Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Fremdeln

Frage: Fremdeln

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Hallo, wir haben 2003 unseren Sohn im Alter von 6 Monaten in Kolumbien aus einem Kinderheim adoptiert. Aufgrund seiner medizinischen Geschichte, war er und musste auch bei uns oft ins Krankenhaus. Nun meine Frage.....Cristian ist jetzt 2,5 Jahre alt und läuft auf JEDEN Wildfremden zu, lässt sich auch von JEDEM an die Hand nehmen und auch auf den Arm.....wir versuchen dieses einzuschränken, und holen ihn dann wieder zurück (möglichst ruhig ;-) )und geben dann eine Erklärung ab und ich versuche ihm auch in bestimmten Situationen vorher zu sagen, dass er dies nicht tuen soll. Wir haben bei ihm noch keine Fremdelphase erlebt und machen uns schon etwas Sorgen, denn wir wissen nicht, wie wir ihm beibringen sollen, dass nicht jeder Fremde automatisch auch ein Freund ist und man sich von dem schon mal gar nicht anfassen lässt. Durch seine dunklere Haut und die schwarzen Augen gewinnt er halt auch JEDE Sympathie...das macht es nicht unbedingt einfacher. viele Grüße Saskia71


Dr. med. Rüdiger Posth

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Liebe Saskia, das Phänomen des Fremdeln gehört in das Säuglingsalter und ist Ausdruck einer eingangen primären Bindung. Mit 6 Monaten haben Sie Ihren Sohn aus dem Kinderheim bekommen. Er konnte also erst verspätet eine Bindung aufbauen. Die komplette Umstellung vom Kinderheim in die Familie wird dabei noch eine gewisse Zeit aufgezehrt haben, so daß nur noch eine unsichere Bindung zustande kommen konnte. Die Krankehausaufenthalte hier in Deutschland(?) werden ihren Teil dazu beigetragen haben. Zu erwarten war eine unsichere Bindung vom vermeidenden Typ (M.Ainsworth, s. mein Langtext über das emotionale Bewußtsein, Teil 2) und genauso ist es gekommen. Vermeidend unsicher gebundene Kinder zeigen typischweise in Trennungssituationen scheinbare Unberührtheit, d.h. so gut wie keine Angst, sind aber nachweislich trotzdem angespannt und in Alarmbereitschaft. Dabei mag es graduelle Unterschiede geben von starker Angespanntheit bis geringer). Eine unsichere Bindung ist keine psychische Störung!, sondern nur eine Beschreibung einer risikoreicheren Entwicklung. Es muß Ihnen jetzt gelingen, Bindungsfestigkeit nachträglich herzustellen und eine sichere Loslösung zu gewährleisten. Auf jeden Fall werden die Loslösungsprozesse nicht ganz leicht sein, und der Vater wird zentralen Raum einehmen müssen. Vielleicht berichten Sie hin und wieder von der weiteren Entwicklung Ihres Sohnes. Viele Grüße


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