Habenhausen82
Liebes Stillberatungsteam, meine Tochter ist nun drei Monate alt und seit Kurzem hat sich etwas an ihren Stillgewohnheiten geändert. Ich muss vorausschicken, dass ich bei meinem ersten Kidn vor 11 Jahren bereits Stillprobleme hatte und dieses Mal unbedigt gern vollstillen wollte. Das Anregen der Milchbildung hat dann auch meine Hebamme sehr lange begleitet und dann erst nach gut zwei Wochen, als die Gewichtszunahme zu lange ausblieb, haben wir entschieden, doch wiedder zuzufüttern. Ich habe meine Tochrter nach Bedarf angelegt, sie hing wirklich sehr häufig an der Brust. Ich habe dann auf Anraten der Hebamme aber eine Mahlzeit auf 20 Minuten pro Brust beschränkt und ich habe danach noch eine Flasche gegeben (wenn ich es geschafft habe mit abgepumpter Milch, ansonsten mit Pre-Nahrung). Das hat eigentlich gut funktioniert und ich hatte das Gefühl, dass mein Baby sich nur so viel "Zufüttrernahrung" nimmt, wie es braucht und aber die Brust weiterhin vorzieht. Nachts habe ich nur ganz am Anfang zugefüttert und hatte eigentlich immer ziemlich entspannte Nächte mit zwei oder drei Stillmahlzeiten und einem ruhigen, ausgeglichenen Baby. Nun hat sich das ganze leider seit ungefähr der 10. Lebenswoche geändert. Meine Tochter lehnt plötzlich die Flasche ab (egal ob Muttermilch oder Nahrung, egal ob von mir oder von Papa oder den Großeltern) und möchte nur noch gestillt werden. Da ich eh hoffte, dass sich die Milchmenge nochmal erhöht und ich dann mit dem Zufüttern aufhören kann, habe ich sie dann noch mehr angelegt. Seitdem kann man aber kaum noch mit ihr unterwegs sein, da sie einfach immerzu Hunger hat. Die Mahlzeiten dauern recht lange und die Abstände dazwischen sind auch sehr kurz, ich bin also fast am Dauerstillen. Mit dem Zufüttern hatte sich eigentlich schon ein kleiner Rhythmus eingependelt. Nachts ist die Situation auch aus meiner Sicht schlechter geworden. Während sie bisher immer ziemlich kräftihg trank, dann satt war und weiterschlief, ist es nun eher so, dass ich gar keinen richtigen Abschluss einer Mahlzeit feststellen kann. Sie trinkt unruhig (aber ohne zu weinen), setzt immer wieder ab und trinkt sehr lange ohne einzuschlafen. Wenn ich sie von der Brustwarze löse, merkt sie das sofort und fängt an zu meckern. Woran könnte das liegen? Sie ist relativ zierlich und wiegt nun mit drei Monaten 5,3 KIlo,ist aber munter und hat auch ausreichend nasse Windeln. Ich bin trotzdem unsicher, ob meine Milch reicht....Zumal beim Pumpen meist nur 50 ml zu holen sind. Was ich noch erwähnen muss: sie hat leider schon ganz lange mit einer Mundsoorinfektion zu kämpfen, die wir einfach nicht richtig loswerden. Vielleicht könnte das auch eine Rolle spielen? Vielen Dank im Voraus für eure Hilfe!
Kristina Wrede
Liebe Habenhausen82, schade, dass deine Hebamme dir zum Zufüttern geraten hat, vielleicht hätte eine Stillberaterin euch mit anderen Tipps die Flasche erspart. Brustkompression wäre hier ein Stichwort (siehe unten). Auch jetzt wird sie dir helfen können, denn sie trägt dazu bei, dass ein Baby in der gleichen Zeit mehr Milch abbekommt. Wichtig ist jedoch zu klären, ob du genügend Brustdrüsengewebe entwickelt hast. Sind deine Brüste merklich gewachsen in der Schwangerschaft? Wenn ja, solltest du rein körperlich in der Lage sein, die nötige Menge an Milch zu bilden. Dein Baby ist noch sehr sehr klein. Ich weiß, es mag unerträglich erscheinen, wenn du jetzt so angebunden bist, aber es geht vorbei, garantiert!! Und vielleicht tut es sogar dir gut, wenn du dich jetzt ein wenig zurücknehmen und vielleicht sogar ein paar Tage mit dem Baby ins Bett kuscheln "musst", damit sich euer Stillen und deine Milchbildung schön einpendeln können. Eine weitere Alternative ist ein (elastisches) Tragetuch bzw. eine GUTE Tragehilfe (kein BabyBjörn...) zu verwenden. Mit ein wenig Übung kannst du dabei auch stillen, ohne dass es groß auffällt. Und kannst gleichzeitig spazierengehen oder einkaufen, oder im Café sitzen und mit einer Freundin ratschen... :-) Schau doch mal, ob es eine Stillgruppe in eurer Gegend gibt. Adressen von Stillberaterinnen findest Du im Internet unter: http://wwwlalecheliga.de (Stillberaterinnen der La Leche Liga), http://www.afs-stillen.de (Stillberaterinnen der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) oder http://www.bdl-stillen.de (Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC). Die meisten Stillberaterinnen kennen sich auch gut mit Tragehilfen aus, und oft kann man sich eine von der Stillgruppe ausleihen. Obendrein hast du dann auch noch eine kompetente Stillexpertin, die du auch mal anrufen kannst, wenn's Fragen gibt, und die Unterstützung anderer Mütter, die genau wissen, was du durchmachst und dir Kraft und Erfahrungen schenken können. Habt ihr mal den Windeltest gemacht um zu sehen, wie viel Milch deine Maus bei dir trinkt? Du kannst entweder die einzelnen Windeln wiegen, oder besser noch die von 24 Stunden sammeln, wiegen, und das Gewicht mit der gleichen Anzahl trockener Windeln vergleichen. Im Idealfall stillst du in den 24 Stunden ausschließlich. (Bzw. notierst, was du zugefüttert hast.) So erhalten wir über die Ausscheidungen grob Aufschluss darüber, wie viel dein Kind trinkt. Zusätzlich zur Brustkompression hilft auch das Füttern von Muttermilchsahne. Um die Gewichtszunahme zu puschen empfehlen wir gern die Gabe von Muttermilchsahne. Schau, dass du Milch ausstreichst (wenn es mit der Hand gut klappt, vergiss die Pumpe!) oder abpumpst, die du in 10 ml Spritzen aufziehst und dann kopfüber in ein Glas stellst (also mit der Spitze nach unten). Lass aber ein bisschen Luft, denn die Schwerkraft wird den Kolben vielleicht etwas weiter in die Spritze drücken... Oben auf der Milch wird sich eine Fettschicht absetzen, der Muttermilchrahm. Nach ca. 2 Stunden kannst du den wässrigen unteren Teil der Milch ausdrücken und deinem Kind die verbleibende Sahne in den Mund träufeln. Dieses Infoblatt von LLLD kann die dabei helfen, deine Milch zu gewinnen: http://lalecheliga.de/images/Infoblaetter/LLL_Muttermilch_gewinnen_und_aufbewahren.pdf Statt mit leeren Spritzen kannst du natürlich auch mit einer Tasse arbeiten, in die du die gewonnene Muttermilch gibst. Oben wird sich der fetthaltige Rahm absetzen, du kannst ihn mit einem Löffel abschöpfen und deinem Baby geben. Wenn du das 3-4 Tage lang machst (je mehr, desto besser), wird es ganz sicher einen Schub machen! Gegen den Soor hilft konsequente Behandlung vom Baby UND der Mutter. Lies mal hier, da findest du hoffentlich hilfreiche Informationen: https://www.rund-ums-baby.de/stillberatung/beitrag.htm?id=172909 Und zuletzt noch diese Info: Das Pumpen erlaubt keinen Rückschluss auf die verfügbare Milchmenge. Denn wenn du dabei den Milchspendereflex nicht ausgelöst bekommst, gibt es nur ein paar Tropfen - dein Baby aber kann deutlich größere Mengen heraustrinken! Ich hoffe, das hilft alles erstmal weiter. Lieben Gruß, Kristina Brustkompression "Der Zweck der Brustkompression ist den Muttermilchfluss zum Baby weiter zu erhalten, auch wenn das Baby selber nicht mehr so produktiv trinkt ("weit geöffneter Mund Pause dann Schliessen des Mundes"). Auf diese Weise wird das Baby länger weiter trinken. Die Brustkompression simuliert einen Milchspendereflex ("Letdown reflex") und oft stimuliert sie sogar tatsächlich das Auftreten eines natürlichen Milchspendereflexes. Diese Technik kann bei schlechter Gewichtszunahme eines Babys hilfreich sein. Die Brustkompression setzt den Milchfluss fort, wenn das Baby nicht mehr richtig von der Brust trinkt, sondern nur noch daran nuckelt, und bewirkt beim Baby folgendes: 1. Es bekommt mehr Muttermilch. 2. Es bekommt mehr fettreiche Milch (Hintermilch). Die Brustkompression Wie funktioniert sie? 1. Halten Sie das Baby mit einem Arm/einer Hand. 2. Halten Sie die Brust mit der anderen Hand, den Daumen auf der einen Seite der Brust (am einfachsten ist es, wenn der Daumen auf der oberen Seite der Brust positioniert ist), die anderen Finger auf der anderen, unteren Seite (C Griff). Alle Finger sollten ziemlich weit weg von der Brustwarze sein. 3. Schauen Sie wie das Baby trinkt (zu Ihrem Verständnis können Sie folgenden Video anschauen unter: www.thebirthden.com/Newman.html). Machen Sie sich keinen Stress, sie brauchen nicht jeden Schluck zu erwischen. Das Baby bekommt eine nahrhafte Menge Muttermilch, wenn es mit der Technik "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes" trinkt. 4. Wenn das Baby nur noch an der Brust nuckelt und nicht mehr richtig mit der oben beschriebenen Technik trinkt, dann ist es Zeit, die Brustkompression einzusetzen. Rollen Sie nicht ihre Finger über die Brust zum Kind, sondern drücken sie nur. Aber nicht so sehr, dass es schmerzt und versuchen Sie, die Form des Brustwarzenhofes nicht zu verändern. Mit der Kompression sollte das Baby wieder anfangen effektiv zu saugen und schlucken, d.h. mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Benutzen Sie die Brustkompression nur dann, wenn das Kind nuckelt, nicht aber wenn es richtig trinkt! 5. Belassen Sie den Druck so lange, bis das Baby auch mit der Kompression nicht mehr richtig trinkt, dann lösen sie den Druck. Oft hört das Baby ganz auf zu saugen wenn der Druck wegfällt, aber es wird bald wieder damit anfangen, nämlich sobald die Milch wieder fließt. Falls das Baby nicht aufhört zu nuckeln warten Sie einen kurze Zeit, bevor Sie wieder mit der Brustkompression beginnen. 6. Die Gründe, wieso Sie den Druck lösen sollen sind einerseits, dass Sie Ihre Hand etwas ausruhen können und anderseits, damit die Muttermilch wieder zum Kind fließen kann. Das Baby wird, falls es aufgehört hat zu saugen als Sie die Kompression gelöst haben, nun wieder damit beginnen, wenn es die Milch wieder schmeckt. 7. Wenn das Baby wieder zu saugen beginnt kann es sein, dass es effektiv trinkt mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Falls dies nicht der Fall ist, d.h. das Kind nur nuckelt, benutzen Sie wieder die Brustkompression wie oben erklärt. 8. Fahren Sie so an der ersten Brust fort bis das Baby auch trotz der Kompression nicht mehr trinkt. Sie sollten dem Baby erlauben, noch eine kurze Weile länger an dieser Seite zu bleiben, da Sie manchmal einen erneuten "Let down" Reflex (Milchspendereflex) bekommen können. Das Baby würde dann von selber wieder zu trinken beginnen. Falls es jedoch nicht mehr trinkt, erlauben Sie ihm sich selbst von der Brust zu lösen oder nehmen sie es von der Brust. 9. Falls das Baby mehr möchte, offerieren Sie ihm die andere Seite und wiederholen den Prozess." (Quelle: Handout Nr. 15. Breast Compression. Revised Januar 2005 Verfasst von Dr. Jack Newman, MD, FRCPC. ©2005; www.BreastfeedingOnLine.com; Übersetzung von: Anke Käppeli Tinnes, IBCLC in Ausbildung, Zollikerberg, April 2006)
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