Wirkt sich die wenigere Zeit beim 2. Kind auf die Bindung aus?

Dr. med. Rüdiger Posth Frage an Dr. med. Rüdiger Posth Facharzt für Kinderheilkunde, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut

Frage: Wirkt sich die wenigere Zeit beim 2. Kind auf die Bindung aus?

S. g. Dr. Posth, mein 2.Sohn ist nun 8 Monate+wir erziehen auch ihn im Sinne dieses Forums.Nur ist mir schon öfter bewusst geworden, dass ich mir für ihn viel weniger bewusst Zeit nehmen bzw. ihm Aufmerksamkeit schenken kann wie damals meinem 1.Sohn in der Babyzeit.Mir fällt das besonders auf wenn meine Freundin mit ihrem Baby (ihr erstes Kind) zu Besuch kommt.Also ich begleite ihn immer in den Schlaf,auf dem Arm,er schläft im Beistellbett,stille ihn+trag ihn viel+wir lassen ihn nie schreien.Aber ich habe wenig Zeit mich so richtig intensiv mit ihm zu beschäftigen,ich mach eher alles so nebenbei mit ihm,da mein Großer ja auch noch daheim ist+dann spielen+reden möchte.Würde gern mehr bewusste Zeit mit ihm verbringen,aber das lässt sich selten einrichten.Auch lässt sichs nicht vermeiden dass er mitbekommt wenn wir mal ärgerlich mit dem Großen sind.Trotzdem ist er ein ausgeglichenes zufriedenes Baby.Wirkt sich die wenigere direkte Beschäftigung mit ihm auf ihn bzw.die Bindung aus?Danke!!

von Melli1981 am 02.05.2011, 00:40



Antwort auf: Wirkt sich die wenigere Zeit beim 2. Kind auf die Bindung aus?

Stichwort: Geschwister Hallo, das ist natürlich völlig richtig, was Sie sagen. Aber die Natur lässt noch einmal keine andere Möglichkeit zu. Und wenn man im Einzelfall dann doch zwei oder drei Kinder gleichzeitig bekommt, ist das Problem eher größer als kleiner. Dagegen zu halten sind zwei wichtige Gesichtspunkte. Erstens befindet sich das erste Kind in der Phase der Loslösung, wernn das zweite Kind kommt, und ist damit stark sehr auch dem Vater zugewandt, von dem es sich alles das holen kann, was im Moment von der Mutter nicht bekommt. Und zweitens hängt die Bindungssicherheit keineswegs nur von der Quantität ab, die sich zwischen Mutter und Kind ergibt, sondern auch ganz stark von der Qualität, wobei sich fehlende Quantität durch vermehrte Qualität ausgleichen lässt. Der Rest ist unausweichliche Geschwisterrivalität, zu der es inzwischen viele Untersuchungen gibt. Aber diese Dynamik ist naturgegeben, und sie ist ebenso fruchtbar wie sie auch konfliktträchtig. Viele Grüße

von Dr. med. Rüdiger Posth am 02.05.2011



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