Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

BLW

Dipl. oec. troph. Birgit Neumann

Dipl. oec. troph. Birgit Neumann
Diplom Ökotrophologin und Ernährungsberaterin

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Frage: BLW

Arabela

Liebe Frau Neumann, Meine 6 Monate alte Tochter mag leider keinen Brei.Habe verschiedene Sorten ausprobiert und selber auch verschiedenen Sorten vorbereitet. Meine Frage an sie: Ich würde gerne mit gekochte Möhre oder Kartoffel probieren und Ihr diese in Hand geben. wie weich muss die Gemüse sein?Wie soll ich diese schneiden? Gibt es Erstickungsgefahr?Da erste Kind habe ich etwas Angst.🙈 Vielen Dank und ein schönen Tag noch!


Birgit Neumann

Birgit Neumann

Hallo Arabela wenn dein Baby 100% beikostreif ist, kannst und solltest du mit Beikost starten. Ob mit Brei oder breifrei ist egal. Es muss zu deinem Baby passen. Brei, bzw mit einem Löffel gefüttert zu werden gefällt deinem Baby (momentan) nicht schreibst du und möchtest nun mit breifreier Beikost starten bzw weitermachen. Zunächst einmal solltest du noch einmal prüfen ob dein Baby wirklich schoon soweit ist. Denn nur ein wirklich beikostreifes (gesundes und altersentsprechend entwickeltes Baby) kann und sollte Beikost bekommen.* Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass dein Baby mit 6 M schon soweit ist. Setze deine Tochter nun einfach in einen Hochstuhl für die Dauer der Mahlzeit. Lass deine Tochter dort gut und wackelfrei, sicher und aufrecht, leicht nach vorn gebeugt sitzen und staffiere ggf den Sitz ggf mit gerollten Handtüchern/Kissen aus. So dass deine Tochter darin bequem und fest und sicher sitzen wird. Alternativ zum Sitzen im Hochstuhl kannst du dein Baby für die Dauer der Mahlzeit auch auf deinen Schoß setzen und ggf im unteren Rücken stützen. Vorteil vom Hochstuhl ist es, dass du deinem Baby gegenüber sitzt und es beobachten kannst, und umgekehrt es dich. Aber kuck ruhig, wie es für euch am besten passt. Dünste oder dämpfe Kartoffel-und Möhrenstücke in etwas Wasser weich. So weich, dass dein Baby die Stücke greifen und mit der ganzen Hand umschließen kann. Um diese Stücke buchstäblich mit der eigenen Faust erkunden zu können. Dabei sollten die Stücke nicht zu matschig werden aber auch nicht mehr zu fest sein. Dein Baby wird an den Stückchen (Form wie lange Pommes) lecken, lutschen, knabbern, beißen. Was zu hart ist würde nicht gegessen sondern wieder ausgespuckt werden. Die Konsistenz solle so weich sein, dass dein Baby die im Mund ankommenden Stückchen mit der Zunge noch weiter zerdrücken kann. Das macht (d)ein Baby mit dem Kauleisten bzw anfangs hauptsächlich mit Zunge und Gaumen. Das so weich zerquetschte Essen ist i.d.R. ungefährlich. Anfangs isst ein Baby davon nicht viel. Es landet meist nur ganz wenig im Magen. Grundsätzlich schreibe ich dir darum noch folgendes: BLW ermöglicht dem Baby einen eher spielerischen Zugang zu (fester) Nahrung. Es ermöglicht eine ganzheitliche Vorgehensweise durch Berühren und Betasten der Lebensmittel. Dies geschieht mit den Händen und dem Mund. Babys können bei dieser Art der Beikost in ihrem Tempo lernen und die Menge der Beikost komplett frei bestimmen. Es gibt keine Angaben über idealerweise zuzuführende Mengen, sondern vielmehr konkrete Empfehlungen zur Beschaffenheit und/oder Zubereitungsweisen der angebotenen Lebensmittel. BLW geeignete Lebensmittel sind (sehr) weich und salzfrei. BLW-geeignete Speisen sollten, vor allem am Anfang, sehr basically sein: schlichte, gekochte Gemüsesticks, gekochte Kartoffelsticks, ggf weiche (rohe) Obststicks aus Apfel oder Birne. Essen ist hierbei am Anfang ein stetiges Lernen und Erfahren neuer Geschmacks- und Konsistenzeindrücke. BLW ist eine sanfte Methode, die viel Raum für Individualität lässt. Für dich als Mama ist BLW eher passiv und eher ein Zusehen, bspw dabei wie sich dein Baby mit der Nahrung auseinander setzt. Zubereitung babygerechte Gemüsesticks: Schneide aus rohen Gemüsesorten (bspw Möhre, Pastinake, Kohlrabi, Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Kartoffeln, auch: Brokkoliröschen, Blumenkohlröschen) oder Obstsorten wie Apfel, Birne fingerdicke ca 8-10cm lange Stücke. Gare sie (dampfgaren oder in wenig Wasser dünsten) ohne Zusätze in einem Topf mit etwas Wasser einfach sehr weich. Fertig ist das Fingerfood. Als Stäbchen/Stick lässt sich das weiche Gemüse (Kartoffel oder Obst) gut mit der Faust umschliessen und festhalten. Die Kleinsten lutschen das Stückchen vorsichtig ab und erspüren und erschmecken das "Ding". Anfangs empfehle ich dir wirklich nur sehr weich gekochte (gedämpft, gedünstet, gegart, gebacken) Gemüse-, Kartoffel-, Süßkartoffel-, und oder Obststücke. Die angebotenen Speisen sollen in ihrer Beschaffenheit anfangs auf jeden Fall einfach im Mund zu Brei zerdrückt werden können. Nur so kann dein Baby es schlucken. Je älter dein Baby wird, je reifer und erfahrener, desto mehr kannst du mit anderen breifreien Speisen weiter machen. Zunächst solltest du erst einmal schauen, wie gut dein Baby diese Form  annimmt und damit zurecht kommt. Breifreie Speisen muss sich dein Baby immer unbedingt nur selbst in den Mund geben. Du kannst auch Brei anbieten, in einer kleinen Menge und dein Baby den Finger eintunken lassen. BLW ist kein Füttern, sondern ein "self-feeding". Das war jetzt sehr viel Text. Ich hoffe du kannst daraus schon direkt heute etwas anwenden. Meld dich gerne nochmal wenn du weitere Fragen dazu hast. Ich kann dir vorraussichtlich am Spätnachmittag wieder antworten. Grüße Birgit N.   *Beikostreif ist ein (gesundes und reif geborenes) Baby, wenn es mindestens 4 Monate (ab 5. Lm) alt ist und zusätzlich auch der Zungenstoßreflex weg ist. Wenn es zudem mit leichter Unterstützung im unteren Rücken (aufrecht) sitzen kann (ausreichende Rumpfspannung hat, dadurch sich selbst aufrecht halten kann) und wenn es außerdem zu den genannten Punkten gezielt nach Nahrung greifen kann und greift, um sich Nahrung zum Mund zu führen (Stichwort Motorik, Auge-Hand-Mund-Koordination = gezieltes Greifen von Dingen mit anschließendem zum Mund führen). Am allerwichtigsten ist natürlich Punkt 1. Der Zungenstoßreflex muss weg sein. Denn wenn dieser Reflex nicht verschwunden ist, kann ein Baby nichts essen.  


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