Biggi, habe ich richtig entschieden?

 Biggi Welter Frage an Biggi Welter Stillberaterin der La Leche Liga Deutschland e.V.

Frage: Biggi, habe ich richtig entschieden?

Liebe Biggi, heute brauche ich neben Deiner fachlichen auch Deine moralische Unterstuetzung. Ich bin letzten Dienstag (nachdem ich zwei Tage bereits krank war, schlimme Schmerzen hatte, aber dachte, ich koenne wie immer mit bewaehrten Hausmitteln weiterkommen) zum Arzt, der eine Streptokokken-Infektion diagnostizierte. Trotz meiner Bedenken habe ich Antibiotika verschrieben bekommen (fuehrt bei dieser Art und Staerke der Entzuendung auch wegen Folgerisiken wohl kein Weg dran vorbei), und zwar Zithromax (Wirkstoff Azithromicin, ein Erythromicin-Derivat), wohl stillvertraeglich. Darueber war ich schon todungluecklich, denn ich nehme nie Antibiotika, seltenst ueberhaupt Medikamente, und auch wenn das Praeparat stillvertraeglich ist, gehen ja doch wohl geringe Mengen in die MuMi ueber, und ich haette doch gerne meine Kleine auch vor diesen Mengen Antibiotika gerne so lange wie moeglich geschuetzt. Aber es kam noch schlimmer. Ich, die nie Schmerzmittel nimmt (Typ "keine Spritze beim Zahnarzt", "Geburt natuerlich ohne Schmerzmittel", so nach dem Motto - je staerker der Schmerz, desto staerker werde ich) habe die Schmerzen nicht mehr ausgehalten. Ich hatte keine Vorstellung, dass Schmerzen so stark und dauerhaft sein koennen - ununterbrochen 7 Tage und sechs Naechte (habe nie laenger als zehn Minuten am Stueck schlafen koennen). Also habe ich schliesslich ueber zwei Tage Paracetamol in der vorgeschriebenen Dosierung genommen (da heisst es im Beipackzettel "Paracetamol geht in die MuMi ueber, aber da keine nachteilige Wirkung auf den Saeugling bekannt sind, ist es in der Regel nicht noetig, das Stillen zu unterbrechen" - na, toll!). - Es hat nicht geholfen. Am Wochenende in der Notaufnahme im Krankenhaus (ich war mittlerweile voellig im Delirium) hat man mir ein staerkeres Mittel gegeben, Ibuprofen, mit dem Hinweis, das wuerden auch stillende Postpartum-Patientinnen bekommen. Gestern endlich hat das Antibiotikum angefangen zu wirken, es geht mir viel besser, ich kann die Schmerzen auch wieder ohne Schmerzmittel aushalten. Allerdings muss ich das Zithromax vier weitere Tage einnehmen, so dass es insgesamt 14 Tage im Koerper bleibt (grrrr). Biggi, ich habe Amanda waehrend der ganzen Zeit weitergestillt. Ich finde den Gedanken daran, dass sie Antibiotika-, Paracetamol- bzw. Ibuprofen-Rueckstaende und zu allem Ueberfluss wahrscheinlich auch Gewebegifte (habe natuerlich rapide abgenommen, weil ich eine Woche nichts essen konnte) ueber die MuMi mitbekommen hat, zwar unertraeglich, aber der Gedanke, sie jetzt im siebten Monat ploetzlich abzustillen, war mir noch unertraeglicher. Abpumpen, um die Milchproduktion am Laufen zu halten, "kontaminierte" MuMi entsorgen und fuer die Zeit auf kuenstliche Saeuglingsnahrung auszuweichen war leider keine Alternative, da meine Milchproduktion z.Zt. durch die Einfuehrung der Beikost ohnehin zurueckgeht, und ich bei den Pumpversuchen - wahrscheinlich auch durch die Schwaeche und die Schmerzen und die Krankheit - nur ein paar Tropfen herausbekommen habe. Biggi, habe ich richtig gehandelt? Entschuldige die Laenge meines Postings, aber das Thema belastet mich so und musste von der Seele.... Liebe Gruesse aus New York, Sabine

Mitglied inaktiv - 23.10.2001, 17:09



Antwort auf: Biggi, habe ich richtig entschieden?

? Liebe Sabine, Du hast mein vollstes Mitgefühl, ich habe selbst erst vor kurzem mit schlimmen Halsschmerzen kämpfen müssen:-(( Ich werde dir jetzt zu den einzelnen Präparaten aus „Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" Schaefer, Spielmann, 6. Auflage 2001 zitieren: Zithromax ist der Handelsname von Azithromycin, das zu den Makrolidantibiotika gehört. „Erythromycin und Roxythromycin sind neben den Penicillinderivaten und den Cephalosporinen Antibiotika der Wahl für die Stillzeit. Die Makrolidantibiotika Azithromycin, Clarithormycin, Josamycin, Spiramycn sind Mittel der zweiten Wahl" Für Paracetamol gilt folgendes: „Paracetamol Erfahrungen. Die Halbwertszeit von Paracetamol in Plasma und Muttermilch ist mit 2,6 Stunden etwa gleich. Nach einer Dosis von 650 mg wurden Muttermilchkonzentrationen von maximal 15 mg/l gemessen. Ein Säugling erhält damit 0,45 mg/kg und Mahlzeit. Das sind etwa 3 % einer gewichtsbezogenen therapeutischen Einzeldosis im Säuglingsdosis im Säuglingsalter. ... Empfehlung für die Praxis. Paracetamol ist Analgetikum der Wahl für die Stillzeit." Und für Ibuprofen „Ibuprofen hat eine Halbwertszeit von nur zwei Stunden. Bei therapeutischer Gabe von 800 bis 1600 mg/Tag konnte es in der Muttermilch nicht nachgewiesen werden. Über Nebenwirkungen wurde nichts berichtet. Empfehlung für die Praxis. Unter den nichtsteroidalen Antiphlogistika sind in der Stillzeit die Säureanitphlogistika Ibuprofen und Flurbiprofen Mittel der Wahl." Ich hoffe, diese Informationen beruhigen dich und wünsche dir eine möglichst schnelle Genesung. LLLiebe Grüße Biggi

von Biggi Welter am 24.10.2001



Antwort auf: Biggi, habe ich richtig entschieden?

Ein paar Tage Muttermilch mit stillverträglichen Medikamenten "kontaminiert" schaden dem Kind sicher nicht. Denk mal an die Chemiebrühe, die Flaschenkinder trinken müssen!

Mitglied inaktiv - 23.10.2001, 18:48



Antwort auf: Biggi, habe ich richtig entschieden?

Hallo, Sabine! Ich finde, Du hast Dich richtig entschieden. Ich hab mal erlebt, wie ein 5 Monate altes Baby, das bis dahin voll gestillt wurde, plötzlich ohne auskommen musste, weil seine Mutter bei einer HNO-Ärztin behandelt wurde, die keine Ahnung über die Stillverträglichkeit von einigen Medikamenten hatte. DAS war wirklich fürchterlich für den Kleinen! Mach Dich nicht verrückt. Schön, dass es Dir wieder besser geht und liebe Grüsse Chr.

Mitglied inaktiv - 23.10.2001, 23:52



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