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Stillberaterin Biggi Welter

Stillberatung

Biggi Welter

   

 

Stillen aufgeben?

Hallo,

leider hatte ich von Anfang an ein paar Probleme mit dem stillen. Ich habe meinen Sohn - aktuell 12 Tage alt - anfangs voll gestillt. Im Krankenhaus hat er natürlich erstmal total abgenommen aber alles soweit noch normal. Aufgrund des Blutzuckerwertes musste ich aber hier bereits einmal zufüttern.

Als ich mit dem kleinen zu Hause war hat sich meine Hebamme das ganze mal angesehen da ich schmerzen beim stillen hatte. Sie sagte aber es sehe gut aus er liegt gut an und ich solle einfach dran bleiben. Beim nächsten wiegen viel allerdings auf das er kaum bis gar nicht zugenommen hat obwohl er jede Stunde gestillt werden musste. Als er eine Woche alt war waren die Schmerzen beim stillen unerträglich und der kleine hat nach kurzer Zeit an der Brust histerisch geschrien. Ich habe dann Muttermilch abgepumpt aber gerade mal 5-20 ml abpumpen können. Wir haben ihm dann pre Nahrung gegeben da er nur noch geschrien hat. Das klappte direkt super und er war offensichtlich endlich mal satt.

Meine Hebamme sagte dann trotzdem so oft anlegen wie möglich...als ich ihr dann von den schlimmen Schmerzen berichtete sah sie sich meine Brust an. Ergebnis war eine Soorinfektion und ein leichter milchstau auf einer Seite. Das macht das anlegen für mich unmöglich da es einfach zu weh tut.

Ich habe bis Tag 10 alle 2 Stunden abgepumpt auch nachts aber teilweise kam gar nichts oder eben nur max. 20ml. Durch die pre Nahrung hat der kleine schon gut zugenommen wobei wir immer noch vom geburtsgewicht entfernt sind. Das abpumpen versetzt mich allerdings sehr in Stress. Im erneuten Gespräch mit der Hebamme sagte sie ich solle ihn wieder anlegen da sonst die Gefahr besteht das es nicht mehr funktioniert. Das haben wir dann probiert aber leider ist der Schmerz zu stark. Heute habe ich es wieder probiert mit dem anlegen leider tut es immer noch weh aber ich habe probiert es auszuhalten. Beim ersten Mal hat der kleine wie am Anfang getrunken allerdings kam nicht lange Milch. Beim zweiten und dritten Mal anlegen tat es wieder deutlich mehr weh und der kleine verweigert die Brust.

Laut Hebamme kann ich es nun immer weiter probieren und schauen ob es nochmal klappt und natürlich nur in dem Maße wie es der Schmerz zulässt oder abstillen. Abpumpen müsse ich in jedem Fall um den Stau zu beseitigen. Ich probiere jetzt die Milchmenge zu steigern aber das anlegen schmerzt zu sehr bzw. Wird vom Kind abgelehnt.

Nun zu meiner Frage: macht es überhaupt noch Sinn mit dem stillen weiter zu machen? Der Schmerz, das abpumpen und die Tatsache das er aktuell die Brust nicht möchte belastet mich psychisch sehr. Andererseits belastet mich auch die Vorstellung endgültig abzustillen.

Für einen Rat wäre ich sehr dankbar.

Besten Dank und viele Grüße

von VS1988 am 14.03.2019, 12:39 Uhr

 

Antwort:

Stillen aufgeben?

Liebe VS1988,

ich denke, dass das Baby von Anfang an falsch getrunken hat und durch die Flasche saugverwirrt wurde.

Die Trinktechniken an Brust und Flasche (künstlichem Sauger) unterscheiden sich grundlegend. Manche Kinder kommen mit dem Wechsel zwischen den beiden Techniken nicht klar und versuchen dann mit der falschen Technik an der Brust zu trinken. Das funktioniert nicht, das Kind bekommt an der Brust keine oder nur wenig Milch, ist frustriert und lehnt die Brust dann im schlimmsten Fall sogar ab. In dieser Situation spricht man dann von einer Saugverwirrung.


Bei den Beruhigungssaugern handelt es sich um künstliche Sauger. Und unabhängig davon, ob sie auf einer Flasche oder als Beruhigungssauger Anwendung finden, können sich künstliche Sauger negativ auf das Stillen auswirken, Dies ist eines der Probleme, die sich aus dem Gebrauch von Beruhigungssaugern beim gestillten Baby ergeben können, insbesondere dann, wenn das Baby noch nicht gelernt hat, korrekt an der Brust zu saugen.
Das Saugen an einem künstlichen Sauger unterscheidet sich wie bereits geschrieben grundlegend vom Saugen an der Brust. Der künstliche Sauger ist bereits vorgeformt und relativ steif. Die Brust ist weich und nachgiebig. Ein Schnuller kann in den geschlossenen Mund eines Babys gesteckt werden. Um die Brust zu erfassen, muss das Baby den Mund weit öffnen, die Brustwarze reicht dann weit nach hinten in den Mund, wo die Bewegungen des Kiefers und der Zunge nicht stören. Auch die Bewegungsmuster der Muskeln von Mund, Gesicht und Zunge, sind am künstlichen Sauger ganz anders, als an der Brust. Mit der Saugtechnik, die das Baby beim Trinken an einem Flaschensauger oder beim Nuckeln an einem Beruhigungssauger anwendet, kann es kaum Milch aus der Brust bekommen.

Du hast ganz sicher noch eine Chance, aber ja, viel Geduld wirst du benötigen!

Man kann eine Faustregel aufstellen, dass ungefähr eine Woche pro Monat, der nicht mehr gestillt wurde, plus eine zusätzliche Woche gerechnet werden muss, um wieder eine ausreichende Milchmenge zu bilden. Allerdings gibt es keine Garantien. Da du nicht schreibst, WANN du abgestillt hattest, kann ich diesen Faktor nicht beurteilen, aber es klingt nicht so, als wäre es schon Wochen her.

Das grundlegende Vorgehen bei einer Relaktation und auch der induzierten Laktation besteht darin, das Baby dazu zu bringen so oft wie möglich an der Brust zu saugen. Dadurch werden die Brüste (wieder) zur Milchbildung angeregt. Ein ähnlicher Effekt lässt sich auch mit einer guten Milchpumpe erreichen. Häufig ist auch zusätzliches Pumpen neben dem Anlegen des Kindes sinnvoll, um die Milchproduktion zu steigern. In manchen Fällen wird die Relaktation bzw. induzierte Laktation zusätzlich mit Medikamenten unterstützt. In den Ländern der dritten Welt, wird meist ohne Medikamente vorgegangen und die Ergebnisse sind dennoch fast immer besser als bei uns. Gut beschrieben wird der Vorgang der Relaktation in dem Buch „Stillen eines Adoptivkindes und Relaktation“ von Elizabeth Hormann (ISBN 3 932022 02 5), das im Buchhandel oder bei La Leche Liga Deutschland und bei jeder LLL Stillberaterin erhältlich ist.

Allerdings verlangt eine Relaktation sehr viel Durchhaltevermögen und möglichst die Unterstützung einer darin erfahrenen Stillberaterin. Eine wesentliche Rolle spielt auch das Kind, das die Brust (wieder) annehmen muss.

Die Kollegin kann Dir dann bei Bedarf Tipps zum korrekten Anlegen geben, kann Dir erklären, woran Du erkennst, ob Dein Kind korrekt saugt und Dir überhaupt gezielte Hinweise geben. Im direkten Kontakt lassen sich viele Fragen viel besser klären.
Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter:
http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC).

LLLiebe Grüße
Biggi

von Biggi Welter am 14.03.2019

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