Schlauchi
Es passiert das, was ich für meine Kinder (7 & 4) nie wollte. Meine über 20 Jahre lange Beziehung ist inzwischen so den Bach runtergegangen, dass ich mich trennen möchte. Mein Mann ist kein guter Partner mehr, kein guter Mitbewohner und inzwischen auch kein guter Vater. Ich möchte das für die Kinder nicht mehr und für mich auch nicht. Ich habe ihn gebeten, dass er auszieht, die Reaktion war "Und wo soll ich hin?", geändert hat sich also nichts. Wir leben in einer HCOL Gegend. Die Kinder gehen hier in die Schule (1. Klasse) und den Kindergarten, meine Arbeit ist hier. Was nicht hier ist, ist meine Familie (250 km). Ich arbeite derzeit in TZ (30 Stunden) plus Minijob (8 Stunden, zwei Spätschichten). Mein Verdienst liegt so im Moment bei etwa 2.500 Euro (netto). Problem 1: Ich kann den Minijob nicht mehr machen, wenn ich mit den Kindern alleine wohne. Ich kann ja nicht 2x die Woche von 20 bis 24 Uhr verschwinden. Mein Babysitter nimmt in der Stunde das, was ich nach Pauschalsteuer rausbekomme. Der Vater würde mir was husten, die Kinder zu nehmen, damit ich arbeiten kann, wenn ich mich trenne. Ich könnte meine Stelle wieder auf Vollzeit aufstocken, das decken aber meine Kinderbetreuungszeiten nicht ab (Schule betreut 8 bis 16 Uhr im offenen Ganztag, freitags müssen beide Kinder bis 16 Uhr abgeholt sein), darum ja auch aktuell der Minijob zur reduzierten Stelle dazu. Ganz vielleicht würden die sich drauf einlassen, dass ich auf Fr/Sa Spätschicht alle zwei Wochen reduziere, würde halt den Zuverdienst halbieren. Egal. Auf mehr als 2.300 Euro Erwerbseinkommen (in LSK II) komme ich "spontan" nicht. Unterhalt und Kindergeld kämen vermutlich nochmal etwa 1.500 Euro dazu. Rechne ich konservativ (und ohne Minijob), lande ich bei etwa 3.500 Euro im Monat. Folgt Problem 2: Wir haben gerade eingeschult und sind daher räumlich gebunden. K1 ist in der ASS/ADS Diagnostik, aktuell mit halbherziger "Emotionsregulationsstörung"/Hochsensibilität Diagnose. Der Übertritt in die Schule gestaltet sich, gelinde gesagt, schwierig. Ich kann das Kind da jetzt nicht Hals über Kopf rausreißen, zumal wir eine großartige Klassenlehrerin und eine ganz tolle OGS-Leitung haben, die machen das super mit K1 und ich freue mich einfach täglich, dass das Kind überhaupt in die Schule geht, toll im Unterricht mitmacht und am Ende da bleibt bis es abgeholt wird. Wir wohnen scheiße teuer. Mit zwei Gehältern geht das gut, ich kann es mir alleine nicht leisten. Wir haben 96qm im Dachgeschoss, ohne Garten oder Balkon, 3 ZKB (in typischem "Neubaustil", also mit offener Wohn-Ess-Küche) und liegen etwa bei 1.800 Euro warm. Ich werde im 2km Umkreis um die Schule die Warmmiete vermutlich nur mit einem Wunder unter 1.500 Euro drücken können (ich könnte aktuell fürs gleiche Geld 30qm und ein Zimmer weniger bekommen). Was die Miete betrifft, müssten wir eigentlich umziehen. Aber längere Wege heißt im Zweifel noch weniger arbeiten können und damit noch weniger Verdienst. Das bisschen Netz, was wir uns gebildet haben (das eine Kind, mit dem K1 mal spielt, meine Kollegin, die quasi nebenan wohnt und K1 mal morgens mit in die Schule nehmen könnte) bräuchte ich ohne Partner um so mehr. Alternativ müsste ich zu meiner Familie zurückziehen (wird der Vater vermutlich etwas gegen haben), da ist aber mein Job nicht (ich darf 60% ins HO, muss aber zwei Präsenztage haben) und da fällt mir gerade auch keiner in den Schoß (um mich nicht zu doxxen, sagen wir mal, ich wäre Buchhändlerin, bin ich nicht, aber was ähnlich "allgemeines" mit dummerweise doch eher eingeschränktem Berufsfeld und eher "meh" Gehaltsaussichten, ich hätte in die Pflege gehen sollen). Fixkosten: 1.800 Euro Warmmiete 60 Euro Internet/Telefon/TV 20 Euro Handy 130 Euro Kita Vereinsbeitrag/Verpflegungspauschale 120 Euro Elternbeitrag Kita 80 Euro Verpflegungspauschale OGS 70 Euro Musikschule (Musikklasse) 20 Euro Sportverein (K1) 350 Euro Kredit KFZ 50 Euro KFZ (Versicherung & Steuer auf den Monat runtergerechnet) 10 Euro Hausrat/Haftpflicht ____________ 2.710 Euro zusätzliche Kosten: 220 Euro BU (könne ich kündigen, nehme ich an) 75 Euro private Krankenzusatz (könnte ich wohl auch kündigen) ____________ 3.005 Euro variable Kosten: Lebensmittel, Drogerie, (Rücklagen für) Bekleidung/Schuhe, Benzin (ist wenig trotz der aktuellen Preise), HU/AU, Fahrradreparaturen, Rücklagen, Geburtstage, Weihnachten, Schulmaterialien... sind doch nie im Leben unter 500 Euro (dank Mitarbeiterrabatt fahren wir in einem der größten Posten da gerade deutlich günstiger, das würde ja ohne den Minijob auch wegfallen). Vermutlich wären ja schon 800 Euro knapp. Ich weiß, ich muss entweder die Kosten senken (KFZ abgeben und Kredit ablösen sinnvoll?) oder das Einkommen erhöhen (haha). Aber ich weiß nicht wie. Ich weiß aber auch nicht, ob ich jetzt "für die Kinder" noch zusammenbleiben kann, bis die auf die weiterführende Schule gehen. Zusammen geht das finanziell halt alles ganz gut, alleine sehe ich das nicht (sofern mir nicht eine 3-Zimmer Wohnung für 1.000 Euro in den Schoß fällt). Alleinerziehend mit zwei Kindern ist ja jetzt auch nicht der Traum eines jeden Vermieters und der Wohnungsmarkt ist hier mal so richtig mies (nicht nur teuer, es gibt einfach nicht viel). "Zu Hause" könnte ich günstig wohnen und was finden, hätte familiären Rückhalt, aber das Gedankenspiel bringt ja nichts, wenn ich da kein Einkommen habe und der Vater mich nie mit den Kindern so weit wegziehen lassen würde. Ich weiß einfach nicht, wie es hier gehen soll. Die Mietkosten brechen mir das Genick. Ich könnte ohne die Kinder ausziehen, dann könnte ich mir irgendwo ein 1-Zimmer Apartment suchen oder eine Berufstätigen-WG und auf Vollzeit aufstocken, dann ginge es trotz Unterhalt an die Kinder vielleicht (und mein Mann käme mit Kindesunterhalt von mir auf etwa 4.5 netto, der sollte dann rumkommen). Ich kann K1 aber nicht beim Vater lassen, auf gar keinen Fall (K2 ginge, K2 ist pflegeleicht), wenn ich K2 beim Vater lasse, komme ich mit K1 zusammen finanziell dann gar nicht mehr rum. K1 geht kaputt, wenn wir das so wie es ist noch sechs Jahre durchziehen. Ich auch. Aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, es irgendwie passend zu machen.
Hallo, ich verstehe deine Situation. Trotzdem sage ich mal ein ehrliches Wort, nicht böse sein: Du erklärst in zwei kurzen, schlappen Sätzen, dass du dich trennen willst. Danach erläuterst du in einem ellenlangen Text, warum du dich nicht trennen kannst. Das zeigt, dass du noch lange nicht so weit bist, dich ernsthaft zu trennen. Es ist bisher nur ein Gedankenspiel, dass durch übergroße Ängste, Bedenken und die fehlende Bereitschaft, auf deinen Lebensstandard zu verzichten, komplett ausgebremst wird. Das merkt natürich auch dein Mann, der gar nicht daran denkt auszuziehen, nur weil du das mal im Frust oder halbherzig gesagt hast. Hättest du ernsthafte Trennungsabsichten, würdest du zu einem Rechtswanwalt gehen. Er kann dafür sorgen, dass dein Mann aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen muss. Natürlich müsstest du im Fall einer Trennung auf vieles verzichten. Die überteuerte Wohnung kannst du realistischerweise ebensowenig halten wie viele andere Posten deines gewohnten Standards. Das ist leider normal bei einer Trennung. Du bekommst natürlich Kindesunterhalt, aber auch das reicht nicht für eine Wohnung in einer teuren Gegend. Die anderen Bedenken kann ich teilweise sehr gut verstehen, z.B. der Schulwechsel ist natürlich eine große Belastung für ein Kind. Unmöglich ist er aber natürlich nicht, auch auf vielen anderen Schulen wird gut gefördert. Weißt du, ich sag's mal ganz ehrlich: Sehr viele Frauen bleiben allein wegen des Geldes, wegen ihres liebgewonnenen Lebensstandards, aber vor allem wegen der Kinder bei einem Mann, auch wenn sie ihn nicht mehr lieben. Das ist Alltag. Es ist auch nicht verwerflich. Man muss nur so ehrlich sein, es vor sich selbst einzugestehen. Im Moment ist deine Angst vor einer tiefgreifenden Veränderung in deinem Leben noch zu groß. Die äußeren Eckdaten, die du so akribisch aufzählst, stimmen zwar. Zugleich sind sie dennoch kein Grund, dich nicht zu trennen. JEDE Frau, die das wirklich, wirklich will, kann es auch. Auch du. Zum Glück leben wir in einem Land, in dem keine Frau mit Kind unter einer Brücke schlafen muss, weil sie ihren Mann verlässt. Es gibt sozial geförderte Wohnungen, es gibt Kinderbetreuungsmöglichkeiten auch bis 17 Uhr, es gibt finanzielle Hilfen für alleinerziehende Mütter. Ich glaube, du bist noch recht weit von einem ernsthaftem Entschluss, dich zu trennen, entfernt. Der kann natürlich noch kommen, irgendwann. Und dann kriegst du das Ganze auch hin. Was fast noch wahrscheinicher ist: Dass dir die Entscheidung irgendwann abgenommen wird. Denn auch dein Mann weiß ja, dass bei euch kaum noch Liebe ist. Es ist in der Regel dann nur noch eine Frage der Zeit, bis der Mann eine neue Frau kennenlernt und eine Affäre beginnt. Das gilt übrigens auch für Männer, denen ihre Partnerin das nie zugetraut hätte. Es ist ein Klassiker. Dann wirst du schnell vor vollendete Tatsachen gestellt, und all das, was dir jetzt unmachbar und unmöglich erscheint, geht dann auf einmal doch, und zwar ruckzuck, weil du keine Wahl hast. Ich würde also schauen: Wenn eure Beziehung so zerrüttet ist, dass da nicht mehr viel zu retten ist, würde ich nicht warten, bis andere dir die Entscheidung abnehmen. Das kommt früher oder später immer. Sondern ich würde selbst das Heft meines Lebens in den Händen halten. Ist eure Beziehung aber soweit okay, halt ohne heiße Liebe, aber immer noch mit Sympathie, könntest du bleiben, zumindest bist die Kinder groß sind. Wichtig ist, dass es DEINE Entscheidung bleibt und du dich nicht länger als armes Opfer der Umstände siehst, die dir keine Handlungsfreiheit lassen. DU entscheidest, ob du bleibst oder gehst. Alles Liebe für dich!
jorindes vertrauen in den deutschen sozialstaat ist niedlich aber unangebracht. ich habe durchaus frauen vertreten die nach der trennung mit ihren kindern im obdachlosenheim gelandet sind. aktuell habe ich eine mandantin dort. und welche denen das drohte und die deswegen nochmal die zähne zusammengebissen haben. ich kenne auch getrennte paare die seit mehreren jahren in einer erzwungenen wohngemeinschaft leben weil keiner von beiden eine neue wohnung findet. das sind, je nach wohnort und finanziellem spielraum, realistische szenarien und es zeugt keinesfalls von mangelndem trennungswillen wenn man sich gedanken über die zukunft macht statt ohne nachzudenken einen koffer zu packen. ich rate meinen mandanten immer dass sie die trennung erst offen aussprechen wenn sie einen plan haben wie es weitergehen soll. nicht immer klappt der plan dann auch aber das heißt ja nicht dass planung per se obsolet ist. du solltest dir eine anwältin oder einen anwalt suchen. erstmal nur für ein sondierungsgespräch. kostet max. 190,- netto. wenn du dir das nicht leisten kannst gibt es beim amtsgericht einen beratungshilfeschein (rechner ob dir das zusteht findest du im internet). die meisten familienanwälte kennen auch anlaufstellen z.b. für wohnungen und andere hilfsangebote. außerdem kann der anwalt ausrechnen was dir zusteht und ob evtl. noch betreuungsunterhalt o.ä. dazukommt. dann hast du realistische zahlen. frag auch nach prozesskostenhilfe, der anwalt kann dir sagen ob dir da was zusteht. in vorbereitung für eine potentielle trennung noch folgende tips: * hat dein k1 einen pflegegrad und/oder gdb? wenn nicht: jetzt beantragen, denn dann steht dir evtl. höherer bu und/oder andere hilfen zu. * sammle unterlagen zum einkommen deines mannes. er wäre nicht der erste der nach einer trennung plötzlich weniger verdient. steuerbescheide der letzten 2-3 jahren sind nice. * führe ein paar monate ein haushaltsbuch um einen überblick über eure/deine ausgaben zu bekommen. so bekommst du ein besseres gefühl dafür wie viel geld du brauchst und kannst auch eher sehen wo einsparungen möglich sind. * fange an nach wohnungen zu suchen wenn du das alles machst ist eine trennung immer noch nicht zwingend, aber die entscheidungsgrundlage wird klarer. wenn du sorge hast dass dein mann angepisst reagiert: er muss nichts davon erfahren bzw. er muss nicht wissen dass du z.b. das haushaltsbuch als trennungsvorbereitung führst. alles gute dir!