Uluf
Liebes Expertenteam, meine Tochter und ich hatten 11,5 Monate lang eine sehr schöne Stillzeit. Sie schlief im Familienbett neben mir, wurde zum Einschlafen gestillt und im Verlauf der Nacht auch noch öfters. Wie oft weiß ich gar nicht weil wir beide kaum dadurch aufwachten. Allein im Bett weiterschlafen hat sie nie akzeptiert und ist immer schnell wach geworden wenn ich mal aufgestanden bin. Leider habe ich so starke Neurodermitis an den Händen, dass ich diese am Ende gar nicht mehr bewegen konnte ohne das die Haut riss. Schweren Herzens hab ich mich zum Abstillen entschlossen als lokale Therapien mit Cortisonsalben nicht halfen weil ich dachte Tabletten verordnet zu bekommen. Eigentlich waren wir beide dazu noch nicht bereit. Seit 10 Tagen bringt mein Mann die Kleine nun ins Bett und es klappt nach anfänglich langem Schreien wohl immer besser. Die beiden schlafen im anderen Zimmer und nutzen das Kinderbett. Mit dem Abstillen wurde meine Haut schlagartig besser, aber ich kann meine Tochter nicht mehr ins Bett bringen. Sie schreit dann sehr doll und ich leide darunter ihr nicht so zu helfen wie sie es sich wünscht. Nun frage ich mich ob ich nur Geduld haben muss oder ob ich es uns irgendwie leichter machen kann. Wieder „anstillen“ macht vermutlich wenig Sinn weil wir uns dann im Kreis drehen. Wir vermissen uns gegenseitig so sehr. Haben Sie vielleicht einen Rat?
Liebe Uluf, warum stillst du ab, wenn du es nicht magst? Neurodermitis ist kein Abstillgrund und auch das Cortison nicht! Cortison ist in der Stillzeit nicht generell kontraindiziert. Ich zitiere dir dazu mal, was in "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" Spielmann, Schaefer, 7. Auflage, dazu steht. "4.11.7 Cortcosteroide Erfahrungen. Praktische Bedeutung für die Stillzeit haben vor allem die Glucocorticoide. Therapeutisch verwendet werden die nicht fluorierten Corticoide Prednison (z.B. Decortin®), Prednisolon (z.B. Solu Decor tin®), Methylprednisolon (z.B. Urbason®) sowie Deflazacort (Calcort®), Hydrocortison (z.B. Hydrocortison Hoechst®), Prednyliden und die fluorierten Derivate Amcinonid (Amciderm®), Beclometason (z.B. Sanasthmyl®), Betamethason (z.B. Celestamine®), Budesonid (Pulmicort®), Cloprednol (Syntestan®), Dexamethason (z.B. Fortecortin®), Flunisolid (Syntaris®), Flumetason (z.B. Cerson®), Fluocortolon (Ultralan®), Fluticason (z.B. Flutide®, Flutivate®), Mometason (z.B. Ecural®), Triamcinolon (z.B. Volon®). Einige Präparate werden ausschließlich inhalativ zur Behandlung obstruktiver Atemwegserkrankungen verwendet. Die M/P Quotienten von Prednison und Prednisolon liegen zwischen 0,05 und 0,25. Eine Stunde nach parenteraler Verabreichung einer Einzeldosis von 110 mg Prednisolon wurden 760 µg/l Milch gemessen. Vier Stunden später waren es 260 µg/l und etwa 9 Stunden nach Applikation noch 60 µg/l. Nach intravenöser Injektion von 1 g Prednisolon wurden entsprechend der 9fach höheren Dosis etwa 9fach höhere Werte in der Milch gemessen, 24 Stunden nach der Applikation war das Corticoid nicht mehr nachweisbar (eigene Beobachtungen). Andere Autoren haben unter niedrigeren Tagesdosen (10 80 mg) einen entsprechend geringeren Übergang für den Säugling ermittelt (Übersicht in Bennett 1996, Greenberger 1993). Zusammenfassend ist mit einem Anteil von durchschnittlich 1 2% der mütterlichen gewichtsbezogenen Dosis für den Säugling zu rechnen. Im Fall der oben beschriebenen 1 g Dosis hätte der Säugling mit der ersten Mahlzeit eine Stunde nach Injektion 0,2 mg Prednisolon/kg Körpergewicht erhalten, über 24 Stunden wären es 0,32 mg/kg. Das ist selbst bei dieser mütterlichen Höchstdosis nur etwa ein Sechstel einer üblicherweise gut verträglichen therapeutischen Kinderdosis (2 mg/kg/Tag). Für den Säugling ergibt sich kein Risiko durch eine kurz dauernde Hochdosisbehandlung, selbst dann nicht, wenn gleich nach der Injektion gestillt wird. Auch unter länger dauernder Behandlung mit 80 mg/Tag wird mit der Muttermilch nur eine Prednisolonmenge übertragen, die weniger als 10 % der körpereigenen Cortisol Produktion entspricht. Zu den übrigen Corticoiden liegen keine ausreichend dokumentierten Transferdaten vor. Empfehlung für die Praxis: Prednisolon, Prednison und Methylprednisolon sind Corticoide der Wahl für eine systemische Behandlung in der Stillzeit. Auch hohe Dosen bis 1 g, einmalig oder wenige Tage nacheinander verabreicht, z. B. beim Asthmaanfall oder bei multipler Sklerose, erfordern keine Einschränkung des Stillens. Bei wiederholter Gabe solch hoher Dosen sollte, wenn es sich einrichten lässt, 3 4 Stunden mit dem Stillen gewartet werden. Wirkungsgleiche Mengen der anderen Corticoide sind wahrscheinlich auch verträglich. Die regelmäßige inhalative Anwendung eines Corticoids bei Asthma ist ebenso unbedenklich wie andere lokale Corticoidanwendungen." Bei Fragen zur Vereinbarkeit und Dosierung von Medikamenten und Stillzeit (und natürlich auch Schwangerschaft) kann und sollte sich dein Arzt jederzeit an das Berliner Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie ("Embryotox") wenden, das unter der Telefonnr. 030 450-525700 erreichbar ist, per mail unter mail@embryotox.de, oder online unter www.embryotox.de bzw. http://www.bbges.de/content/index024a.html. Bitte deinen Arzt oder Apotheker darum, dass sie dort anrufen. Vielleicht kann dir auch Dr. Paulus aus dem Nebenforum schnell helfen oder auch Dr. Karle. Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn du mir noch einmal schreibst! Liebe Grüße und gute Besserung! Biggi
Uluf
Danke für die schnelle und ausführliche Antwort. Ich habe in den letzten Monaten trotz des Stillens mehrfach eine lokale Cortisonbehandlung gemacht. Von einer zentralen Behandlung wurde mir vom Arzt abgeraten. Das hab ich erstmal so angenommen. Das ist der Grund für‘s Abstillen gewesen. Nun ist meine Haut ganz ohne Cortison so gut wie seit 11 Monaten nicht mehr und ich möchte mein Kind nicht verwirren wenn ich jetzt wieder stille und vielleicht bald erneut aufhöre weil sich die Beschwerden wieder zeigen. Trotzdem möchte ich ihr natürlich nah sein und sie weiter eng begleiten. Viele Grüße
Liebe Uluf, das ist völlig in Ordnung, wenn es für dich so passt! Steh deinem Kind bei und tröste es, zeige ihm, dass du ihm zwar deine Brust, aber nicht deine Liebe enziehst und bleib geduldig bei ihm. Dein Kind wird die neue Situation bald akzeptieren! Lieben Gruß Biggi
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