Dr. med. Ludger Nohr

Ist das die Wiederannährungskrise?

Antwort von Dr. med. Ludger Nohr

   

 

Ist das die Wiederannährungskrise?

Sehr geehrter Herr Dr. Nohr,

meine Tochter ist 14 Monate alt und ein sehr aktives Mädchen, was uns sehr freut.
Aber seit ihrem 1. Geburtstag ist sie sehr schwierig geworden. Einerseits will sie immer auf den Arm, andererseits ist sie schon ziemlich selbständig und will Vieles alleine machen. Jedoch ist sie oft dabei genervt, hat auch beim Spielen wenig Geduld, nörgelt viel herum.
Das Schwierigste ist für mich, dass sie zur Zeit richtig kreischt, sobald ich sie wickeln, an- oder ausziehen will. Sie will dann immer zu mir auf den Arm aber das geht nicht, weil ich sie z.B. wickeln muss. Einfach alle Prozesse, die auf so einem Wickeltisch stattfinden ( auch das Eincremen, Haare kämmen usw.), sind kaum noch machbar für mich.
Wie soll ich mich verhalten, damit das Wickeln und das Anziehen wieder zu etwas Normalem und Selbstverständlichen für sie wird?
Sprechen wir hier vielleicht von der Wiederannäherungsphase??? Habe letztens etwas darüber gelesen.

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Viele Grüße,

Lina

von lina2478 am 29.10.2019, 13:50 Uhr

 

Antwort:

Ist das die Wiederannährungskrise?

Liebe Lina,
ich glaube hier geht es mehr um Unmutsäußerungen (wickeln macht meist keinen Spaß und Notwendigkeiten werden noch nicht verstanden) bei sich entwickelndem eigenen Willen. Dieser ist wichtig, weil er im Verlaufe der Entwicklung zu Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein führen soll. Insofern ist es wesentlich, wie Sie mit der Situation umgehen, wie Sie den Spagat zwischen Akzeptanz und eigenen Interessen hinbekommen. Für die Kinder ist es eine bedeutsame Erfahrung wie mit ihnen umgegangen wird, wieviel Bedeutung ihre Willensäußerungen haben. Hier geht es wieder um die liebevolle Klarheit. Konkret könnte das bedeuten, den Unmut anzunehmen und vielleicht auch zu spiegeln ("wickeln macht im Augenblick überhaupt keinen Spaß" o.ä.), damit das Kind sieht, dass Sie verstehen und gleichzeitig die eigene Position verbalisieren ("ist jetzt blöd, aber eine volle Windel tut nicht gut, muß gewechselt werden" o.ä.). Damit kommt der Wunsch des Kindes verstehbar in die Kommunikation, was schon eine wichtige Veränderung ist, da der Wunsch des Kindes nicht einfach übergangen wird.
Hier werden Grundsteine des Umgangs gelegt und deshalb ist diese Haltung so wichtig.
Dr.Ludger Nohr

von Dr. Ludger Nohr am 30.10.2019

Antwort:

Ist das die Wiederannährungskrise?

Um die stressigen Situationen wickeln, umziehen etc. etwas aufzulockern, kannst du auch einfach mal versuchen, die Umgebung zu wechseln. Also zB wickeln und anziehen auf dem Boden, Haare bürsten und eincremen im Bad usw. Mit 14 Monaten kann deine Tochter ja sicher schon sitzen und stehen, da brauchst du für die täglichen Abläufe nicht mehr zwingend einen Wickeltisch (auch wenn es für den eigenen Rücken ggf. gesünder ist ). Eine neue Umgebung kann oft schon helfen, die eingefahrene Protest-Routine zu durchbrechen.

Aber letztlich ist klar, dass man notwendige Dinge wie wickeln, umziehen, Zähne putzen spielerisch angehen kann, aber notfalls auch gegen Protest durchziehen muss.

von Rotkehlchen am 30.10.2019

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