Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Finger food, Unruhe beim Stillen & veraendertes Trinkverhalten

Frage: Finger food, Unruhe beim Stillen & veraendertes Trinkverhalten

kiwimeiki

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Hallo Biggi, hallo Kristina Ich wollte mich mal bei Euch umhoeren was ihr zu unserer aktuellen Situation denkt. Unsere Tochter ist nun 6,5 Monate alt. Ich habe seit ihrer Geburt nach Bedarf gestillt. Unglaublicherweise hat sie seit ihrer Geburt bis vor 2 Wochen nachts von 22 - 7 Uhr durchgeschlafen. Von unserem Sohn kannten wir das ganz anders :-) Allgemein ist sie ein sehr freundliches Baby, das sehr in sich ruht. Umso dramatischer erscheint mir nun ihre ploetzliche Veraenderung. Sie zeigt keinerlei Interesse an puriertem Essen -lediglich was sie selber halten und zum Mund fuehren kann knabbert sie an. Ich werde es also komplett mit baby-led weaning probieren - was ist eure Meinung dazu? Unsere Tochter ist 71 cm lang und 6,9 Kilo leicht -reicht es wenn ich sie weiterhin voll stille und Beikost eben direkt mit finger food einfuehre? Dazu kommt noch, dass gerade ihr erster Zahn durchkommt und sie daher glaub ich sehr unruhig ist die arme Maus - was mich aber richtig traurig macht ist, dass sie sich beim Stillen nicht mehr zu beruhigen scheint und nicht mehr zu sich zu finden scheint. Da unser Sohn erst 2,5 Jahre alt ist, stille ich immer und ueberall wo wir unterwegs sind - und sie kennt es gar nicht anders. Umso mehr scheint sie sich zur Zeit nachts diese Naehe zu holen, denn sie schlaeft nur angekuschelt und mit Dauernuckeln. Tagsueber trage ich sie immer im Tragetuch. Ist dies nur eine Phase oder fehlt es ihr ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen? Es scheint gerade so viel in ihrer Entwicklung zu passieren - sie kann immer besser drehen, gezielt greifen und steht kurz davor zu robben - wie kann ich ihr noch mehr Geborgenheit geben? Ich wuerde mich sehr freuen deine Gedanken und Erfahrungen dazu zu lesen, denn Ihr wart schon in der wunderbaren Langzeitstillbeziehung mit meinem Sohn ein wertvoller Schatz an Unterstuetzung :-) LLLiebe Gruesse - Meike


Biggi Welter

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Liebe Meike, es gibt Babys, die es geradezu hassen und hysterisch reagieren, wenn man ihnen etwas in den Mund stecken will. Diese Kinder essen aber recht gut, wenn sie selber essen dürfen. Das Geschmiere, das es dabei gibt, ist weniger schlimm, als das Theater mit einem Kind, dass sich mit allen Kräften wehrt und außerdem lernen die Kinder recht schnell gut zu essen. Es gibt eine ganze Menge, was als fingergerechte Nahrung angeboten werden kann. Banane zum Beispiel kann ein Kind gut in die Hand nehmen, sie ist weich und es kann sie alleine essen. Auch ein Stück von einer gekochten Kartoffel geht gut. Gekochte Erbsen können einzeln aufgepickt werden (ist gleichzeitig eine gute Übung für die Feinmotorik), alle Gemüse und Obstarten, die einigermaßen weich sind und dann in kleine Stücke geschnitten werden, können gegeben werden. Probier es einfach einmal aus. Dr. Gonzales, ein spanischer Kinderarzt, hat im Sommer auf der Europakonferenz der La Leche Liga in Nottingham einen Vortrag mit dem Titel „Mein Kind will nicht essen“ gehalten. Dabei hat er eine Aufstellung gemacht, wie viel Muttermilch (MM) ein Baby im Alter zwischen neun und zwölf Monaten benötigt, um den empfohlenen Bedarf an verschiedenen Nährstoffen zu decken: Energie: 830 kcal = 1185 ml MM Eiweiß: 9,6 g = 910 ml MM Vitamin A: 350 µg = 700 ml MM Vitamin B: 0,4 µg = 412 ml MM Vitamin C: 25 mg = 625 ml MM Diese Angaben zeigen, dass Muttermilch den Bedarf des Kindes an vielen Nährstoffen lange zu decken vermag und nicht unbedingt Eile geboten ist, das Kind zum Essen zu zwingen. Ohnehin sind die Empfehlungen dazu, wie viel ein Baby benötigt meist zu hoch. Die Empfehlungen beruhen beispielsweise darauf, dass untersucht wird, welche Mengen gesunde, reif geborene Babys im Durchschnitt essen. Daraus werden Richtwerte berechnet, die sich immer an den Höchstmengen orientieren und zusätzlich noch Sicherheitszuschläge enthalten. Mach dich also nicht verrückt. "Baby led weaning" bedeutet, dass man es dem Kind überlässt, wann es sich abstillen möchte. Es gibt keine offizielle Definition für Langzeitstillen, im Allgemeinen hat es sich eingebürgert, dass davon in unserer Gesellschaft gesprochen wird, wenn das Kind älter als ein Jahr ist. Selbstverständlich bezieht sich der Begriff nicht auf ausschließliches Stillen, sondern bedeutet lediglich, dass das Kind ÜBERHAUPT noch an der Brust trinkt (manche machen das einmal am Tag, andere mehrmals). Die WHO empfiehlt ausdrücklich für ALLE Kinder eine Stillzeit von bis zu zwei Jahren und darüber hinaus. Die Ernährungsempfehlungen der WHO sind (in englisch) nachzulesen unter www.who.int/chd/publications/newslet/diaglog/9/feeding_young_children.htm . Es steht in der Innocenti Deklaration ausdrücklich, dass diese Empfehlungen für alle Kinder und nicht nur für Kinder in Drittweltländern Anwendung finden. Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) empfiehlt ebenfalls eine mindestens einjährige Stillzeit für alle Kinder und darüber hinaus solange Mutter und Kind es wollen. Die neueste Verlautbarung der American Academy of Pediatrics ist übrigens sehr eindeutig. Dort steht nämlich "There is no upper limit to the duration of breastfeeding and no evidence of psychologic or developmental harm from breastfeeding into the third year of life or longer". (Es gibt keine Obergrenze für die Stilldauer und keinen Beleg für Schädigungen hinsichtlich der Psyche oder der Entwicklung, wenn bis in das dritte Lebensjahr oder länger gestillt wird) Statistisch gesehen stillt sich ein Kind, dem diese Entscheidung selbst überlassen wird, irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag ab. Abweichungen nach oben und unten möglich und niemand kann vorhersehen, wann ein einzelnes Kind so weit ist. Zum Thema möchte ich dir das Buch "Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen, das vor einigen Jahren bei La Leche Liga erschienen ist und bei jeder La Leche Liga Stillberaterin (also auch bei uns) und im Buchhandel erhältlich ist. Ich bin sicher, dass Du deinem Kind alles gibst, was es braucht und wenn es immer in deiner Nähe sein darf und Du es viel trägst, kannst Du sicher sein, dass Du nicht noch mehr machen kannst! LLLiebe Grüße, Biggi


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