Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen oder weiter so?

Frage: Abstillen oder weiter so?

Nixe1

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Hallo, meine klein, 9 Monate alt, trinkt von Anfang an sehr gerne an der Brust (Clusterfeeding die ersten Wochen) und verweigert den Schnuller ( hat nur 2-3x geklappt ). Aus der Trinklernflasche trinkt sie gerne ihr Wasser zu den Mahlzeiten. Am Tag haben wir bereits alle Stillmahlzeiten durch Brei ersetzt und sie isst auch gerne mal etwas vom Tisch mit. Abends gegen 20 Uhr sitlle ich sie, dann leg ich sie ins Bett, mal wach und ich sing und streichle sie noch, mal schlafend. Entweder sie wird nach 30 - 45 Minuten wieder wach, nach 1 Std. oder auch erst nach 4-5 Std., das ist ganz unterschiedlich. Ich versuche sie erst im Bett zu beruhigen, was manchmal gelingt. Wenn nicht möchte ich sie raus nehmen und kuscheln, dann sucht sie aber schon wie wild. Dann stille ich sie natürlich. In der Regel klappt das auch ganz gut, dauert so 10-20 Minuten, dann leg ich sie wieder hin und sie schläft erstmal weiter. In letzter Zeit ist es jedoch oft so, dass sie nach dem trinken immer weiter nuckelt, dann versuch ich zu lösen und sie sucht wieder, bis sie was hat. Das geht meist so 2-3x dann haben wir es geschafft und sie schläft weiter. Jetzt aber neu: Das lösen klappt nicht und sie will immer weiter nuckeln, was mir mittlerweile sehr unangenehm ist. Das genuckel geht dann schon mal ne Stunde oder länger, manchmal mit Brustwechsel. Das kommt in letzter Zeit immer öfter vor. Letzte Nacht wollte ich dann nicht mehr und hab sie nicht mehr ran gelassen. Flasche verweigert sie, sowei Schnuller. Von ihrer Trinkflasche hat sie kurz getrunken und mit dem Schnuller etwas gespielt. Sonst sehr müde, unruhig und dann natürlich am meckern und letzendlich am weinen. Das ging von 1-4 Uhr so, im Bett kuscheln, auf n Arm kuscheln, rumtragen, wippen, singen, alles möglich ausprobiert, nichts hat geholfen. Erst als mein Mann kam und wir übers Handy ein ihr bekanntes Schlaflied angemacht haben, hat sie sich langsam beruhigt, ist gegen 4 dann eingeschlafen und hat noch bis 8 Uhr geschlafen. Nun weiß ich nicht, was ich machen soll, da ich eigentlich gerne weiter stillen möchte, aber mich das genuckel wirklich nervt.Was kann/soll ich machen? Bin um jeden Rat dankbar.


Biggi Welter

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Liebe Nixe1, der Wunsch von uns Großen, dass ein Baby ab sechs Monaten (oder einer anderen Altersgrenze) nachts nicht mehr aufwachen darf und nachts keine Nahrung mehr braucht entspringt in keinster Weise dem natürlichen Verhalten und den Bedürfnissen eines Babys oder Kleinkindes, sondern er entstammt dem (verständlichen) Wunsch der Erwachsenen, die gerne ihre Nachtruhe hätten. (Und sicher ja auch brauchen.) Also, ganz klar: Du hast nichts falsch gemacht, und es liegt auch nicht an dir, dass deine Kleine sich verhält, wie er sich verhält! (wäre es anders, warum glaubst du gibt es soooo viele Ratgeber zum Thema??) Du kannst jetzt mit vielen Tricks versuchen, die Situation zu verändern, aber es wird nur Stress und Tränen geben, denn dein Kind IST einfach in der Phase, in der es dich so viel braucht. Ein Baby muss eine gewisse Reife erreichen, um längere Zeit schlafen zu können. Wann dieser Zeitpunkt erreicht wird, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Eine Flasche mit künstlicher Säuglingsnahrung (oder ein Abendbrei) verbessern das Schlafverhalten nicht (das wurde in Studien nachgewiesen). Es gibt nicht wenige Kinder, die dann sogar noch weniger schlafen. Auch wenn das Kind am Tag viel isst, schläft es nicht besser, denn es wacht ja nicht nur wegen dem Hunger auf, sondern sucht Nähe und Geborgenheit! Die unruhigen Tage und Nächte sind furchtbar anstrengend, daran kann ich mich auch noch gut erinnern. Trotzdem: Sie sind normal und werden garantiert irgendwann vorbei sein. Wann, kann ich leider nicht sagen. Aber sie gehen wirklich vorbei! Bis dahin kannst du probieren, dir den Alltag so einfach wie möglich zu machen, so dass auch du tagsüber mal ein kurzes Nickerchen machen kannst. Vielleicht hilft euch der Kinn-Trick. Der ist oft sehr hilfreich bei Babys, die die Brust fast ein wenig aus Gewohnheit im Mund haben wollen beim Schlafen. Dabei legst du, wenn du die Brust dem schlafenden Kind aus dem Mund gezogen hast, einen Finger längs unter die Unterlippe, so dass die Lippe beim "Suchen" einen gewissen Widerstand spürt. Dieser Widerstand wirkt beruhigend auf viele Kleinen, und sie schaffen es sich zu entspannen und eine tiefere Schlaf-Ebene zu erreichen... Das geht auch, wenn das Kind im Schlaf oder Halbschlaf wieder zu "suchen" beginnt: Man drückt ganz sanft sein Kinn nach oben. Bei vielen Babys wirkt das Wunder und sie schlafen plötzlich auch ohne Brust weiter/wieder ein. Manche Mütter berichten, dass es sogar geholfen hat, wenn sie ein kleines Kuscheltier ans Kinn des Kindes gelegt haben... Da ist es natürlich wichtig darauf zu achten, dass die Atemwege nicht blockiert werden :-). Seit Jahrtausenden und in unzähligen Kulturen ist es so, dass Mütter ihre Babys in den Schlaf stillen. Das Saugen wirkt beruhigend und nicht umsonst wurden im Laufe der Zeit die verschiedensten Brustattrappen (z.B. Schnuller s.o.) erfunden. Von der Natur ist es nicht vorgesehen, dass ein Baby oder Kleinkind allein ist und alleine einschläft. Nur passt dieses „natürliche" Verhalten des Babys nicht in unsere derzeitige Zeitströmung und damit haben wir ein (von uns selbst produziertes) Problem: Babys wissen nicht, was zur Zeit „Mode" ist und benehmen sich so, wie sie es seit Anbeginn der Menschheit getan haben. Es hat seinen Grund, warum stillende Mütter die besten Einschlafhilfen SIND. Beim Saugen an der Brust findet ein Baby das, was es braucht: Trost, Nahrung, Sicherheit. Es liegt vermutlich an einer gewissen neurologischen Unreife, wenn einige Babys das mehr brauchen als andere, und es "verwächst" sich wirklich von alleine!! Abgesehen von den umstrittenen Schlaftrainingsprogrammen, die von Stillexperten nahezu einhellig abgelehnt werden, bleibt in dieser Zeit nicht viel, als geduldig zu bleiben und sich die Tage und Nächte so einfach wie möglich zu gestalten. Das Buch von William Sears, "Schlafen und Wachen", dass es z.B. über La Leche Liga Deutschland zu kaufen gibt, kann hier tatsächlich hilfreich sein. Nicht, dass es große Auswege aufzeigen würde, aber es erklärt, warum das so ist mit unseren Babys, und warum das auch ok ist. Allein das Wissen kann eine Mutter schon beruhigen, und ihr den Stress nehmen, sie hätte ihrem Kind etwas Verkehrtes antrainiert. Sehr empfehlenswert ist von Sibylle Lüpold das Buch: "Ich will bei euch schlafen - Ruhige Nächte für Eltern und Kinder." Von ihr ist auch die Broschüre "Kinder brauchen uns auch nachts", in der 20 namhafte Experten wie Dr. William Sears, Prof. Dr. Gerald Hüther und Prof. Dr. Remo Largo gute Argumente liefern , weshalb von der Anwendung eines Schlaftrainings, wie zum Beispiel der Ferber-Methode, abzuraten ist. http://www.fuerkinder.org/files/broschre_kinder_brauchen_uns_auch_nachts_de.pdf Überlege dir auch einmal zu einem Stillgruppentreffen zu gehen und tausch dich dort mit den anderen Müttern aus. Vielleicht hast Du sogar das Glück so wie ich vor Jahren, dass Du dort Mütter oder eine Stillberaterin kennen lernst, die bereits ältere Kinder haben und Du kannst miterleben, dass es sich lohnt noch etwas durchzuhalten. LLLiebe Grüße Biggi


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