Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Annika Thies:

Einleitung bei 35+1 Chancen?

Frage: Einleitung bei 35+1 Chancen?

decembermom

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Sehr geehrte Frau Dr. Thies, ich erwarte unser 6. Kind, erstes Kind Kaiserschnitt (sekundär) vor 13 Jahren, danach 4 unkomplizierte spontangeburten am/um Termin. Leider wird diese letzte Schwangerschaft verkomplizieret durch eine IUGR Diagnose vor drei Wochen. Aktuell befinde ich mich in der 35+1 SSW. Vor drei Tagen zeigte sich erstmals internittierend ein Nullfluss in der Umbilicalis, dieser konnte jedoch nicht kontinuierlich dargestellt werden. Es gab Abschnitte der A. Umbilicalis, die ein völlig normales Muster zeigten und Abschnitte, in denen auf jedes zweite Doppler Signal ein Nullfluss folgte.  (A. Umbilicalis PI 1,27, RI 0,66, ACM PI 1,27, RI 0,68, CPR PI 1,0, ductus venosus A Welle -13, 05 cm/s).  So richtig erklären konnten sich Chefarzt und Oberärztin den Befund nicht, vor allem nicht, warum der Nullfluss nur intermittierend auftritt und nicht in allen Bereichen der Umbilicalis.  Aus vorsichtsgründen wurde zur Beendigung der Schwangerschaft geraten. Praeklampsie ist ausgeschlossen, auch dieser quotient ist völlig normal. Es wird vermutet, dass eine Nabelschnurarterie nicht richtig funktioniert. Unser Kind ist sehr zart und wurde am 13.5 in der 34+5 SSW auf 1725 g (erster untersucher, 1846 g (zweiter untersucher) geschätzt. Nipt unauffällig, Eltern und Geschwister auch eher klein und zart daher sicherlich neben IUGR auch ein konstitutioneller Faktor.  Ich habe große Angst nor einem Kaiserschnitt, weil ich den ersten vor 13 Jahren emotional schlecht verkraftet habe und mir eine normale Geburt sehr wünsche. Es wird seit gestern versucht einzuleiten, Befund war noch unreif: FIDU, MM 3 cm. Ich erhielt 4 dilapan stäbchen. Diese wurden heute gezogen und der Muttermund war so weich, dass ein Ballonkatheter  gelegt werden konnte und mit jeweils 80 ml Kochsalz befüllt wurde. Bisher merke ich nicht viel. meine Fragen: 1. Wie kann es sein, dass dieser Nullfluss nicht immer auftritt? Einen Tag zuvor in der Uniklinik im Rahmen der Risiko Sprechstunde wurde dieser nämlich nicht gesehen, erst hier vor Ort in unserer Geburtsklinik (auch perinatalzentrum Level 1)  2. gäbe es noch Spielraum bis 37+0 SSW oder ist es wirklich jetzt besser einzuleiten? 3. ich habe zu Angst, dass ich einen Kaiserschnitt brauche. wie schätzen Sie die Erfolgschancen ein bei den unreifen Befund und der noch frühen Woche? Hatte vor 13 Jahren einen sek. Kaiserschnitt, gefolgt von 4 spontanen unkomplizierten Geburten ohne Einleitung und ohne dammverletzungen zuletzt vor 2,5 Jahren. Herzlichen Dank für Ihren Rat  Deine Schwangerschaftswoche: 36


Annika Thies

Annika Thies

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Guten Tag, ein intermittierender Nullfluss ist nicht ungewöhnlich, das Messergebnis ist unter anderem abhängig vom Ort der Messung und Kindsbewegungen / kurzfristigen Widerstandsschwankungen. Aber: bei einer technisch korrekten Messung lässt sich der Nullfluss nicht künstlich erzeugen. Die Situation kann sich auch im Vergleich zum Vortag verschlechtert haben. Da Sie in einem erfahrenen Perinatalzentrum angebunden sind und der Chefarzt und die Oberärztin mehrfach untersucht zu haben scheinen, würde ich darauf vertrauen, dass der Doppler tatsächlich pathologisch ist. Zudem sind ja mehrere Aspekte auffällig: Wachstumsrestriktion, grenzwertiger CPR und jetzt zusätzlich der Nullfluss. In Zusammenschau finde ich die Empfehlung zur Einleitung jetzt absolut nachvollziehbar, ein weiteres Zuwarten würde ein hohes Risiko für das Kind in den folgenden 1-2 Wochen bedeuten. Ihr Körper hat schon mehrfach komplikationslos spontan entbunden, er weiß, wie das geht. Der MM-Befund von 3 cm ist keine schlechte Ausgangssituation für die Einleitung, die Chancen für eine (rasche) Spontangeburt stehen sehr gut, sobald Sie Wehen bekommen. Der entscheidende Faktor wird dabei das CTG bzw. die Versorgung des Kindes bis zur Geburt und insbesondere unter Geburt sein. Die Einleitung jetzt ist der Versuch, eine Spontangeburt zu ermöglichen. Sollten die kindlichen Kapazitäten aber zu stark eingeschränkt sein, muss man ggf. auf einen Kaiserschnitt umsteigen. Die Entscheidung wird man sicher nicht leichtfertig treffen. Fragen Sie ruhig aktiv nach und lassen Sie sich mögliche Optionen und Entscheidungen gut erklären, sodass Sie es nachvollziehen können. Alles Gute, Annika Thies


decembermom

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Sehr geehrte Frau Dr. Thies,  herzlichen Dank für Ihre wirklich hilfreiche Antwort.  Insbesondere die Erklärung zu den dopplerwerten und den Nullfluss haben mir sehr geholfen, die Situation besser zu verstehen.  Leider haben sich die Ereignisse heute überschlagen. Ab Freitag wurde die Einleitung versucht. Erst mit dilapan und gestern Vormittag wurde ein Ballon Katheter gelegt. Dieser wurde gestern gegen Mitternacht auf Grund von Wehen und Blutungen wieder entfernt.  Ich wurde nach Hause entlassen. In der Nacht und am Morgen hatte ich bereits wehen. Morgens habe ich nur wenig Kindsbewegungen wahrgenommen, zudem hatte ich Wehen. Wir sind sofort in die Klinik. Die Oberärztin hat umgehend  geschallt und unser Kindchen hatte sich unerwartet von einer schädellage in eine Querlage gedreht. Die Nabelschnur lag komplett vor dem Muttermund. Die fruchtblase stand noch.  Aufgrund des hohen Risikos wurde eine Not Sectio durchgeführt. Unsere Tochter wurde schlapp geboren (Apgar 4,9,9), stabilisierte sich aber schnell und liegt nun noch zur Überwachung auf der intensiv Station. Es geht ihr entsprechend der verfrühten Geburt gut  Ich bin dankbar, dass wir offensichtlich einen Schutzengel hatten. Nochmals Danke für Ihren Rat. 


Annika Thies

Annika Thies

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Liebe decembermom, das klingt wirklich nach turbulenten Tagen. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter. Alles etwas anders, als geplant und sicher ganz anders, als Sie es sich gewünscht haben, aber so ist es manchmal in der Geburtshilfe. Für die nächsten Tage und das Wochenbett wünsche ich rasche Genesung für Sie und Ihr Baby und dass etwas Ruhe einkehrt. Falls der Verlauf oder der Notkaiserschnitt Sie anhaltend stark belasten sollten: Nutzen Sie das Gesprächsangebot in der Klinik. Auch ein Geburtsgespräch mit dem involvierten Team einige Monate nach der Geburt ist hilfreich, um (besser) damit abschließen zu können. Alles Gute, Annika Thies


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