Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Zeit zum Abstillen

Frage: Zeit zum Abstillen

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Liebe Biggi! Nach langer Stillzeit möchte ich meinen Kleinen, 19 Monate alt, nun wirklich abstillen (aus verschiedenen Gründen, unruhiger Schlaf, organisatorisches etc.). Ich denke, ich diene nun eh nur noch als Trostspender. Leider hat Janis nie einen Schnuller genommen oder ein Tüchlein, ein Stofftier o.ä., um sich zu trösten. Er lässt sich auch schwer beruhigen. Andererseits klappt es prima, wenn er 2 Tage pro Woche bei den Grosseltern betreut wird. Nur wenn ich da bin, will er immer wieder mal an die Brust, vorallem auch nachts. Nun bin ich einfach bei der Umsetzung etwas ratlos: Wie stelle ich das denn konkret an mit dem Abstillen? Einfach verweigern geht nicht, denn der junge Mann hat sich natürlich sehr daran gewöhnt und macht Krawall, wenn ich doch da bin. Was ich auch begreife... Vielen Dank für alle Tipps!


Biggi Welter

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? Liebe Kornelia, wie in so vielen Bereichen, gibt es auch hier unterschiedliche Theorien und ich halte es mit einem Grundsatz der Mathematik, der besagt, eine These gilt als widerlegt, sobald ein Gegenbeispiel gefunden wurde. Anders als in der Mathematik könnte man zwar sagen, EIN Gegenbeispiel ist eben eine Ausnahme (selbst die Mathematik lässt Ausnahmen zu), aber da ich im Laufe der Jahre nicht nur ein Gegenbeispiel erlebt habe, müssen Sie mir gestatten, dass ich aus dieser Erfahrung heraus, Mütter davor warne, ihr Kind abrupt abzustillen oder beim Abstillen auf Distanz zu ihnen zu gehen. Das hat nichts mit Panikmache zu tun, sondern ist eine Warnung vor etwas, was nun einmal vorkommen kann und leider in der Praxis auch vorkommt. LLLiebe Grüße Biggi Welter


Mitglied inaktiv

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Liebe Teddybear, Stillen ist viel, viel mehr als nur Nahrung für den Körper und deshalb bedeutet Stillen nicht nur, dass das Kind Mahlzeiten an der Brust zu sich nimmt. Das sollte Ihnen absolut bewusst sein, wenn Sie Ihr Kind abstillen: Sie ersetzen nicht einfach nur ein Nahrungsmittel durch etwas anderes. Wenn Sie jetzt für sich beschlossen haben, dass Sie Ihren Sohn abstillen wollen, so kann ich Ihnen nur davon abraten es auf durch "kalten Entzug" zu tun. Erstens kann dies zu einem schweren Bruch in der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind führen und zweitens gibt es keine Garantie, dass Ihr Kind besser schlafen wirdl. Ich werden Ihnen jetzt ein paar weniger drastische Methoden beschreiben, die sich beim Abstillen eines älteren Kindes bewährt haben, vielleicht ist ja etwas dabei, was Ihnen weiterhilft: Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt "biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Sie Ihrem Kind die Brust nicht von sich aus anbieten, aber auch nicht ablehnen, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Sie können auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Womöglich wäre "punktuelles Abstillen" eine Lösung für Sie. Es ist eine Alternative zum vollständigen Abstillen. Damit meine ich, dass zu bestimmten Zeiten nicht mehr gestillt wird oder Sie versuchen Ihr Kind davon zu überzeugen, nach einer ausreichend langen Zeit an der Brust, etwas anderes zu tun. Außerdem möchte ich Ihnen das Buch "Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist im Buchhandel oder bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin oder im Stillshop auf dieser Seite erhältlich. Zum Schluss noch etwas, was unter Umständen paradox klingt: einige Kinder stillen sich von alleine ab, sobald ihre Mutter die Abstillbemühungen aufgibt. LLLiebe Grüße Biggi


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"Erstens kann dies zu einem schweren Bruch in der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind führen..." Ich finde es geradezu unverantwortlich, Mütter mit so einer Aussage zu verunsichern. Da sträuben sich jedem Entwicklungspsychologen die Nackenhaare, wenn er hört, dass das zügige Abstillen eines 19 Monate alten Kindes zu einem "schweren Bruch in der Beziehung" Mutter / Kind führen kann. Eine unverhältnismäßige Aussage, die darüber hinaus alles andere als fundiert ist. Ein Blick in die Bindungstheorien (Bowlby) zeigt, dass eine sichere Mutter-Kind-Bindung in den ersten 12 Monaten hergestellt wird und dann stabil und sicher auch Krisen (Fremdbetreuung, Brustentzug, vorübergehende Abwesenheit) übersteht, ohne auch nur eine Spur von Schaden zu nehmen (auch nachzulesen bei Dornes). Wichtig ist dabei lediglich, weiterhin liebevoll, aufmerksam, zugewandt und achtsam zu bleiben, die Bedürfnisse des Kindes stets zu respektieren und anzuerkennen, es zu lieben und ihm Sicherheit zu geben. Eine Mutter/Kind-Beziehung erleidet keinen "schweren Bruch", wenn die Basis stimmt (und das tut sie meist bei Langzeitstillenden). Sorry, ich habe mich geärgert über diese unverhältnismäßige Aussage und wollte das unbedingt richtig stellen. Ich verstehe das Engagement in Sachen Stillen, vor allem langem Stillen. Aber vielleicht sollte man trotzdem die Kirche im Dorf lassen. Kornelia


Mitglied inaktiv

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Hallo Kornelia, ich zitiere Biggi: " [...] Wenn Sie jetzt für sich beschlossen haben, dass Sie Ihren Sohn abstillen wollen, so kann ich Ihnen nur davon abraten es auf durch 'kalten Entzug' zu tun. Erstens kann dies zu einem schweren Bruch in der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind führen ... [...]" Das Wörtchen "dies" bezieht sich auf den "kalten Entzug". Dass ein plötzlicher Entzug der Brust auch nach dem ersten Lebensjahr eine stabile Mutter-Kind-Bindung beeinträchtigen kann, widerspricht nicht den von dir zitierten entwicklungspsychologischen Erkenntnissen. Gerade der "kalte Entzug" würde nämlich bedeuten, die Bedürfnisse des Kindes nicht mehr in vollem Umfang zu respektieren. Daher schlägt Biggi andere Methoden des Abstillens vor, die dieses tun. LG Katja


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