Christiane Schuster

Was kann ich tun, damit ich für mein Kind wieder die Hauptbezugsperson bin?

Antwort von Christiane Schuster

Frage:

Ich habe eine neun Monate alte Tochter, die ich - Gott sei Dank - mittlerweile über alles liebe. Sie war ein absolutes Wunschkind. Mit einer postnatalen Depression habe ich überhaupt nicht gerechnet. Unsere Kleine ist eine super Schläferin, ging jedoch von Anfang an erst um ca. 23.00 Uhr ins Bett, von ca. 20.00 bis 23.00 Uhr hatte sie ihre aktive Wachphase und war die ersten drei Monate quengelig. Meine Mutter war schon davor meine beste Freundin und sie hat mir in der ersten Zeit enorm geholfen. Ich konnte keine Liebe für mein Kind empfinden und sie war - wie schon vor ihrer Geburt - sehr oft bei uns (mein Mann liebt sie wie eine eigene Mutter) und hat sich rührend um die Kleine gekümmert. Da ich nach etwa zwei Monaten eine Gesprächstherapie anfing, ging es mir bald viel besser. Meine Mutter ist nach wie vor etwa fünf Abende pro Woche bei mir (mein Mann arbeitet spät) und eigentlich könnte alles wunderbar sein. Seit die Kleine sechs Monate alt ist, arbeite ich wieder und 1 Tag in der Woche kümmert sich meine Mutter um meine Tochter. Sie macht auch alles so, wie ich es mir von ihr wünsche. Nun ist mein Problem, dass ich unseren Sonnenschein so sehr liebe und mich an den vier Tagen pro Woche, in welchen ich zu Hause bin, sehr um die Kleine kümmere und viel mit ihr unternehme. An diesen Tagen sieht sie meine Mutter oft, jedoch nur abends. In den letzten Wochen konnte ich mehr und mehr feststellen, dass meine Kleine fast nur auf meine Mutter reagiert, wenn sie da ist. Ich bin mehr oder weniger abgeschrieben, ausser es geht ums Trinken (ich stille noch zwei Mal täglich, bzw. pumpe ab). Wenn die Kleine bei mir ist, streckt sie ihre Ärmchen nach meiner Mutter aus und weint, weil sie zu ihr möchte. Mir tut das enorm weh und ich bin mittleweile in einem richtigen Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit meiner Tochter... Das ist so anstrengend und erfolglos und ich weiss einfach nicht weiter. Ich möchte meine Mutter gerne weiterhin oft sehen und ich merke auch, dass sie ein schlechtes Gewissen hat, weil sie bermerkt, wie sehr meine Tochter auf sie reagiert. Auch an den Tagen, an welchen ich arbeite. Es ist für mich einfach so schlimm, zu merken, dass meine Tochter meine Mutter mehr liebt als mich, obwohl ich doch viel öfters da bin, als sie. Aus diesem Grund graut mir auch schon vor dem Abstillen, weil dies irgendwie das einzige ist, was mich von allen anderen Personen unterscheidet. Die Kleine verweigert bis anhin auch das Schoppenpulver.
Ich habe einen Riesenext geschrieben und wahrscheinlich auch ziemlich wirr, aber ich musste mir jetzt mal alles von der Seele schreiben und bitte Sie um Rat.
Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Hilfe!

von Cleo12 am 07.02.2013, 21:55 Uhr

 

Antwort auf:

Was kann ich tun, damit ich für mein Kind wieder die Hauptbezugsperson bin?

Hallo Cleo12
Ist Ihre Mutte gemeinsam mit Ihnen in der Nähe Ihrer Tochter, ist die Anwesenheit der Oma etwas Besonderes, während Sie selbstverständlich da sind. Und: Wer liebt nicht das Besondere das zusätzlich auch noch sehr vertraut ist?-

Sie können ganz gewiß sein dass Sie IMMER für Ihre Tochter die geliebte Mama und vertrauteste Bezugsperson sind und bleiben, während Oma ähnlich wie Papa zweit- oder sogar drittrangige Bezugspersonen sind.

Macht es Sie aber traurig dass Ihre Tochter mit ihren Bedürfnissen zu Ihrer Mutter geht obwohl Sie ja viel häufiger mit der Kleinen zusammen sind organisieren Sie auch mal Zeit nur für sich selbst, aber bitten Sie Ihre Mutter sich so gut es geht zurückzuhalten, wenn Sie zu Dritt im Raum sind.
Je älter Ihre Tochter wird umso besser wird es gelingen. :-)

Kopf hoch, liebe Grüße und: bis bald?

von Christiane Schuster am 08.02.2013

Antwort:

Hauptbezugsperson

Huhu,

meist ist die Zeit, die ein Kind mit einer Betreuungsperson verbringt, entscheidend dafür, wer die Hauptbezugsperson ist. Da Deine Mutter (dankenswerterweise) monatelang sehr viel Zeit mit Deiner Kleinen verbracht hat, ist sie natürlich momentan die wichtigste Bezugsperson. Das wird sich sicher auch wieder verlagern, aber nicht auf die Schnelle. Deine Tochter muss Dich erst wieder als zuverlässig, anwesend und die meiste Zeit für sie zuständig erleben.

Wichtig fände ich aber zum Beispiel, dass Deine Mutter Deine Tochter nicht tröstet, wenn Du zugleich auch anwesend bist. Streckt die Kleine ihre Ärmchen nach der Oma aus, könnte diese beiläufig das Zimmer verlassen, oder Du gehst in ein anderes Zimmer und lenkst Deine Tochter ab, tröstest sie usw. Dabei musst Du es vermutlich auch aushalten, dass sie einige Augenblicke weint. Denn die Situation, dass Du und nicht die Oma sie tröstet, ist natürlich zuerst einmal wieder neu und ungewohnt - und damit auch unbequem fürs Kind, weshalb da zuerst mal Protest kommt.

Ich persönlich würde darauf vertrauen, dass Du langsam und im Laufe der Monate wieder die wichtigste Bezugsperson wirst. Du wirst Deiner Tochter aber dafür sicher Zeit geben müssen.

Vor allem aber würde ich die Oma nicht als Konkurrenz sehen. Bedenke doch, wie unnatürlich unsere moderne Kleinstfamilie ist: Mama und Kind fast den ganzen Tag allein zu Haus und ziemlich aufeinander fixiert. Das ist so von der Natur gar nicht gedacht. In vielen Kulturen sind alle im Haushalt lebenden Frauen (Schwestern der Mutter, des Vaters, Großmütter, Tanten, erwachsene Töchter usw.) plus die Nachbarinnen für die Kinder zuständig. Dort wechseln die Kinder von Frau zu Frau, von Haus zu Haus und jeder, der gerade anwesend ist, fühlt sich für die Kinder zuständig. Niemand käme auf die Idee, deshalb eifersüchtig zu sein oder zu denken, aber es ist doch schließlich MEIN Kind.

Auch Entwicklungspsychologen betonen ja, dass Kinder möglichst mehrere enge Bezugspersonen haben sollten, nicht nur Mama und Papa. Das ist für sie eine große Bereicherung. Wenn Du Dich also fragst, was nicht für Dich, sondern für Dein Kind das Beste ist: für Deine Tochter ist es absolut Klasse, gleich zwei liebe Frauen als Hauptbezugspersonen zu haben! Meine eigene Mutter wohnt weit weg, und ich muss sagen, ich hätte es sehr gern, dass eine viel engere Beziehung zu meinen Kindern hat, als dies möglich ist. Ich bin auch nicht eifersüchtig, dass ich oft erstmal abgemeldet bin, wenn die Oma da ist oder die Kinder bei ihr sind.

LG

von Hexhex am 08.02.2013

Antwort auf:

Was kann ich tun, damit ich für mein Kind wieder die Hauptbezugsperson bin?

Vielen Dank für Ihre Antworten! Zur ersteren Antwort möchte ich noch anmerken, dass meine Mutter nur an einem Arbeitstag auf die Kleine alleine aufpasst, ansonsten bin ich in der Regel auch immer anwesend. Dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen, habe ich auch schon öfters gehört. Nichtsdestotrotz hat mir Ihre Antwort, Dr. Schuster, geholfen. Vielen Dank.

von Cleo12 am 08.02.2013

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