Mitglied inaktiv
Hallo, mein Sohn ist jetzt 9,5 Monate alt und ich würde gerne abstillen. Ich habe bereits im April angefangen die Mittagsmahlzeit mit einem Gemüsebrei oder Gemüse-Fleischbrei zu ersetzen, allerdings möchte er nach dem Brei immer noch einen kleinen Schluck an der Brust, nur ganz selten schaffen wir es ohne. Abends bekommt er einen milchfreien Hirsebrei, allerdings ohne Obst, danach trinkt er noch relativ gut an der Brust, fast eine komplette Mahlzeit. Kann es sein, dass er abends nicht genug isst oder der Brei nicht nahrhaft genug ist? Morgens, vormittags und nachmittags stille ich zur Zeit noch voll. Aus der Flasche trinkt er gar nicht, nur aus dem Becher und meiner Meinung nach nicht genug. Ich habe einfach das Gefühl, dass er nicht aufhören möchte gestillt zu werden. Vielleicht bin ich auch nicht konsequent genug beim Thema Abstillen. Da wir wegen seiner Haut mit neuen Nahrungsmitteln, laut des Arztes, vorsichtig sein sollen, fühle ich mich in der Nahrungsmittelwahl auch eingeschränkt. So langsam würde ich aber nun schon gerne abstillen, vor allem weil es mir gesundheitlich im Moment nicht so gut geht und ich Schmerzmittel und Antibiotika nehmen muss und jetzt auch noch Vitamin B gespritzt bekommen soll. Da mache ich mir eh schon ein schlechtes Gewissen. Aber das ist natürlich nicht der Hauptgrund. Ich habe nichts dagegen abends oder früh morgens noch zu stillen, aber ich würde einfach gerne tagsüber nicht mehr so viel stillen. Der Tip meiner Hebamme einfach für ein paar Tage wegzufahren und auf diese Weise meine Brust mitzunehmen, gefällt mir gar nicht und scheint mir auch vollkommen falsch. Ich brauche wirklich einen Rat und bin für jede Idee dankbar.
Liebe Nettie07, Stillen ist viel, viel mehr als nur Nahrung für den Körper und deshalb bedeutet Stillen nicht nur, dass das Kind Mahlzeiten an der Brust zu sich nimmt. Das sollte Ihnen absolut bewusst sein, wenn Sie Ihr Kind abstillen: Sie ersetzen nicht einfach nur ein Nahrungsmittel durch etwas anderes. Wenn Sie jetzt für sich beschlossen haben, dass Sie Ihren Sohn abstillen wollen, so kann ich Ihnen nur davon abraten es auf durch "kalten Entzug" zu tun. Erstens kann dies zu einem schweren Bruch in der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind führen und zweitens gibt es keine Garantie, dass Ihr Sohn nach einem Wochenende oder einer Woche, die Sie verschwunden waren nicht doch weiter an die Brust will. Der beste Weg, ein Kind zu einem "schwierigen Esser" zu machen besteht darin, es zum Essen zu zwingen! Ein Kind darf essen, aber es muss nicht essen und eine sehr bewährte Methode lautet "Die Mutter bietet an, was es gibt, das Kind entscheidet wie viel oder wenige es davon isst". Ansonsten kann sich das Essen schnell zu einem absoluten Kampfthema entwickelt und das Kind ist so weit, dass es sich nur noch mit "Totalverweigerung" wehren kann. Genau diese Situation sollte aber unbedingt vermieden werden, denn mit Kampf und Druck erreichen Sie genau das Gegenteil. Das Thema Essen wird immer konfliktbeladener, das Kind erlebt essen nicht als etwas Sinnliche und Angenehmes, sondern nur als Tortur. So kann der Grundstein für eine langfristige Essstörung gelegt werden. Wenn Sie jetzt aber nicht mehr stillen möchten, können Sie versuchen, Ihrem Baby doch noch die Flasche mit Säuglingsmilch schmackhaft zu machen. Da sich die Techniken des Trinkens an der Flasche und an der Brust deutlich unterscheiden und sich ein Flaschensauger ganz anders anfühlt als die Brust, lehnen viele Stillkinder die Flasche ab. Wenn die Mutter die Flasche geben will kommt noch dazu, dass es sich denkt "Was soll denn damit? Ich kann doch die Milch meiner Mutter riechen und fühle ihre Brust und bekomme so etwas Seltsames in den Mund gesteckt". In einigen Fällen hilft es daher, wenn jemand Anderes die Flaschenfütterung übernimmt. Es empfiehlt sich auch, nicht zu warten, bis das Baby sehr hungrig oder müde ist. Müde oder hungrige Babys sind nicht unbedingt daran interessiert etwas Neues auszuprobieren. Manche Babys wollen auch einfach nicht aus einer Flasche trinken. Bei diesen Kindern kann man dann versuchen, ob sie aus einer Trinklerntasse (Schnabeltasse) trinken. Viele Mütter berichten, dass ihre Babys die Trinklerntasse von Avent mit dem weichen Schnabelaufsatz gerne (oder zumindest lieber) annehmen. Unter Umständen kann man auch löffeln. Hier noch ein paar Tipps, wie das Baby die Flasche vielleicht besser annimmt: o die Flasche anbieten, ehe das Baby zu hungrig ist o das Baby beim Flaschegeben in ein Kleidungsstück der Mutter (Geruch) einwickeln o den Flaschensauger nicht in den Mund des Babys stecken, sondern die Lippen des Babys damit berühren, so wie die Mutter dies mit der Brustwarze tut o den Flaschensauger mit warmem Wasser auf Körpertemperatur bringen oder beim einem zahnenden Baby abkühlen, um die Zahnleisten zu beruhigen o verschiedene Saugerformen und Lochgrößen ausprobieren o verschiedene Haltungen beim Füttern einnehmen o versuchen das Baby im Halbschlaf zu füttern o geduldig bleiben und auch alternative Fütterungsmethoden in Betracht ziehen (z.B. Becher, Löffel) Die Becherfütterung ist mit der richtigen Technik keineswegs aufwändiger als die Flaschenfütterung und deshalb durchaus eine Alternative zur Flasche und gerade bei einem Kind ab sechs Monaten lässt sich der Becher gut einführen und die Flasche muss nicht mehr in jedem Fall unbedingt eingeführt werden. Wichtig ist, dass Sie wirklich geduldig bleiben. LLLiebe Grüße Biggi
Mitglied inaktiv
Hallo Biggi, vielen Dank für die schnelle Antwort. Da wir schon ein, für mich jedenfalls, relativ traumatisches Kaiserschnitt- Erlebnis hatten, bin ich gerade beim Thema Abstillen sehr "angespannt". Genau wie Sie sehe ich überhaupt gar keinen Sinn darin einfach meinen Sohn für ein paar Tage im Stich zu lassen, um dann plötzlich wieder aufzutauchen und darauf zu hoffen, dass er keine Brust mehr möchte. Zumal mein Mann im Moment für längere Zeit im Bundeswehreinsatz ist und unser Kleiner nur mich als Bezugsperson hat. Vielen Dank noch mal für die Tips!
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