Frage im Expertenforum Stillberatung an Kristina Wrede:

2 Wochen Stillpause und dann wieder stillen?

Frage: 2 Wochen Stillpause und dann wieder stillen?

2fachJungs

Beitrag melden

Liebe Beraterinnen, mein Sohn ist nun 17 Tage alt. Er wurde bei 38+2 per Kaiserschnitt (medizinisch indiziert) geholt und wurde aufgrund starker Unterzuckerung und dem Verdacht einer Anämie - es hatten sich Rhesusfaktor-Antikörper gebildet, obwohl ich die Anti-D-Spritzen bei meinem ersten Sohn bekommen habe und dazwischen auch nicht schwanger war - gleich aus dem OP auf die Neointensiv verlegt. Von Anfang an habe ich daher abgepumpt, die Schwestern auf der Station haben per Flasche gefüttert. Als ich ihn das erste Mal anlegen konnte, hat er zwar getrunken, aber ist gleich dabei eingeschlafen. Es hat sich dann herausgestellt, dass er aufgrund der Antikörper eine starke Gelbsucht entwickelt hatte, die ihn zu schwach zum Trinken an der Brust machte, so dass auch der Medela Calma Sauger, mit dem ich meinen großen Sohn von der Flasche zur Brust hin entwöhnt hatte, nicht genutzt werden sollte. Er bekam daher weiterhin abgepumpte Milch und zudem Pre, da anfangs noch nicht ausreichend da war. Mit 5 Tagen musste er dann zur Phototherapie für 16 Stunden. Bei Entlassung war der Bilirubinwert gesunken und ich fütterte ausschließlich abgepumpte Muttermilch. Im Laufe der nächsten Tage stieg der Wert jedoch wieder stark an und der Arzt im Krankenhaus riet zu einer Stillpause von einem Tag. Bei der Kontrolle 24 Stunden später war der Bilirubinwert extrem gefallen, so dass die Ärzte annehmen, dass eine Muttermilch induzierte Gelbsucht vorliegt. Der Kleine soll nun 2 Wochen lang ausschließlich Pre Nahrung erhalten laut Ärzten, damit die Gelbsucht endgültig beendet ist. Da ich mit meinem Großen nach anfänglichen Schwierigkeiten eine wunderbare und lange währende Stillbeziehung hatte, fällt es mir sehr schwer, dem Kleinen jetzt keine Muttermilch geben zu dürfen. Es fühlt sich falsch an, auch wenn die Werte deutlich gezeigt haben, dass ihm jedenfalls derzeit Muttermilch nicht nur gut tut. Jetzt frage ich mich allerdings, ob in 2 Wochen überhaupt noch ein Wechsel zum Stillen möglich ist. Im Krankenhaus hat er wie gesagt ausschließlich Flasche bekommen, an der Brust hat er nicht wirklich getrunken. Ich bin durchaus bereit, weiter zu pumpen, wobei das Füttern derzeit extrem zeitaufwändig ist - abpumpen mit Doppelpumpe, zubereiten Flasche, füttern - und mein Großer natürlich auch nicht alle 3 Stunden für fast 1 Stunde auf mich verzichten möchte, wenn er aus dem Kindergarten kommt, auch wenn ich mich dabei auch mit ihm beschäftige. Ich bin für jeden Ratschlag dankbar, den ihr mir in der Situation geben könnt. Derzeit bin ich einfach nur traurig, dass ich zwar stillen kann, es aber nicht darf. Liebe Grüße und schon jetzt vielen Dank! 2fachJungs


Beitrag melden

Liebe 2fachJungs, bevor ich deine Frage beantworte vorweg diese Informationen: Es ist in der Tat so, dass manche gestillten Kinder länger brauchen, bis der "Gelbstich" vollständig verschwunden ist. Es ist noch nicht restlos geklärt warum dies so ist. Man nimmt an, dass eine verlängerte Gelbsucht oder erhöhte Bilirubinwerte durch eine Kombination von drei Faktoren bedingt wird: einen Bestandteil, der in der Milch der meisten Mütter vorhanden ist und die Aufnahme des Bilirubins durch den Darm erhöht, individuelle Schwankungen in der Fähigkeit Bilirubin zu verarbeiten beim Baby und einer unzureichenden Fütterung in den ersten Lebenstagen. Ich zitiere zum Thema Gelbsucht aus "The Breastfeeding Answer Book" Mohrbacher, Stock, 1997: "Eine Gelbsucht, die nach der ersten Lebenswoche auftritt oder weiter besteht früher als "spät einsetzende Gelbsucht" oder "Muttermilchgelbsucht" bezeichnet wurde früher als eine von der physiologischen Gelbsucht verschiedene Form angesehen, die weniger als vier Prozent aller gestillten Neugeborenen betreffe. Neuere Untersuchungen ergaben jedoch, dass eine verlängerte Gelbsucht und erhöhte Bilirubinwerte häufiger als früher angenommen auftreten. Ein Drittel der gestillten Neugeborenen im Alter von zwei bis drei Wochen haben eine klinische Gelbsucht (Bilirubinwerte über 5 mg/dl [85 µmol/l]) mit sichtbaren Anzeichen für eine Gelbsucht. Ein weiteres Drittel der gestillten Neugeborenen hat erhöhte Bilirubinwerte (zwischen 1,5 und 5 mg/dl [26 bis 85 µmol/l]) ohne das Auftreten sichtbarer Symptome einer Gelbsucht (Alonso 1991). Babys, die künstliche Säuglingsnahrung erhalten, weisen mit zwei bis drei Wochen Bilirubinwerte auf, die denen eines Erwachsenen entsprechen (1,3 bis 1,5 mg/dl [22 bis 26 µmol/l]). Man beginnt nun anzunehmen, dass diese spät auftretenden erhöhten Bilirubinwerte als eine "normale Verlängerung der physiologischen Gelbsucht des Neugeborenen erkannt wird", statt sie als abnormal anzusehen (Gartner 1994b). Das gehäufte Auftreten von verlängerter Gelbsucht oder erhöhten Bilirubinwerten bei gesunden, gestillten Babys bewirkt eine Veränderung "der Auffassung, Muttermilchgelbsucht sei eine Erkrankung oder ein Syndrom; vielmehr ist es eine normale zu erwartende physiologische Entwicklung" (Gartner 1994b). Daher schlagen einige Fachleute vor, die niedrigeren Bilirubinwerte der mit künstlicher Säuglingsnahrung ernährten Säuglinge als eine "Abweichung oder abnormale Situation zu betrachten" Gartner 1994b). Einige Fachleute halten Forschungen für sinnvoll, die prüfen, ob erhöhte Bilirubinwerte für das Neugeborene von Vorteil sind. Da gestillte Babys dazu neigen, höhere Bilirubinwerte aufzuweisen und die normale Neugeborenengelbsucht bei ihnen verbreiteter ist, haben einige Fachleute Forschungen angeregt, um festzustellen, ob die mit der natürlichen Art der Ernährung in Verbindung stehenden Bilirubinwerte vorteilhaft für neugeborene Kinder sind. Das Bilirubin hat nämlich die Eigenschaft, beim Neugeborenen als Antioxydans zu wirken (Gartner 1994c). Vorläufige Untersuchungen weisen darauf hin, dass höhere Bilirubinwerte in Verbindung mit einer verringerten Verbreitung von bestimmten Erkrankungen bei vollausgetragenen und frühgeborenen Babys stehen könnten (Hegyi 1994; van Zoeren Grobben 1994; Benaron und Bowen 1991)." Im Allgemeinen wird das Kind untersucht, um auszuschließen, dass es sich um eine pathologische Gelbsucht handelt. Sind pathologische Gründe ausgeschlossen worden, so ist normalerweise keine Behandlung erforderlich und die Gelbsucht vergeht ohne Folgeschäden von selbst. In einigen Fällen können bis dahin allerdings bis zu drei Monaten vergehen. !!! Sprich nochmals mit deinem Arzt und hole dir eventuell auch eine zweite Meinung ein, ehe Du eine Stillpause einlegst oder die Milch abpumpst. Du kannst ja auch mal hier in einem Kinderarztforum nachfragen und die genauen Werte durchgeben. Gerade in diesen Fällen lohnt es sich auch durchaus, eine profssionelle Stillberatung bei einer IBCLC (in der Regel kostenpflichtig) zu suchen. Sie darf auch medizinisch beraten und kennt sich meist besser aus als die meisten Ärzte, was Stillthemen betrifft. Schau doch mal, ob es jemanden in deiner Nähe gibt, unter http://www.bdl-stillen.de/stillberatungsuche.html Nun aber zu deiner Frage, ob du nach 2 Wochen Flasche wieder stillen können wirst: Leider kann ich dazu keine Antwort geben. Es wird davon abhängen, ob dein Baby bereit ist, das Trinken aus der Brust zu lernen, und davon, ob du deine Milchproduktion aufrechterhalten kannst, durch Pumpen oder ausstreichen. Auch in diesem Fall wird dich eine IBCLC optimal anleiten können, falls erforderlich... LIeben Gruß, Kristina


2fachJungs

Beitrag melden

Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Ich werde wohl noch einmal mit unserem Kinderarzt sprechen. Und versuchen, einen Termin mit einer Stillberaterin zu bekommen.


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.

Ähnliche Fragen

Hallo! Ich habe eine 7 Monate alte Tochter und muss nächste Woche operiert werden. Die OP und die ersten zwei Tage danach sind sehr schmerzintensiv; laut Aussage der behandelnden Ärzte werde ich zwei Tage lang um Novalgin nicht herumkommen, was nicht stillverträglich ist (Opioide gehen nicht, da wir co-schlafen und die Kleine hin und wieder Ate ...

Liebe Frau Welter, ich möchte nächstes Jahr gerne mit meinem großen Kind 4 Tage lang eine Städtereise machen, quasi ein verlängertes Mama-Kind-Wochenende. Mein Baby wird dann 18 Monate alt sein und bleibt beim Papa daheim. Ich habe bis dahin kein Abstillen geplant und wollte nun wissen, ob ich nach dieser "Stillpause" von 3 Nächten wieder weite ...

Liebe Biggi,  mein Sohn (9 Monate) bekommt tagsüber die Flasche und teilweise Brei, nachts habe ich ihn immer noch gestillt. Abends habe ich immer statt zu stillen abgepumpt und er hat die Flasche bekommen. Vor einer Woche hatte ich eine Lebensmittelvergiftung oder Magen-Darm (das hat sich nie geklärt) - jedenfalls konnte ich ihn zwei Nächte la ...

Hallo, meine Tochter ist 4 und wir stillen weiterhin. Ich habe sie als Baby voll gestillt, jetzt ist es abends, manchmal nachts bei unruhigen Nächten und morgens beim Aufwachen.  Demnächst will ihr Papa alleine mit ihr für ein paar Tage weg, es sind mindestens 2 Tage (also mehr als 48 Std.). Können wir danach einfach weiter stillen? Oder gib ...

Hallo Frau Welter, ich brauche einmal Ihren Rat. Mein Sohn ist zwar schon 2,5 Jahre alt, wird aber trotzdem noch 2-3 mal am Tag gestillt.  Nun hat er sich mit Hand Fuß Mund angesteckt und schmerzhafte Bläschen im Mund und an der Lippe. In den Nacht von vorgestern auf gestern wollte er mehrfach stillen, hat aber immer schreiend abgebrochen, weils ...

Hallo Frau Welter! Bei mir wird nächste Woche ein Weisheitszahn gezogen und ich habe überall gelesen, dass die lokale Betäubung und auch etwaige Schmerzmittel keine Stillpause begründen. Anders sieht es aber wohl aus, wenn Jod zur Desinfektion genutzt werden sollte. Überall lese ich, dass das nicht ganz so unbedenklich ist, aber ich finde nirge ...

Liebe Biggi, ich plane mit Freundinnen ca. 1,5 Tage wegzufahren. Meine Tochter wird dann 18 Monate alt sein und würde währenddessen vom Papa betreut werden. Meine Tochter und ich stillen aktuell beide noch gerne und ich möchte es gerne auch noch weiterführen. Besteht bei einer solchen Stillpause die Gefahr, dass das Kind anschließend nicht mehr ...

Liebe Frau Welter, schon vor der Geburt unserer Tochter hatte ich mit meinen Freundinnen ein Mädels Wochenende geplant. Ich hatte damals die Überlegung, sie einfach mitzunehmen. Jetzt überlege ich allerdings, ob eine Nacht ohne Mama, also ohne stillen möglich wäre (emotional traue ich es mir und ihr zu). Sie ist dann 11,5 Monate alt. S ...

Liebe Biggi SOS - ich sollte eigentlich Abstillen da ich in 3 Wochen für eine Woche beruflich weg bin. Ich stille meine Tochter (2) noch nachts 2-3 Mal und zum einschlafen jeden zweiten Abend. Da kommt doch schon einiges an Milchmenge zusammen... Dooferweise stille ich nurnoch eine Brust - also konzentriert sich alles auf eine Seite. Das Pro ...

Hallo, ich muss leider zu einer nicht verschiebbaren OP. Stationärer Aufenthalt vorraussichtlich 2 Nächte. Meine Tochter ist bereits 2 Jahre alt und wird zu Hause beim Papa bleiben.  Wir stillen noch kurz zum Mittagschlaf. Abends kurz vor dem ins Bett gehen (nicht zum einschlafen ) und nachts, je nachdem wie oft sie aufwacht und nicht ...