Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Besser gleich komplett Abstillen?

Frage: Besser gleich komplett Abstillen?

Hoobee

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Liebe Biggi, liebe Kristina, ich versuche bereits seit längerem, meine inzwischen 2 1/4 jährige Tochter abzustillen. Wir stillen bereits über ein Jahr länger als ich wollte, da sie ein richtiger Brust Junkie ist. Einschlafen geht nur mit ihrer Mimi, seit 2 Wochen hab ich mich beim Mittagsschlaf ohne durchgesetzt. Zunächst funktionierte es ganz gut, seit ein paar Tagen gibt es wieder Diskussion und Tränen. Ich bin aber immer bei ihr, sie schläft in meinem Bett. Nachts und abends stillen wir noch , leider viel zu oft. Schon immer. Ich bin 42, hab chronische Gingivitis und geh am Zahnfleisch. Nun wollte ich nachts Abstillen, da sie auch in 4 Wochen in die Krippe kommt und ich befürchte, dass es dann wieder nicht möglich ist . Wäre es vielleicht besser, gleich komplett abzustillen? Ich möchte wirklich nicht mehr dachte aber, der sanfte Weg ist besser für sie, aber ich glaube, mittags nicht stillen und abends schon verwirrt sie bereits. Mittlerweile lieg ich nachts wach und grüble, was der beste Weg ist. Zudem hab ich noch ein großes Kind, das gerade auf die weiterführende Schule gekommen ist und auch viel Aufmerksamkeit braucht. Mir fehlt aber teilweise echt die Kraft. Habt ihr Rat? Kann sie es verkraften, komplett abgestimmt zu werden und ab November die Krippe zu besuchen? Vielen lieben Dank für eure Arbeit! Hoobee --


Biggi Welter

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Liebe Hoobee, Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste überhaupt ist allerdings, dass Du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und Du wirst weiterhin „schwach" werden. Für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Deine Kleine verhält sich gar nicht so "brustversessen" wir Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Wird es dem Kind überlassen, wann es sich selbst abstillt, dann stillen sich die meisten Kinder irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag ab. All diese theoretischen Überlegungen helfen dir jedoch nicht weiter, denn Du fühlst dich in der derzeitigen Situation unwohl. Wenn sich in einer Stillbeziehung ein Partner nicht mehr wohl fühlt, dann ist es an der Zeit zu überlegen, was geändert werden kann. Sicher ist ein 2 jähriges Kind noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deinem Kind darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden. Wenn Du nicht mehr ständig stillen möchtest, wird es am besten sein, wenn du schrittweise vorgehst, z.B. in dem du zunächst eine gewisse stillfreie Zeit in der Nacht einführst. Dazu kannst du wie folgt vorgehen: Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst Du ihm während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Deine Kleine wird vermutlich schreien, toben, treten oder dich gar schlagen wollen. Ist das schlimm? Nein, es ist völlig normal, denn es ist die einzige Art, wie sie in diesem zarten Alter ihren Frust ausdrücken kann. Wie kannst du damit umgehen? Lass es zu. Lass dich nicht verunsichern, denn es geht deinem Kind ja trotzdem gut, es bekommt kein Trauma fürs Leben, wird nicht an deiner Liebe zweifeln. Dein Baby ist sauer, und das wird auch wieder vergehen. Bleibe bei ihm und sei du ruhig und klar, so dass deine Kleine sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du sie ein wenig ablenken wollen (falls er sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in ihrer Nähe und versicherst ihr, dass alles ok ist. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Nur wenn sich dein Kind über mehrere Tage hinweg gegen diese stillfreie Zeit sperrt, oder gar tagsüber extrem anhänglich bzw. weinerlich wird, oder gar eine Hautreaktion zeigt, dann weißt du, dass es noch zu früh ist und du vielleicht einfach noch ein paar Wochen warten und durchhalten solltest. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das nun auf Deutsch erschienen ist und das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter. LLLiebe Grüße, Biggi


Hoobee

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Hallo Biggi, danke für die ausführliche Antwort. Mein Problem ist ja, dass ich die Klarheit brauche, dass Sie das Abstillen verkraftet, Ich bin momentan gesundheitlich ständig angeschlagen (wir hatten beide Keuchusten), hab massive Probleme mit dem Zahnfleisch und spüre auch mittlerweile eine Abneigung gegen das Saugen. Dazu kommt, dass ich kaum mehr den Alltag bewältigen kann. Der einzige Grund, wieso ich noch stille, ist weil sie es möchte. Ich schiebe das schon das ganze Jahr vor mir her, immer war etwas anderes, warum ich es ihr nicht zumuten wollte.Jetzt steht die Krippeneingewöhnung an, da kommen dann wieder die nächsten Krankheiten, wegen denen ich dann wieder nicht abstillen "kann". Mein Ziel ist es, wenn möglich innerhalb der nächsten 4 Wochen abzustillen. Ich schwanke zwischen zwei Möglichkeiten: 1. gleich ganz abstillen(das wäre abends, nachts und früh), damit sie auch die Klarheit hat und nicht immer fragen muss, ob sie abends doch noch Mimi bekommt. 2. erst nachts und dann komplett abstillen. Sie ist einfach schon sehr weit und macht sich Gedanken, wann sie das nächste Mal "ran" darf. Füge ich ihr einen Schaden zu, wenn sie es noch so gern möchte, aber nicht mehr darf? Das ist meine Unklarheit. Bitte entschuldige, dass ich nochmal so ausgeschweift bin...


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Hoobee, ich persönlich würde nicht gleich komplett abstillen, da das Kind und auch die Brust Zeit brauchen für die Umstellung. Ich würde also erst in der Nacht abstillen und dann die restlichen Mahlzeiten ersetzen. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und Du nicht gleich die Geduld verlierst, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen und vor allem: Was macht die Mutter, wenn das Kind nach der Rückkehr doch wieder an die Brust will? Probiere es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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