Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Regelkonzept

Frage: Regelkonzept

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Sehr geehrter Herr Dr. Posth, als erstes wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ein schönes neues Jahr 2009. Meine Fragen: Ab welchem Alter ungefähr kann man mit einem Kleinkind Regeln aushandeln? Wie konkret könnte das aussehen? Typisches Beispiel: Kind bekommt im Supermarkt nicht das Erwünschte, oder möchte beim Rausgehen Schuhe nicht anziehen, ,o.ä. Situationen, und reagiert darauf mit Trotz. Wie könnte man da konkret Regeln aushandeln, die vom Kind auch akzeptiert / mitentschieden werden, ohne das man in den Bereich der Belohnung (wenn du das so und so machst, bekommst du das und das...) kommt, was ja nicht angemessen wäre? Bevor das Kind Regeln überhaupt versteht, besteht nur die Möglichkeit der Ablenkung, bzw. in gefährlichen Situationen auch mal Verbote (auch wenn das dann Konditionierung ist) auszusprechen? Vielen Dank für Ihre Antwort, Daniela


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Stichwort: erste Erziehungsschritte Hallo, auch Ihnen erst einmal ein gutes neues Jahr. Erst kleine Regeln entwickeln alle Menschen im Umgang mit Ihren Kindern schon am Ende des 1. Lebensjahres. Bis dahin geht es mehr um Gewohnheiten und Konditionierungen. Denn zur Regel gehört ein verbal-inhaltliches Verständnis beider Partner. Beim 1-jährigen ist noch schwierig, was viele unerfahrene Pädagogen und Eltern nicht davon abhält, es doch vorauszusetzen. Denn sie wollen schon in diesem zarten Alter ihre Kinder erziehen, die gerade erst verstanden haben, wer ihre Hauptbezugespersonen sind und wer überhaupt berechtigt ist, Erziehungseinfluss auf sie zu nehmen. Die "Nein-Regel" ist vielleicht ungefähr die allererste, die aufgestellt wird. Aber das eigentlich Regel-Prinzip greift so richtig im 3. Lebensjahr, also nach dem zweiten Geburtstag, wobei der Trotz dem Erfolg zunächst einmal naturgemäß im Wege steht. Mit 3 Jahren kommen die ersten gültigen Wenn-dann-Regeln", die den Tagesablauf und die Kommunikation zwischen Erwachsene und Kindern organisieren und ordnen. Kausalwirkungen, und um die geht es dabei, erleben Kinder auch schon aber 1 1/2 bis 3 Jahre, aber hier muss immer noch "erlebt" werden, was passiert. Vorher gibt es kein Verständnis. Wie man mit Trotz umgeht, habe ich hinlänglich erklärt (suchlauf, etc.). Das Regelprinzip fußt auf Konsequenz. Wer im Supermarkt Remmidemmi macht, kommt nicht mit rein. Muss es doch geschen, bleibt er mit Ablenkung im Korbwagen. Schreit er trotzdem, weil er etwas nicht bekommt, greifen die Regeln des Trotzes. Also notfalls erst einmal rausgehen und die Autos zählen. Wer seinem schreienden, sich auf dem Boden wälzenden 2 1/2-jährigen Kind letztlich doch den Lutscher kauft, weil er seine Ruhe haben möchte, hat eine gute Chance auf eine bessere Zukunft verspielt. Viele Grüße


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