinka

hat soziale Arbeit mit Freude studiert aber dann auch was anderes danach noch studiert da damals die Arbeitsverhältnisse immer auf Projekte begrenzt waren und wie es Gelder gab - auf Dauer wollte sie so nicht alt werden was ich gut verstehen kann.


Ellert

Antwort auf Beitrag von Tai

ebenso wie nicht jeder das Abi braucht und schafft. Vielleicht sind darum so viele Ausbildungsstellen unbesetzt weil alle von lässigem Studium trämen und danach der großen Karriere, je nachdem was sie gemacht haben aber nichts zu finden ist damit


Häsle

Antwort auf Beitrag von Tai

Ganz ehrlich, da muss ich lachen. Zum Glück gibt es nicht nur Akademiker, und zum Glück gibt es auch ganz viele Berufe ohne ein Studium oder allgemeine Hochschulreife als Voraussetzung, von und mit denen man sehr gut leben kann. Und ohne die ein Leben in unserer Gesellschaft gar nicht möglich wäre. Ich habe mir das Abitur auf dem Gymnasium ersessen, brauchte es beruflich noch nie und lebe mindestens so gut wie die meisten meiner "studierten" Mitschüler. (Fach-)Hochschulen bieten zudem für Fachabiturienten sehr viele unterschiedliche Fachrichtungen an.


MM

Antwort auf Beitrag von Ellert

... hieß das nicht früher "Sozialarbeit"?? Oder ist das was anderes? Die Leute die ich früher in Deutschland kannte, ginen Sozialpädagogik oder Sozialwesen studieren... wurden dann Sozialpädagogen, Sozialarbeiter/innen... etc. "Soziale Arbeit" gab es nicht, soviel ich weiss... aber das ist auch schon Jahrzehnte her... PS Übrigens eine Freundin meiner Schwester machte damals kein Abi, sondern nach der 10.Klasse eine Banklehre - auf Druck ihrer Eltern, was "Richtiges" zu lernen. Sie hasste das, schon allein im Kostüm, Hosenanzug jeden Tag dahin zu müssen, wo sie am liebsten Batikshirts und zerrissene Jeans trug und eher "alternativ" unterwegs war... sie zog es aber durch. Danach machte sie ihr Fachabi in Sozialwesen und ging dies studieren, arbeitete danach auch begeistert und engagiert in dem Bereich - denn das war ihr Traum gewesen. Die Bankausbildung war ihr letztendlich noch sehr nützlich, weil sie in den Semesterferien immer einen gutbezahlten Job hatte (Urlaubsvertretung als Bankerin) und immer wusste, sie kann das machen, wenn alle Stricke reißen... Auch eine interessante Biografie, finde ich...


bea+Michelle

Antwort auf Beitrag von Tai

Bei vielen anscheinend schon ...


kirshinka

Antwort auf Beitrag von Tai

Natürlich nicht. Wenn sie Installateurin oder Schreinerin oder Elektrikerin werden will - was alles ehrenwerte und nötige Berufe sind - dann natürlich kein Studium. Aber sie interessiert sich ja nicht für einen dieser Berufe - sie wollte ja studieren.


kirshinka

Antwort auf Beitrag von MM

Hieß früher Diplom-Sozialarbeit oder Diplom-Sozialpädagogik. War auch nicht untereinander austauschbar.


kuestenkind68

Antwort auf Beitrag von Ellert

Ich denke, der Trend kehrt sich gerade um. Weil auch viele Abiturienten an die Unis kommen, die einfach nicht studienreif sind... Und es gibt echt viele Abbrecher... Aus der Stufe meines Sohnes (Abi23) haben schon 2 Freunde das Studium nach 1 Semester geschmissen. Einer hat auch soziale Arbeit studiert, fand das aber total doof und macht ab 1.8. eine Ausbildung zum Erzieher und ein anderer hat BWL studiert und fand es auch doof und will jetzt auch eine Ausbildung machen. Mein Sohn hat sich ja ganz bewusst jetzt zuerst für eine Ausbildung entschieden und hat im Bewerbungsprozess ganz viele Mitbewerber gehabt, die ihr Studium abgebrochen haben oder es tun wollen... In 4 Wochen ist erstes Azubi-Treffen bei seinem neuen Arbeitgeber, ich bin gespannt, wieviele von den 30 Azubis, die die eingestellt haben, dann auch Studienabbrecher sind... Die Tocher von unseren Nachbarn hat auch ihr Lehramt-Studium geschmissen und arbeitet jetzt bei einer Versicherung... Und aktuell ist es für pfiffige und schlaue Bewerber echt sehr leicht eine Ausbildung zu finden. Überall wird gesucht und mein Sohn hatte super positive Resonnanz auf seine Bewerbungen, denn er kann sich benehmen und gut ausdrücken und ist sympatisch und nicht auf den Kopf gefallen. Das kommt gut an, weil es halt viele andere gibt, die das nicht erfüllen....


Ellert

Antwort auf Beitrag von kuestenkind68

Vor allem hat man gesehen wie Handwerker auch gesucht sind und was die verdienen können heutzutage wenn sie gut sind. da könnte man Studiengang brotloser sein


dhana

Antwort auf Beitrag von kirshinka

Hallo, ich sehe eher das Problem, das viele dieser Berufe, die für uns Ausbildungsberufe sind im internationalen Vergleich sind diese Berufe mit Abschluss Bachelor. z.B. Krankenpfleger (oder Gesundheitspfleger, keine Ahnung wie der Beruf gerade jetzt heisst) oder Hebamme, auch Physiotherapeut ... Da werden leider im Ausland die Berufsabschlüsse so nicht anerkannt, obwohl die Ausbildung an einer Krankenpflegeschule sicher nicht schlechter ist als in anderen Ländern die Bachelor-Studium für Pflege. Aber eine Nurse in Amerika hat z.B. eine ganz andere Stellung als ein Krankenpfleger bei uns. Gerade im Gesundheitswesen gibt es eine Vielzahl von Abschlüssen (Fachpfleger für Anästhesie, Intensiv, Psychiatrie,...) - aber keine (akademische) Anerkennung dafür. Solange man im Deutschland bleibt, kein Problem - aber schon im europäischen Ausland ist die Krankenpflege oft ein Studium und Anerkennung ist ein Problem. Es ist oft nicht klar, das wenn jemand in bestimmten Ländern Elektrotechnik studiert hat, oder Mechanik, oder.. dann ist die Qualität/Wissen wie bei uns der Handwerker Elektriker, Mechatroniker, ... Problem sehe ich eher darin, das die berufliche Ausbildung bei uns keinen international anerkannten Abschluss beinhaltet. Sprich wir machen uns doch die berufliche Ausbildung selber kaputt, wenn man vieles ohne Studium nicht machen darf oder nicht anerkannt wird. Also ja, klar, unterstütze ich meine Söhne ihren akademischen Abschluss zu machen... damit sind alle Wege offen. z.B. mein Mittlerer hat Fachinformatiker gelernt - berufliche Ausbildung. Arbeitet in einem internationalen Unternehmen, ist auch viel im europäischen Ausland unterwegs - sein Fachbereich ist Netzwerke und bildet dort inzwischen Kollegen im europäischen Ausland weiter. Dort haben so gut wie alle ein IT-Studium. Fachlich ist er mind. auf gleichem Stand - aber Gehalt? Wundert es jemand, der er noch überlegt ein Informatik-Studium dranzuhängen? Sein Arbeitgeber hat ihm die Finanzierung schon angeboten. Gruß Dhana


Ellert

Antwort auf Beitrag von dhana

dass man in vielen Ländern keine Berufe erlernen kann sondern etwas "studiert" was den Namen Studium am Ende nicht verdient weil es eben nur Studium oder nichts gibt Wenn ich nicht planen würde auszuwandern dann würde ich mich nach unseren Gegebenheiten richten und nicht was ind er USA ggf üblich ist


Trini

Antwort auf Beitrag von Safa75

Vor allem ist sie großartig, weil sie von deiner Tochter kommt. Mien Sohn hat die Schule in der 13 abgebrochen und brauchte dann den praktischen Teil für die Fachhochschulreife. Da er nicht in die Pflege wollte, ist es ein BFD in einer Kita geworden und in dem Jahr hat er begriffen, was ihm liegt. Er hat eine rein schulische Ausbildung zum Erzieher gemacht. Prinzipiell steht aber einem Fachhochschulstudium dann nicht im Weg. Allerdings ist bei der sozialen Arbeit der NC recht hoch. Mit einem Bachelor von der FH könnte man dann sogar zum Master an einer Uni weitermachen. Viel Glück deiner Tochter!!! Trini


kea2

Antwort auf Beitrag von Safa75

Ich finde diese Möglichkeit lediglich für Schüler attraktiv, die kein Abitur schaffen würden. Die stehen so wenigstens nicht vor dem nichts. Mal ehrlich, ein lächerliches Jährchen weiter zur Schule gehen, einmal ordentlich lernen und dann ein Abitur haben, mit denen einem alle Möglichkeiten offen stehen, kann ja wohl nicht das Problem sein. Wenn doch, wird das sehr wahrscheinlich auch nichts mit dem Studium. Ein Studium ist nicht immer nur super spannend und spaßig, sondern genauso in Teilen langweilig, stressig und anstrengend, wie die Schule. Wenn ich mir angucke, wie viele aus meinem Jahrgang ihre angeblichen Traum-Studiengänge geschmissen haben und dann ganz woanders gelandet sind, kann ich nur sagen, man weiß nie, wie es läuft. Theoretische Überlegungen zu Studiengängen und Berufen sind das eine, die Praxis ist das andere. Hatte Deine Tochter überhaupt schonmal mit den Menschen zu tun, mit denen man nach diesem Studium so arbeitet? Psychisch Kranke, Behinderte, Drogenabhängige, Obdachlose, etc.? Und ja, das Fachabitur ist hier auch so ein Trend unter den Mädchen in der Oberstufe. Ich vermute, das liegt an dem Stress durch G8 und durfte sich mit diesem letzten G8-Jahrgang erledigt haben.


Safa75

Antwort auf Beitrag von kea2

Ich gebe dir in allen Punkten recht nur muss sie halt lernen wollen und sie sagt sie möchte jetzt was praktisches und in einem Jahr wäre sie auch wieder vom Kopf her weiter. Kann man jetzt glauben oder nicht. Sie hat tatsächlich schon ehrenamtlich ein Jahr im Altersheim gearbeitet, war mit einer meiner Freundinnen im Praktikum dabei bei der Arbeitslosenhilfe und bei der Tafel mit Obdachlosen . Das FSJ möchte sie bei der Jugend und Drogenhilfe machen. Sie hat da schon einen Draht und laut denen die mit ihr gearbeitet haben ein Helfersymdrom welches man dafür aber auch brauchen würde. Trotz allem wäre mir ein Jahr Schule lieber aber unterstütze sie egal wie sie entscheidet. Aktuell ist das für sie entschieden aber sie kann sich ja bis Ende August noch umentscheiden aber ich glaub es ehrlich gesagt nicht. Sie bereitet jetzt alles vor um noch die besten Noten zu erreichen wobei das für das letzte Schuljahr auch nicht schaden würde


Trini

Antwort auf Beitrag von kea2

Ohne Abitur steht man doch nicht vor dem Nichts. Es stehen unendlich viele Ausbildungsgänge offen, mit Fachhochschulreife noch mehr. Und wenn man ohnehin ein Fachhochschulstudium anstrebt, ist es doch zielführend, schon mal Praxiserfahrung in dem Bereich zu sammeln. Trini PS: Eine Bekannte meines Mannes hat im Referendariat (Lehramt Haupt/Realschule) erkennen müssen, dass sie nicht mit Jugendlichen kann.


Ellert

Antwort auf Beitrag von Trini

Betriebe suchen heute Lehrlinge, es sich auszusuchen mit Top-Noten oder vom Edel-Gymnasium geht nicht mehr. Früher hat man schon unterschieden ob eienr ein FH-Studium hatte oder Uni, da war aber auch eine große Auswahl an Bewerbern da Gestern hatten wir wieder die Diskussion im Dienst früher konnte der ÖD es sich leisten schlecht zu zahlen weil jeder die Sicherheit des Jobs suchte heute geht jemand lieber in eine Firma die 14 Monatsgehälter und Dienstwagen und mehr Geld bietet, denn wenn der Job man doof ist stehen 5 neue AGs die gute Mitarbeiter suchen und zahlen und keine 41 Stunden verlangen bei Vollzeit. Wer das Abi eben kurz vorher aufhört oder ggf auch nicht schafft ist nicht am Ende angelangt, der hat viele andere Wege. Es schaut auch keiner mehr auf Lebensläufe mit Lücken, der Markt nimmt was er findet ! Ich wäre auch nicht glücklich wenn meine ein Jahr vor dem Zielgesagt hätte sie mag nimerm weitermachen, gerade wenn man viel Geld in gute Schulen steckt, aber was soll AP denn machen, sie zur Schule prügeln ? Sie hat einen Plan, den würde ich unterstützen