Mitglied inaktiv
Hallo Biggi. Lang ist es her, dass ich hier eine Frage gestellt habe und tollen Rat von Dir bekommen habe. Nun habe ich vor 18 Monaten das zweite Kind ( einen kleinen Jungen )bekommen. Stillprobleme gab es nie. Er liebt die Brust :-))) und hat dementsprechend immer viel und gerne getrunken. Er hat bis heute den Schnuller nie genommen ( dafür bin ich ja sein Schnuller-Ersatz ). Er schläft leider auch bis heute nur mit vielen Unterbrüchen. Er wacht ca. 4-5 Mal pro Nacht auf und möchte an der Brust trinken. Tagsüber still ich seit ca. 4 Monaten nicht mehr. Nachts bin ich dafür fast im Dauereinsatz. Eigentlich würde ich gerne langsam mal ans abstillen denken, ich möchte dass dies allerdings für beide Seiten ohne grosse Probleme abläuft. Kann man abstillen, dass es für Mutter und Kind stimmt ? Ich habe letzte Woche ein paar Mal versucht, ihm nicht gleich die Brust zu geben. Dies hat aber leider nur ein Schreien und Weinen ausgelöst. Wenn ich ihn abends hinlege schläft er lustigerweise ohne Brust ein - da klappt das. Bei meiner Tochter hatte ich das Abstill-Problem nicht. Sie wollte als sie 10 Monate alt war von selber die Brust nicht mehr, da war das für beide Seiten o.k. Wie bringe ich meinem Sohn bei, dass ich ihm die Brust eigentlich lieber nicht mehr geben möchte ohne dass dies für ihn ein Schock ist ? Ich hoffe, dass Du wieder einen guten Rat für mich hast. Liebe Grüsse Dagmar ( mit Lea fast 4 Jahre und Gian 18 Monate )
? Liebe Dagmar, Wenn Du jedoch für dich zu dem Schluss gekommen bist, dass Du sicher nicht mehr stillen magst, dann ist der erste Schritt, dass Du diese Entscheidung wirklich aus ganzem Herzen triffst und keinerlei Zweifel daran hast, dass es euer Weg ist, jetzt die Stillzeit zu beenden. Ich möchte Dir deshalb ein paar nicht so drastische Methoden ein Kind abzustillen beschreiben. Vielleicht findest Du etwas, was Dir zusagt. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Du Deinem Kind die Brust nicht von Dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die Deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Du Dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn Du zum Beispiel sitzen bleibst anstatt Dich hinzulegen, wenn Du Dein Kind zum einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es Dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn Dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst Du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst Dein Kind eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Eine andere Möglichkeit nachts das Stillen einzuschränken ist es, dass statt dir dein Partner die Nachtschicht bzw. das zu Bett bringen zum Teil übernimmt. Also nicht Du wendest dich jedesmal dem Kind zu, sondern ihr wechselt euch ab und da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er euer Kind auf andere Weise beruhigen müssen. Das Verändern von Ritualen kann helfen. Wenn dein Partner nicht einspringen kann, bleibt es an dir, dein Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und Du nicht gleich die Geduld verlierst, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Außerdem möchte ich dir das Buch „Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen, das im Buchhandel, bei La Leche Liga und jeder La Leche Liga-Stillberaterin und im Buchhandel erhältlich ist. Hab ein wenig Geduld mit dir und deinem Kind. Ihr werdet sicher einen Weg finden, der für euch beide gangbar ist. LLLiebe Grüße Biggi
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