Mitglied inaktiv
Ich stille seit 6 Monaten. In 6 Monaten muss ich wieder arbeiten. Wie lange dauert das Abstillen. Meine Tochter muss bei einem Fläschchen würgen. (sie will den Sauger schon nicht!) Wie gewöhne ich sie um? Wie schnell geht so was? Bitte gebt mir Antwort!!
? Liebe Sabine, was Sie da beschreiben klingt zunächst einmal nicht prinzipiell ungewöhnlich für ein Kind in diesem Alter, doch es ist verständlicherweise für Sie anstrengend, wenn neben einem Baby noch ein weiteres Kind und ein kranker Mann zu versorgen sind. Kann es sein, dass Ihr Kind gar keinen Hunger hat, wenn Sie ihm die Brust anbieten und es deshalb weint und sich wehrt? Nicht jedes Quengeln und jede Unruhe muss Hunger bedeuten. Oder aber das Kind ist bereits länger hungrig und hat den Punkt überschritten, an dem es einfach ruhig die Brust annehmen kann und muss erst wieder „runterkommen", ehe es an die Brust kann. Beides ist möglich und lässt sich nur durch direkte Beobachtung erkennen. Jedes Kind hat seine eigenen Vorliegen und Abneigungen und sein ganz persönliches Trinkverhalten und so gibt es Kinder, die immer nur eine Brust pro Mahlzeit wollen. Solange das Kind gut gedeiht, sollte dieses Verhalten akzeptiert werden. Was nicht akzeptiert werden muss, ist das plötzliche Reißen an der Brust bzw. das Umdrehen des Kopfes mit der Brustwarze im Mund. Hier können Sie ähnlich vorgehen, wie bei einem Kind das beißt: • das Baby ohne großes Aufheben von der Brust nehmen, damit es nicht versucht ist zu probieren, ob es die Mutter nochmals zusammenzucken lassen kann. • das Baby schnell auf den Boden legen. Einige Mütter wollen auf das Beißen oder zerren an der Brust strenger reagieren. Nach ein paar Schrecksekunden für das Baby, die dem Ablegen folgen, sollte es beruhigt werden und die Rückmeldung bekommen, dass Beißen bzw. Zerren unangenehme Folgen hat. • einen Finger in die Nähe des Mundes des Babys legen, um den Saugschluss schnell zu unterbrechen, wenn es seinen Kopf dreht. Manche Babys lieben es, die Brustwarze nicht loszulassen, wenn sie abgelenkt werden und ihren Kopf drehen. Dies kann verhindert werden, wenn die Mutter einen Finger bereit hält, um den Saugschluss zu unterbrechen. Es wird nicht lange dauern, bis das Baby gelernt hat, dass sich wegdrehen bedeutet, die Brustwarze zu verlieren. • mit dem Baby reden und ihm erklären, dass Sie das Beißen bzw. Zerren nicht lustig finden (klingt vielleicht noch verfrüht bei einem Baby, aber es funktioniert vielfach tatsächlich). Widerstehen Sie der Versuchung das Baby beim Kopfdrehen sofort von der Brust zu reißen, sondern ziehen Sie es nahe an sich heran. Dann lässt es los, weil es sonst nicht mehr atmen kann. Es ist besser für Ihre Brust, wenn Sie das Baby loslassen, als es von der Brust wegzureißen. Den Kopf festzuhalten hat wenig Sinn, das Sie damit nur eine Abwehrreaktion hervorrufen. Es gibt kleine „Brusthardliner", die tatsächlich konsequent alle anderen Möglichkeiten der Fütterung verweigern und lieber hungern, als aus einer Flasche oder einem Becher zu trinken. Hier bleibt Ihnen nur Geduld und Abwarten und immer wieder probieren. Sie können Ihr Kind nicht zwingen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, wie Sie mehr Freiraum gemeinsam mit dem Kind bekommen können. Eine Lösung, wie das Baby am Alltag teilnehmen kann und sich bei der Mutter geborgen fühlt und die Mutter sich um den Haushalt oder andere Dinge zu kümmern kann heißt Tragetuch. Für meine Begriffe gehört ein (ausreichend langes) Tragetuch zu den wichtigsten Teilen einer Babyausstattung. Ein Tragesack kann ebenfalls als Tragehilfe verwendet werden, ist jedoch lange nicht so vielseitig, wie ein Tuch und ein korrekt gebundenes Tuch ist aus orthopädischer Sicht günstiger zu beurteilen als ein Tragesack. Ein Tragetuch ist fast ein Zaubermittel. Ihr Baby kann Ihre Nähe spüren, es wird sich an Ihrem Körper beruhigen, die Koliken verringern sich, es wird weniger weinen, vielleicht sogar recht gut schlafen und Sie haben mindestens eine Hand frei (und auch Ihren Kopf, weil das Baby wieder ruhiger ist), um andere Dinge zu tun. Versuchs einmal. Eine Autorin nennt dies so schön „Perspektive teilen". Das Tragetuch ermöglich es dem Kind, am Leben der Familie problemlos teilzunehmen und mit Ihnen die Perspektive zu teilen. Mit dem entsprechend gebundenen Tragetuch, können Sie Ihr Kind sogar im Tuch stillen, während Sie umhergehen oder sich um ihr anderes Kind kümmern. Lassen Sie sich von einer tucherfahrenen Frau einmal zeigen, wie vielseitig einsetzbar ein Tragetuch sein kann. Tucherfahrene Frauen finden Sie in fast jeder Stillgruppe und auch sonst wäre es sicher ein guter Gedanke, einmal ein Stillgruppentreffen zu besuchen. Neben vielen nützlichen Tipps bekommen Sie dort auch moralische Unterstützung. Wenn Sie mir Ihren Wohnort mit Postleitzahl angeben, suche ich Ihnen gerne die nächstgelegene LLL-Stillberaterin heraus. LLLiebe Grüße Biggi Welter
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