Prof. Dr. med. Michael Radke

Ernährung von Babys und Kindern

Prof. Dr. med. Michael Radke

   

 

Abstillen bei eosinophiler Kolitis/muttermilchinduzierter Kolitis notwendig?

Sehr geehter Herr Prof. Radke, sehr geehrter Herr Prof. Wirth,

mein Sohn ist aktuell 10 Wochen alt (Geburtsgewicht 3050g, aktuell 5500g), er bekam in der Klinik initial Pre-HA-Nahrung, wird aber, seit er eine Woche alt ist, voll gestillt. Im Alter von 3 Wochen entwickelte er schleimig-wässrige Durchfälle (Stuhlfrequenz ca. 5-10x/Tag), ca. eine Woche später zeigten sich Blutbeimengungen, zunächst sehr wenig, im Verlauf aber deutlich mehr. Dem Kleinen geht es klinisch gut, gelegentlich denke ich, er hat etwas Schmerzen beim Stuhlgang, weint aber eher wenig und nimmt gut zu (ca. 250 g/Woche). Auffällig ist, dass er recht viel erbricht, direkt nach dem Essen, aber auch 1-2 Stunden danach, nur ganz selten im Strahl, meistens „läuft es aus ihm raus“. Zusätzlich hat er einen Reflux, insbesondere in Rückenlage, weswegen er auch sehr schlecht auf dem Rücken schläft.
Auf Anraten der Kinderärztin begann ich eine milchfreie Diät, worunter sich nach 2 Wochen keine Besserung einstellte. Auch eine intensivierte Diät (Verzicht auf Weizen, Fisch, Nüsse, Ei, Soja) über 5 Tage brachte keine wirkliche Besserung. Unsere Kinderärztin empfahl nun eine (diagnostische?) Nahrungsumstellung auf Neocate. Diese führen wir seit 5 Tagen durch, bereits nach 24 Stunden hatte er eine festere Stuhlkonsistenz und seither auch kein Blut mehr im Stuhl.

Nun meine Fragen:
- Besteht eine strenge Indikation zur vollständigen Nahrungsumstellung auf Neocate bzw. halten Sie diese im vorliegenden Fall für sinnvoll? Ich würde sehr gerne weiterstillen, da ich das Gefühl habe, dass dem Kleinen das sehr fehlt und ich auch gerne stille. Aktuell pumpe ich deswegen ab. Ich wäre auch bereit eine sehr strenge Diät zu halten.

Falls ich weiterstillen könnte:
-Welche Diät wäre sinnvoll? Zunächst mit ganz wenigen Nahrungsmitteln zu beginnen (falls ja, welche?) und dann jede Woche ein neues Nahrungsmittel hinzunehmen? Wie lange ist denn die Latenz von meiner Nahrungsaufnahme zu Blut im Stuhl bei ihm? Ist es auch denkbar, dass die Symptome komplett unanhängig von meiner Nahrung auftreten und er auf irgendeinen Stoff in der Muttermilch reagiert?

-Wieviel Blut im Stuhl ist tolerierbar? Sollten Eisen/Hb-Kontrollen erfolgen?

-Ist es bedenklich eine chronische Entzündung des Darms, die ja offensichtlich vorliegt, über Wochen/Monate zu tolerieren? Gibt es hier ggf. Spätfolgen/Folgeschäden?

-Sollten generell weitere diagnostische Maßnahmen ergriffen werden, oder ist die Diagnose mit dem Ansprechen auf Neocate eindeutig (Diagnose meiner Kinderärztin ist eosinophile Kolitis). Bisher ist keinerlei weitere Diagnostik erfolgt (keine Blutentnahme, keine Stuhldiagnostik, beispielsweise zum Ausschluss einer Infektion (Stuhl riecht nicht unangenehm)).

-Könnte der Reflux bzw. das Erbrechen auch mit der Allergie zusammenhängen (ggf. eosinophile Ösophagitis)? Bisher unter Neocate keine deutliche Besserung, dauert das eventuell länger?

- Ist eine Kombination aus Neocate und Stillen (z.B. nachts) möglich?

- Falls Sie eine Nahrungsumstellung auf Neocate empfehlen: Wann sollten wir Beikost einführen und womit beginnen? Wann und in welchem Setting würde eine Exposition mit Kuhmilch erfolgen?

Bitte entschuldigen Sie die lange Nachricht und die vielen Fragen!
Danke schon im Voraus für Ihre Antwort!

Herzliche Grüße!

von MoB am 07.01.2019, 08:12 Uhr

 

Antwort:

Abstillen bei eosinophiler Kolitis/muttermilchinduzierter Kolitis notwendig?

Die von Ihrer Kinderärztin gegebenen Empfehlungen sind folgerichtig.
Sie sollten die nächsten Wochen Ihr Kind vollständig mit der empfohlenen Nahrung ernähren und nicht stillen. Die Symptome, auch der Reflux, sprechen für eine allergische Dickdarmentzündung.
Jeder Blutverlust ist problematisch, deshalb ist er nicht tolerabel.
Man wird wahrscheinlich nicht herausfinden, welches oder welche Eiweiße in Ihrer Milch die Entzündung bei Ihrem Kind auslösen, deshalb bleibt die o.g. Empfehlung folgerichtig.
Die Krankheit hat eine überwiegend gute Prognose. Beikost können Sie ab Mitte oder Ende des 6. Lebensmonats einführen. Sie sollte aber auf jeden Fall Kuhmilch-frei sein. Geben Sie Gläschenkost, die Selbstherstellung der Beikost ist nicht zu empfehlen.

von Prof. Michael Radke am 07.01.2019

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