Mitglied inaktiv
„Scheisse“, „Aufräumen ist blöd“ etc. sind immer häufigere „Antworten“, die unser Sohn aus der Krippe bringt (wird 3 Ende Dezember). Sie sind eine Art „Test“, wie wir drauf reagieren, weil er sie immer mit diesem „herausforderndem Blick“ sagt und wartet, was dann passiert. Zuerst habe ich versucht, die zu ignorieren – es wurde nicht weniger. Dann habe ich gefragt, was er damit meint (wir sprechen Polnisch miteinander) – er hat sie völlig korrekt übersetzt und „weiter gewartet“. Dann versuchte ich ihm zu erklären, dass man niemanden blöd nennen soll, dass das Aufräumen eine notwendige Tätigkeit ist, damit die Spielzeuge nicht verloren gehen“ etc. Das alles brachte nichts – diese Sprüche wurden weder weniger noch schien er „schlechtes Gewissen“ dabei zu haben. Dann habe ich gefragt, wer denn behauptet hätte, ich wäre blöd. Es kam prompt die Antwort, es war die Leiterin der Krippe. Daraufhin sagte ich, dass ich am nächsten Tag die Leiterin fragen werde, warum sie denn so was von mir behauptet. Er war dermassen erschrocken, dass er gleich behauptete, er wäre nicht sie, sondern........... der Samiklaus und sich einige Tage weigerte, in die Krippe zu gehen bzw. ein Riesentheater machte, dass Daddy und nicht ich ihn in die Krippe bringen soll. Und bis heute, wenn ich nur versuche, mich mit der Leiterin zu unterhalten, sagt er sofort auf Polnisch, sie hätte NICHT gesagt, ich wäre blöd und ich soll sofort gehen, weil ich sonst zu spät zu Arbeit komme :). Scheint also, dass diese Massnahme etwas über das Ziel hinaus geschossen hat. Was sollen wir aber tun? Was ist der richtige Umgang mit solchen Sprüchen? Das ganze scheint wie mir einer „neuen Trotzphase“ zusammen zu hängen. Er wird nicht mehr wütend, schlägt weder um sich herum noch uns, tobt nicht wie wild, sondern sagt ruhig (und mit so etwas wie ironischem Lächeln), dass er dies oder jenes nicht tun wird oder aber macht weiter das, was ihm verboten wurde. Und wenn ich dann sage, dass er als Strafe in sein Zimmer gehen soll, geht er ohne Protest und treibt dort weiter Unfug (z.B. das ganze Spielzeug aus den Kisten auf den Boden zu werfen), wenn ich dann nach einiger Zeit frage, ob er es nicht mehr tun wird, verspricht er, sich zu bessern um gleich wieder anzufangen, wo er aufgehört hat. Und es kommen Sätze wie dass er dem Polizisten sagen wird, dass Mama ihm im Zimmer geschlossen hat (was nicht stimmt, ich schliesse nicht ab) und Mama dafür ins Gefängnis gehen wird oder er „petzt Mama’s Verbrechen“ seinem Daddy, sobald dieser nach hause kommt (umgekehrt genauso). Und sagt auch oft, dass er mich nicht mag, wenn ich dann aber sage, OK, dann spiele ich nicht mehr mir Dir, weil Du mich nicht magst, bricht er sofort in Tränen aus und will kuscheln. Dies passiert in etwa 1-2 am Tag (jeweils bis eine Stunde), sonst ist er heiter, ausgeglichen und „Erklärungen zugänglich“. Ich weiss langsam wirklich nicht mehr, was der richtige Weg im Umgang mit diesem Trotz sein könnte...... Ich wäre für Ihren Rat sehr dankbar. schöne Grüsse, Hanna
Liebe Hanna, es ist völlig richtig, was Sie sagen, daß nämlich die Anwendung von sogenannten Schimpfwörtern die Verlängerung der Trotzphase in die kognitive Weiterentwicklung hinein darstellt. D.h. konkret, daß aus dem rein emotionalen Geschehen der ersten 3 Lebensjahre, wo bei diese Phase ungefähr jetzt endet, die Ablehnung von bestimmten auferlegten Alltagsdingen oder das Sich-zur-Wehr-setzen in die Region der Wörter übernommen wird. Also Opposition und Provokation als die aggressiv gestützten Verlängerungsformen des Trotzes werden nun verbal "kommuniziert". Dabei ist aber folgendes entscheidend wichtig: Konnte das Kind bis dahin schon ein recht solides Selbstbewußtsein entwickeln, sind diese verbalisierten "Spätformen" des Trotzes eher wie ein milder Abklatsch und ein Ausprobieren, wie das nun funktioniert. Also jedes Kind macht es mehr oder wenig ausgiebig, und die Munition holt es sich aus den Kindergärten oder von der Straße. Viel schlimmer ist es mit den Kindern, die auch emotional noch heftig weiter trotzen müssen, um sich ihr Selbst zu erkämpfen, weil man sie nicht hat zum Zuge kommen lassen und autoritär beschnitten hat. Diese Kinder treiben die oppositionellen und dann zunehmend auch provokativen Verhaltensweisen mit aggressiver Unterstützung stetig voran, verfeinern die Methodik und bedienen sich auch ausgiebig der Verbalebene. Da sind dann über kurz oder lang wüste Beschimpfungen der Eltern wie der Erzieher und anderer Autoritätspersonen an der Tagesordnung. Aber pathologische Entwicklungen sind nicht unser Thema. Wie damit umgehen? Die Erklärung liefert die Empfehlungen, eine gesunde Entwicklung vorausgesetzt. Am besten bleibt man gelassen und ruhig. Die Beschimpfung ist mehr ein Versuch auf die Wirkung als ein Ausdruck tatsächlicher Unliebe. Haß ist es ohnehin nicht. Da allerdings die gesellschaftlichen Konventionen, die das Kind ja noch nicht kennt und erst lernen muß, schnell gesprengt werden, muß man seinem Kind auch schon mal über den Mund fahren, wie man im Deutschen sagt. Also ein klar formuliertes zurückschimpfen ist angebracht, und man kann dem Kind entgegenhalten, daß es selbst diesen Ton verursacht hat (Kritik üben). Die frühesten und grundlegendsten Konventionen sind die in einer Familie. Die ersten Konditionalvorstellungen sind jetzt im Rahmen der Kausalitätsvorstellung (Typische Frage: Warum ist etwas so?) möglich, will heißen, daß das Kind langsam versteht, wenn man sagt: Wenn du das und das tust oder sagst, dann passiert das und das. Also jetzt kann man langsam eben auf die Entscheidungsfähigkeit des Kindes abheben, nämlich sich gehen zu lassen oder sich Einhalt zu gebieten. Das ist sehr wichtig, daß man das seinem Kind an solchen Dingen klar macht, viel wichtiger als grob und letztlich für das Kind uneinsichtig Grenzen zu setzen. Passiert doch laufend folgendes: Seinem Kind verbietet man etwas Bestimmtes zu tun oder zu sagen und in einem unbedachten Moment tut man oder sagt man es selbst, z.B. beim Fluchen. Was heißt dann für das Kind hier Grenze? Nur, was Jupiter darf, darf der Ochse noch lange nicht!? Das ist sicher zu wenig und kein Kind wird es verständig annehmen. Viele Grüße
Mitglied inaktiv
Hallo Hanna, ich weiß nur ein wirksames Gegenmittel gegen "du bist blöd". Wenn meine Tochter so etwas sagt (kommt mittlerweile immer seltener *g*) vor, antworte ich ihr, dass blöde Mamas nicht mit den Kindern spielen können, nicht auf den Spielplatz gehen können und überhaupt gar keine Sachen machen können, die Kinder gerne haben. Bei meiner Tochter wirkt das dann so, daß sie sofort einsieht und auch sagt, daß Mama doch nicht blöd ist :-))) Liebe Grüsse Gabriele