Mitglied inaktiv
Hallo Herr Doktor Posth, ich bin eine begeisterte Leserin Ihres Buches und Ihrer Ansichten. Nun habe ich auch einmal persönlich eine Frage an Sie. Mir wurde von unserer Kindergartenpädagogin berichtet, dass unser Sohn (4,5) im Kindergarten stark vermeidet zu weinen, etwa wenn er sich verletzt oder wenn er beleidigt ist. Ansonsten wird er von allen Seiten hoch gelobt. Er hilft gerne anderen Kindern, spielt überall mit und ist sehr verständnisvoll. Zu Hause ist mir dieses Verhalten (Gefühle vermeiden) nicht aufgefallen. Er trotzt zur Zeit etwas, ist eifersüchtig auf seinen kleinen Bruder. Diese Gefühle zeigt er aber immer sofort und auch lautstark. Warum verhält er sich dann nicht so im Kindergarten und was kann ich machen, um ihm dabei zu helfen. Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus. Liebe Grüße Leonida
Liebe Leonida, mit 4 1/2 jahren weinen die Kinder entweder, wenn sie Schmerzen haben, weil sie wütend sind, oder jetzt auch, weil sie traurig sind. Sie schreiben, dass Ihr Sohn zu Hause alle diese Gefühle zeigt. So liegt die Vermutung nahe, dass der Einfluss, nicht zu weinen, aus dem Kindergarten kommt. Da würde ich auch noch einmal gezielt nachfragen. Jungen wird in den pädagogischen Einrichtungen sehr häufig gesagt, dass sie nicht weinen sollen. "Ein Indianer weint nicht", Sie kennen den Spruch. Diese Einstellung ist manchen Pädagoginnen gar nicht so bewusst. Sie vermitteln das implizit, also ohne ein eigenes Bemerken. Vielleicht gibt es auch noch andere Einflüsse, z.B. auch durch ältere Kinder. Forschen Sie also erst einmal dort genau nach. Viele Grüße und herzlichen Dank für Ihr Lob
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