Kathrinchen
Liebe Biggi, ich würde gerne das Stillen bei meiner 9 Monate alten Tochter reduzieren. Leider nimmt sie bisher kein Fläschchexn. Aktuell sieht unser Tag in etwa so aus: 7:00/7:30: Aufwachen + Stillen 8:00/8:30: Frühstück (meistens isst sie nur ein bisschen Obst. An Brei hat sie gar kein Interesse morgens. Sie knabbert höchtens ein bisschen an Omlett oder Pancake. Wäre schön, wenn sie hier mehr essen würde) 9:30/45: Stillen ca 10 Uhr: Erstes Nickerchen. (1-2 h) ca. 11:30: Stillen ca 12:30: Mittagessen (hier isst sie ca 100g Brei und gedünstetes Gemüse/Rohkost) ca 14:00: Stillen ca 14:30: Zweites Nickerchen (1-1,5h) ca 16:00/16:30: Stillen, etwas später Obst/Waffeln (hier ist sie meistens auch nur ganz wenig) 18:00/18:30: Abendbrei (isst sie sehr gut) 19:30: Stillen 20:00: Nachtschlaf Ich stille also tagsüber noch 6 mal und nachts 1-3 mal. Ich würde gerne tagsüber weniger stillen. Sie trinkt jedoch jedes Mal echt gut, so dass ich nicht das Gefühl habe eine Milchmalzeit einfach weglassen zu können. Und schläft auch gut, wenn ich sie immer nochmal 15-30 Minuten vor dem Schlaf stille. Haben Sie mir einen Rat, wie ich das am Besten angehen kann? Vielen Dank und liebe Grüße Kathrin
Liebe Kathrin, das klingt nach einem völlig normalen Still- und Essverhalten für deine neun Monate alte Tochter. Sie steht noch ganz am Anfang ihrer Beikostzeit – und gerade jetzt darf der Begriff „Beikost“ ruhig wörtlich genommen werden: Beikost ergänzt die Muttermilch, sie ersetzt sie nicht. Deshalb ist es völlig normal und sinnvoll, dein Kind weiterhin zu den Mahlzeiten oder im Anschluss daran zu stillen. Das hat sogar Vorteile, denn einige Nährstoffe aus der Beikost können durch die Muttermilch besser aufgenommen werden. Im ersten Lebensjahr ist Milch – Muttermilch oder Säuglingsnahrung – nach wie vor die wichtigste Nahrungsquelle. Viele Babys essen in diesem Alter noch keine großen Mengen fester Nahrung und das ist völlig in Ordnung. Ich weiß, dass man oft noch liest: „Zuerst wird die Mittagsmahlzeit ersetzt, dann im Abstand von einigen Wochen die nächste Mahlzeit.“ Gleichzeitig wird oft davon ausgegangen, dass eine „Mahlzeit“ der Menge eines Gläschens entspricht – und zwar für alle Kinder gleichermaßen. Dieses starre Schema sorgt jedoch in vielen Familien eher für Druck und Frust als für Entspannung. Es ist tief in unseren Köpfen verankert, dass eine Stillmahlzeit unbedingt ersetzt werden müsse. Tatsächlich ist das aber gar nicht notwendig. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, und die Umstellung auf Familienkost verläuft sehr individuell. Du könntest nun langsam damit beginnen, deiner Tochter zunächst die Beikost anzubieten und sie anschließend zu stillen. Manche Babys essen auf diese Weise nach und nach etwas mehr, sodass sich die Beikostmenge ganz von allein steigert. Da deine Tochter morgens ohnehin lieber Fingerfood als Brei mag, würde ich diesen Weg ruhig weiterverfolgen. Viele Kinder möchten in diesem Alter selbst essen und reagieren deutlich motivierter, wenn sie ihre Nahrung eigenständig erkunden dürfen. Das kleine Chaos, das dabei entsteht, ist meist deutlich entspannter als der Kampf um jeden Löffel – und ganz nebenbei werden Feinmotorik und Esskompetenz gefördert. Geeignet sind beispielsweise Banane, weich gekochte Kartoffeln, gedünstetes Gemüse, weiche Obststücke oder auch einzelne Erbsen, die gleichzeitig eine schöne Übung für die Feinmotorik sind. Grundsätzlich eignen sich viele weiche Gemüse- und Obstsorten sowie andere altersgerechte Lebensmittel zum selbstständigen Essen. Wenn deine Kleine mit der Zeit mehr Beikost isst, kannst du versuchen, eine Stillmahlzeit nach und nach etwas zu verkürzen oder den Abstand zwischen zwei Stillmahlzeiten zu vergrößern. Oft ergibt sich dann ganz von selbst, dass eine Stillmahlzeit irgendwann entfällt – ohne Druck und ohne Tränen. Magst du das einmal ausprobieren? Lieben Gruß Biggi
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