Dr. med. Ludger Nohr

Nicht ohne Körperkontakt

Antwort von Dr. med. Ludger Nohr

   

 

Nicht ohne Körperkontakt

Meine Tochter ist ein Jahr alt,abgestillt,isst sehr gut&in der Entwicklung normal.
Sie hat nach der Entlassung nachts nur auf mir oder meinem Mann geschlafen ohne zu schreien.Leider hat sich nicht viel daran geändert,außer dass sie jetzt neben mir anstatt auf mir liegt & nicht mehr schreit.Heißt:sie schläft nicht alleine;sie braucht dauernden Körperkontakt.Auch tagsüber schläft sie nicht alleine-braucht Körperkontakt. Gleichzeitig wird sie während des Schlafens etwa alle 45 Minuten wieder wach.
Schlafenszeit ist mittlerweile von etwa 19:30 - 6:30 Uhr. Mittags von etwa 11:30 - 13:00 Uhr.
Nachts darf ich mich seit etwa einem Monat auch auf den Rücken drehen und in seltenen Fällen auf Toilette.Es ist ihr völlig egal, ob ihr Papa da ist,wenn ich das Bett verlasse.Selbst wenn ich mich nur an das Fußende bewege, schreit sie wie am Spieß.
Wir haben viel probiert.Seit ein paar Wochen sind wir bei der Caritas gemeldet,nach der wir vorerst Räumlichkeiten üben sollten.der nächste Schritt ist,sie mittags in ihr Bett zu legen und den Raum zu verlassen.Auf meine Frage,nach wie vielen Stunden schreien wir die Situation ändern sollen kam, dass man noch nicht erlebt hat, dass länger als eine Stunde geschrien wird.Wir haben viel probiert &sind unsicher,ob es plötzlich doch mit diesem weg klappt.gibt es andere Möglichkeiten?

von Joylin am 04.06.2020, 19:04 Uhr

 

Antwort:

Nicht ohne Körperkontakt

Hallo,
das erschreckt mich schon, wenn eine professionelle HelferIn sagt, länger als eine Stunde würde nicht geschrien. Ich dachte, diese Zeiten seien vorbei.(S.meinen Text zum Schlaf auf dieser Seite)
Ihre Tochter sucht und braucht die Nähe. Das tut sie nicht, um Sie einzuschränken oder zu ärgern, sondern weil sie es braucht. Nun kann und muß man trotzdem versuchen, die zu starken Einschränkungen Ihres Schlafes zu verringern. Das geht aber nicht mit der Methode "schreien lassen" (es geht natürlich, aber Mutter und Kind zahlen einen hohen Preis, weil es ein Vertrauensbruch ist), sondern indem man schrittweise im Kontakt Verhalten ändert. Wenn sie z.B. zwei Minuten weint, weil Sie auf der Toilette sind, ist das viel eher erträglich und endet mit der guten Erfahrung Ihres Zurückkommens.
Vertrauen und Sicherheit sind die Grundvoraussetzung sich trennen zu können, ohne in Panik zu kommen. Die fehlt Ihrem Kind noch und da ist Stützung nötig. Sie muß nicht auf Ihnen liegen, Sie können ihr auch zutrauen neben Ihnen zu liegen, solange Sie im Kontakt bleiben. Denn dann kann zwar Angst oder Ärger da sein, aber er hat eine völlig andere Wirkung und Dimension, als wenn man Angst hat, verlassen zu werden.
Schlaf können Sie nicht erzwingen, Sie können ihn möglich machen.
Dr.Ludger Nohr

von Dr. Ludger Nohr am 05.06.2020

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