Frage: BLW

Liebe Frau Neumann! Mein Sohn ist 7 Monate alt und wird nach Bedarf vollgestillt. Letzte Wochen haben wir mit BLW begonnen. Ich habe bewusst erst mit 7 Monaten begonnen, da ich mit meinem ersten Kind damals schon früher mit Brei gestartet habe und er diesen nicht essen wollte und wir dann auf BLW umgestiegen sind. Dem Baby biete ich zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen auch etwas an (Brot, Banane, Kartoffeln, Karotte, Apfel, Reis), aber er probiert es nicht einmal. Mir ist schon klar, dass keine große Menge im Magen landen wird, aber er greift und schaut das Essen nur an, steckt es sich aber nicht in den Mund. Nach kurzer Zeit fängt er jeden Tag und bei jeder Mahlzeit zu quengeln an (weiß nicht wieso), sodass ich ihn aus dem Hochstuhl nehme, aber auch bei mir im Schoß will er nichts probieren. All seine Reifezeichen sind erfüllt und wenn ich etwas esse/trinke dann greift er danach, aber sobald ich ihm etwas anbiete, dann berührt es nicht einmal seine Lippen. Ist das normal? Vom großen Sohn kenne ich es so nicht, denn er hat die Lebensmittel zum Mund geführt und daran geschleckt und abgebissen. Danke. LG Kristina

von k_ristina am 04.01.2024, 21:09



Antwort auf: BLW

Hallo k_ristina wenn alle Reifezeichen bei deinem Baby erfüllt sind, wird dein Baby ganz bestimmt bald (mehr) mitessen wollen. Ändere doch ein wenig das Setting und gib deinem Baby ausreichend Zeit für das Kennenlernen von Beikost bei jeder Mahlzeit am Familienesstisch, hab Geduld. Esst unbedingt alle gemeinsam, so dass dein Baby alle Essenden beobachten kann. Probiere es ggf auch mal mit breiigen Speisen, welche dein Baby ebenfalls selbständig erkunden könnte, in dem es Finger (Hand) eindippt und daran schleckt. Auch wäre ggf Brei mit Löffel eine Möglichkeit, welche für dein Baby vielleicht passen könnte. Es müsste keine Riesenmenge sein, welche dein Baby isst, 1 oder 2 Löffel wären ein Anfang - falls es deinem Kind gefallen würde. Wenn dein Baby bei dir sitzt, schreibst du, greift er nach deinem Essen. Lass das ruhig einfach so geschehen. Greife nicht aktiv in diesen Vorgang ein und biete ihm nichts mit deinen Händen an. Lass ihn einfach mal machen. Es wäre nur wichtig, dass wenn dein Baby bei dir sitzt und sich Speisen von deinem Teller nimmt und erkundet, dass diese wirklich babygeeignet sind. Ansonsten ist das, was auf deinem Teller ist und sich dein Baby selbständig davon nimmt genau das, was mit BLW gemeint ist. Ebenso wichtig wie die Speiseangebote, welche in Form, Größe und Konsistenz (und Zutaten) sämtlich geeignet sein sollten, ist es dass dein Baby selbständig nach dem Essen greift und es sich selbständig an bzw in den Mund führt. Damit dein Baby essen kann, muss es auch ein wenig hungrig sein. Alles was zur Auswahl steht, was dein Baby erkunden kann, das kannst du auf einer Essmatte oder auf einem Teller mit flachem Rand vor dein Baby gut sichtbar und gut greifbar hinstellen. Ideal sind fingerlange* und fingerdicke, weiche Stücke wie bspw Gemüsesticks oder Obst, ggf auch Brotsticks u.a.. Diese Darreichungsform kann dein Baby mit der Faust umschließen und somit ganzheitlich erkunden: mit den Augen, den Händen, den Fingern, mit dem Mund, auch geschmacklich testen, sowie die Konsistenz erfühlen. Ob dein Baby dabei in seinem Hochstuhl sitzt (sicher, fest, aufrecht und bequem, wackelfrei, Füße auf Fußablage) oder bei dir sitzt, das ist egal. Gut ist es, wie es für es für dein Baby, dich und euch gut passt. Dein Baby sollte beide Hände frei bewegen können, ohne im Sitz herumwackeln. Beikost hat auch das Ziel, dass dein Baby neue Geschmackseindrücke, neue Esstechniken, Konsistenzen und Nahrung i.A. kennen lernen kann, damit sich der Organismus langsam umstellen und umgewöhnen kann. Nahrungsvielfalt und Erlebnis zählt jetzt erstmal. Anschauen, Greifen und Befühlen sind erste Annäherungen. Noch ist dein Baby jung und es reicht aus, deinem beikostreifen Baby eine geeignete Beikost als Option anzubieten und nach Bedarf und ausreichend zu stillen - sofern dein gesundes Baby weiterhin gut zunimmt und fit ist. Möglicherweise braucht dein Kind noch ein bisschen Zeit. Manche Stillbabys sind ab einem Wachstumsschub um den 8. Lm herum dann ganz plötzlich soweit. Dass dein Baby zugreift und sich interessiert, das ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen. Mache Angebote und lass dein Baby sich daran spielerisch annähern. Das Ertasten und Befühlen ist eine Vorstufe. Bald wird es auch bei deinem Baby an und in den Mund wandern. Grüße Birgit N. * Zubereitung babygerechte Gemüsesticks: Schneide aus rohen Gemüsesorten (bspw Möhre, Pastinake, Kohlrabi, Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Kartoffeln, auch: Brokkoliröschen, Blumenkohlröschen) oder Obstsorten wie Apfel, Birne fingerdicke ca 8-10cm lange Stücke. Gare sie (dampfgaren oder in wenig Wasser dünsten) ohne Zusätze in einem Topf mit etwas Wasser einfach sehr weich. Fertig ist das Fingerfood. P.S. Beikost ist viel mehr als nur das Ersetzen von Mumi oder Säuglingsmilch. Beikost ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung und für die Entwicklung und geht mit der Entwicklung einher. Ein gesundes und altersentsprechend entwickeltes, beikostreifes Baby will mitessen und wird es auch tun, wenn es die Gelegenheit erhält. Manchmal dauert es länger, bis wirklich etwas im Mund landet. Wichtig ist momentan auch hauptsächlich eher "nur", dass dein Baby Beikost angeboten bekommt, um sich freiwillig, gemäß seinen Fähigkeiten, mit kleinen Mengen mit dieser neuen Essweise auseinanderzusetzen und um sich damit anzufreunden. Beikost schult alle Sinne und ergänzt die Muttermilch. Es geht auch um das spielerische Entdecken der verschiedenen sensorischen Eigenschaften von Lebensmitteln, um das Loslassen von Mama etc. Lass dein Baby feste Nahrung immer unbedingt selbständig entdecken. Nichts in die Hand drücken - es muss selbständig in die Hand genommen und zum Mund geführt werden. P.P.S. ganz allgemein: das sog. " baby-led-weaning" ist eine Methode, die die Beikosteinführung bei nach Bedarf gestillten Babys sanft und langsam einleitet. Der Sinn ist das Fördern der Selbständigkeit. Es entsteht eine Eigendynamik, die im individuellen Prozess für den Verlauf oft nicht vorhersehbar ist. BLW ermöglicht dem Baby einen eher spielerischen Zugang zu (fester) Nahrung. Es ermöglicht eine ganzheitliche Vorgehensweise durch Berühren und Betasten der Lebensmittel. Dies geschieht mit den Augen, Händen und dem Mund. Babys können bei dieser Art der Beikost in ihrem Tempo lernen und die Menge der Beikost komplett frei bestimmen. Es gibt keine Angaben über idealerweise zuzuführende Mengen, sondern vielmehr konkrete Empfehlungen zur Beschaffenheit und/oder Zubereitungsweisen der angebotenen Lebensmittel.

von Birgit Neumann am 06.01.2024