Mitglied inaktiv
Hallo liebe Frau Welter und liebe Frau Heindel, ich stehe vor einem großen Problem und würde mir gerne einen Rat bei Ihnen holen. Ich habe seit zwei Wochen eine Brustentzündung die auch unter Anwendung von Antibiotikum und der Behandlung mit Quark, Pumpen usw. nicht heilen will. Meine Ärztin meint es würde sehr bald zu einem Abszess kommen, weshalb ich sofort abstillen sollte. Zuvor hatte ich schon drei Mal eine halbe Abstilltablette zu mir genommen. Insgesamt habe ich, wenn auch sehr wenig, immer noch Muttermilch. Ich möchte mich dafür entscheiden weiter zu stillen, in dem ich auf die Abszess Bildung warte und mich der OP unterziehe. Obwohl ich mir darüber ziemlich unsicher bin. Können Sie mich bei dieser Entscheidung mit Erfahrungen oder Ratschlägen unterstützen. Herzlichen Dank im Voraus LG, Shaljane
Liebe Shaljane, bitte geh sofort zum Arzt und hole dir eine zweite Meinung ein! Wenn es ein Abszess ist, dann besteht dringender Handlungsbedarf, der jedoch nicht darin besteht, dass abgestillt werden muss. Ein Abszess kann behandelt werden und selbst wenn eine chirurgische Eröffnung notwendig wird, muss deshalb nicht abgestillt werden. Diagnostische Verfahren wie Ultraschall und Mammographie sind ebenfalls in der Stillzeit ohne Stillunterbrechung oder gar Abstillen möglich. Ich zitiere aus "Stillen bei Erkrankung der Mutter aus frauenärztlicher Sicht" von Dr. Michael Scheele, IBCLC in "Stillen und Muttermilchernährung Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen" Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2002: "Weder bei der Mastitis noch bei einem Abszess muss der Frau zum Abstillen geraten werden, wie dies leider heute noch überwiegend geschieht. Bei der Mastitis führt dies, wenn die Frauen nicht sorgfältig über das Vorgehen instruiert werden, sogar zur Verschlimmerung der Situation! Wenn immer möglich, sollten die Frauen auch in dieser schwierigen und belastenden Situation beim Weiterstillen unterstützt und dazu motiviert werden. Andererseits haben viele Frauen bis zur Entwicklung eines Mammaabszesses einen längeren Leidensweg hinter sich, der den dringenden Wunsch nach Abstillen verständlich macht. Dieser sollte in einer einfühlsamen Beratung auch akzeptiert werden. Keinesfalls sollte eine Frau in dieser Situation zum Weiterstillen gedrängt werden! Die Sorge, dass das Kind "Eiter trinkt", ist unbegründet, da der Eiter im Abszess keine Verbindung zu den Milchkanälchen hat. Sonst wäre der Abszess ja nicht vorhanden, da er über die Milchkanälchen drainiert würde. Da das Entleeren der Brust bei der Mastitis und beim Mammaabszess ein wichtiger Teil der Therapie ist und durch das Saugen des Kindes am besten bewerkstelligt wird, unterstützt das Weiterstillen die Therapie in optimaler Weise! Hierfür ist es wichtig, dass zur Abszessinzision kein Mamillenrandschnitt durchgeführt wird. Aus der Abszessinzision kann sich noch etwa drei Wochen lang Milch entleeren. Die Wunde sollte immer gut trocken gehalten werden. Die Sorge, aufgrund des ständigen Flüssigkeitsaustritts aus der Wunde könne sich eine Fistel bilden, ist unbegründet und entspricht nicht der Erfahrung! Wenn das Anlegen des Kindes auf der erkrankten Seite unangenehm ist, kann das Kind auf jeden Fall an der gesunden Seite weitergestillt werden. Die erkrankte Seite wird dann vorübergehend durch Pumpen oder manuell entleert." Ich darf keinen Arzt empfehlen, doch wende dich einmal an die LLL Stillberaterinnen, möglicherweise kann dir eine der Gruppenmütter einen Tipp geben. Gute Besserung und LLLiebe Grüße Biggi
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