Sylvia Ubbens

Verhaltensauffälligkeiten rückgängig machen

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo.

Es ist mir wirklich unangenehm das hier zu schreiben, aber ich bin wirklich verzweifelt.
Mein Mann und ich haben komplett unterschiedliche erziehungsstile. Er ist sehr autoritär erzogen worden und will das quasi so weiterführen, obwohl er weiß, dass einiges nicht richtig war. Er will einfach das die Kinder immer hören, alles sofort erledigen wenn er was beauftragt und wenn das Kind weint (wenn er keinen Grund sieht - phsychisch) dann wird er aggressiv und hat auch schon mal gekniffen, geschubst, am Arm gepackt und ins Kinderzimmer gepackt. Ich sehe das anders. Ich denke Kinder müssen nicht immer hören, sie sind ja keine Roboter. Wenn im groben und ganzen alles funktioniert. Genauso wenn irgendwas blöd war, tröste ich sie trotzdem wenn sie weint. Unsere Tochter ist 3,5 und die andere fast 1 Jahr. Es geht um die ältere. Mein Mann und ich streiten uns leider fast täglich, oft schwebt über eine Woche der Streit so mit. Dann ist paar Tage Ruhe und dann wieder. Leider bekommen die Kinder das immer mit, weil wir so richtig dumm und unreif streiten. Es geht hauptsächlich darum, dass er zu grob zu der großen ist und er ist der Meinung ich habe sie gestört gemacht, weil sie „alles“ darf. Sie ist schon immer ein sehr sensibler und lauter Mensch. Sie war schon immer sehr anhänglich an mir. Wir hatten nach der Geburt der kleinen Schwester eine Weile mit eingehaltenen Stuhl zu kämpfen. Gott sei dank ist das vorbei. Und jetzt haben wir seit paar Tagen das Problem, dass sie nicht mehr ohne mich irgendwo sein will. Kita Eingewöhnung klappte vor corona ganz gut, musste dann unterbrochen werden. Jetzt klappt es gar nicht mehr. Sie kann nicht ohne mich. Lasst sich nicht beruhigen. Sagt sie vermisst mich sonst. Genauso wenn sie mit Papa rausgehen soll (Spielplatz, zu ihrer Freundin, Fahrrad fahren), was sie sonst immer gemacht hat. Will sie jetzt nicht mehr. Sie fängt dann an zu weinen, sagt sie vermisst mich und ich solle mitkommen. Ich konnte vorhin nicht mit, dann ist der Papa alleine los, weil sie nicht mit wollte. Sie hat aber noch sooo doll geweint. Sie will quasi lieber zu Hause vergammeln. Ich habe auch echt wenig Zeit für sie weil die zweite auch sehr anstrengend und zeitintensiv ist. Und oft guckt sie dann auch mal eine ganze Weile tv. Auch wenn ich die kleine ins Bett bringen he weint sie oft weil ich bei ihr sein soll. Nachts Schläft sie quasi auf mit. Kann man das problem bzw. die Verhaltensauffälligkeiten wieder regulieren, wenn wir Eltern mal an einem Strang ziehen und liebevoller miteinander umgehen? Ich möchte dass es ihr wieder gut geht!
Vielen Dank für ihre Zeit!

von Mrs.B. am 08.09.2020, 17:53 Uhr

 

Antwort auf:

Verhaltensauffälligkeiten rückgängig machen

Liebe Mrs.B.,

Ihre Tochter ist womöglich aufgrund der gesamten familiären Atmosphäre verunsichert. Zudem kommt sicherlich auch ein wenig Eifersucht auf die kleine Schwester, da diese altersbedingt mehr Aufmerksamkeit braucht.

Verbringen Sie Zeiten alleine mit Ihrer großen Tochter. Der Papa darf sich gerne nach Feierabend und am Wochenende zeitweise alleine um die jüngere Tochter kümmern. Zeigen Sie Ihrer Großen auf diese Weise, dass Sie für sie da sind, auch wenn sie stundenweise getrennt sind (Kindergarten).

Grundsätzlich wäre für die Kinder natürlich ein harmonischerer Umgang wünschenswert. Dazu müssen beide Elternteile nicht unbedingt an einem Strang ziehen, sehr wohl aber sollten nicht regelmäßig Streitigkeiten in der Luft liegen. Ich kann Ihnen nur empfehlen, eine Familienberatungsstelle aufzusuchen. Städte und Landkreise bieten Beratungen i.d.R. kostenlos an.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 09.09.2020

Antwort auf:

Verhaltensauffälligkeiten rückgängig machen

Euer Kind zeigt doch keine Verhaltensauffälligkeiten.
Du beschreibst letztendlich 2 Probleme:
1. Stuhl einhalten nach der Geburt der Schwester
2. Probleme mit der Kita bzw. ohne dich irgendwo hin gehen zu wollen

Beides sind keine Verhaltensauffälligkeiten. Das Stuhl-Problem hat sich ja auch wieder gelöst.
Das Kinder immer wieder Phasen haben, in denen sie nicht in die Kita wollen, ist auch eher normal. Und nach Corona kommt das noch häufiger vor. Die Zeit ist eben verwirrend für viele Kinder bzw. warum sollte sie, nachdem sie monatelang zu Hause bleiben konnte, jetzt plötzlich wieder gehen? So denken Kinder :-) Ganz ohne Verhaltensauffälligkeiten.

Davon losgelöst ist euer Problem mit verschiedenen Erziehungsstilen als Eltern - die den Unwillen, ohne dich irgendwo hin gehen zu wollen, verstärken können, aber nicht zwangsläufig der Auslöser sind. Die kleine Schwester ist nun fast 1. Wird viel mobiler, benötigt deine Aufmerksamkeit, damit sie zB nicht an die Steckdose geht, auf den Tisch klettert usw. Da werden viele Geschwister nochmal eifersüchtig und suchen die Nähe bzw. Aufmerksamkeit der Mutter als Hauptbezugsperson.

Natürlich wäre es besser, ihr zieht an einem Strang als Eltern. Das heißt aber nicht, dass ihr alles genau gleich machen müsst. Der Papa darf ruhig auch andere Anforderungen stellen als du, Dinge anders machen (ob lockerer oder strenger oder einfach ganz anders an Dinge herangehen).
Das Problem ist meistens, das die Eltern sich dann nicht mal zusammen setzen und versuchen, bei Grundsatzfragen eine gleiche Linie zu entwickeln - sondern jeder auf seinem Standpunkt beharrt und so die Fronten immer weiter verhärten. Und alles, was gerade mal nicht gut klappt mit Kind, für jeden dann ein Beweis ist, das der andere es eben nicht richtig macht.

Dein Mann wirft dir vor, euer Kind "gestört zu machen" (finde ich daneben) - und du suchst hier Bestätigung dafür, dass dein Mann viel zu hart ist und die Kleine deswegen so an dir hängt.

Setzt euch zusammen. Redet darüber, wie ihr euch Erziehung vorstellt, welche Dinge euch beiden wichtig sind, wie ihr damit zusammen! besser umgehen könntet.
Es wird nichts bringen, wenn Frau Ubbens dir nun irgendetwas antwortet, was du dann deinem Mann mehr oder weniger unter die Nase reiben kannst nach dem Motto "siehts du, auch die Expertin sagt, dass wir an einem Strang ziehen sollten - also mach das bitte, wie ich es für richtig halte" oder "auch Frau x sagt, man sollte das so und so machen - hab ich doch gesagt".
Genau so wenig wie es etwas bringt, dass dein Mann sich auf den Standpunkt stellt, du würdest für irgendetwas verantwortlich sein.

Besser machen könnt ihr es nur zusammen - dazu muss jeder von euch aber auch akzeptieren, dass der Partner nicht alles so machen kann und will wie man selber es für richtig hält.

von cube am 09.09.2020

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