Sylvia Ubbens

Kind spricht nur mit engster Familie

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Unser 3,5-jähriger Sohn spricht zu Hause und mit den Großeltern wie ein Wasserfall, mit ein bis zwei Erzieherinnern in der Kita zögerlich im Flüsterton und ansonsten mit niemandem – nicht mal den Kindern in der Kita oder Verwandten und Bekannten, die wir regelmäßig treffen. Auch nicht non-verbal, also wenn er angesprochen wird, wird er ganz starr und blickt verängstigt nach unten. Generell ist er sehr ängstlich und anhänglich unter Menschen, wovon zu Haue nichts mehr zu spüren ist. Hier ist er fröhlich und scheint alles nachholen zu wollen, was ihm in der Kita nicht möglich war: er redet sehr viel, drängt nach Aufmerksamkeit, ist wissbegierig und lässt alle Emotionen (positiv wie negativ) extrem raus.

Die Eingewöhnung in die Kita vor 2 Jahren verlief aufgrund starker Trennungsangst schleppend, hinzu kam ein häufiger Wechsel der Bezugserzieherinnen. Erst nach 9 Monaten fing er an, sich einer Erzieherin zu öffnen, jedoch nur in der 1:1-Betreuung. Bis heute ist er dort sehr gehemmt und vermeidet z.B. den Toilettengang. Da jetzt der Wechsel von der Krippe in eine andere Kita, wo er niemanden kennt, bevor steht, habe ich den Kinderarzt zu Rate gezogen. Dieser vermutet einen selektiven Mutismus, möchte dies jedoch genauer vom SPZ abgeklärt haben. Da wir noch eine Weile auf den Termin warten müssen und ich mir Sorgen mache, dass er in der neuen Kita untergeht, wäre meine Frage, was wir machen können, um ihm den Einstieg und die Eingewöhnung zu erleichtern. Ich werde auf jeden Fall versuchen, so lange dabei bleiben zu können bis er zumindest non-verbal mit seiner Bezugserzieherin kommuniziert.

von Sunflower79 am 11.11.2019, 09:14 Uhr

 

Antwort auf:

Kind spricht nur mit engster Familie

Liebe Sunflower79,

wie meine Vorrednerin schon geraten hat, sollten Sie offen mit den Erziehern des Kindergartens sprechen. Ansonsten behalten Sie alles so bei wie bisher und nehmen sich, wie geplant, die erforderliche Zeit bei der Eingewöhnung. Sie werden nichts Förderliches für Ihren Sohn tun können, außer Geduld zu haben und abzuwarten, was das SPZ empfiehlt.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 11.11.2019

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Kind spricht nur mit engster Familie

ich würde auch sagen, das ist selektiver Mutismus.
Dein Plan, dabei zu bleiben, ist schon mal gut. Ich würde das mit dem Kiga aber auch vorab genau besprechen. Nicht jeder KiGa möchte Eltern über eine bestimmte Dauer vor Ort haben und daher: vorher klären.
Und eben auch erklären, das selektiver Mutismus vermutet wird. Bis das abschließend geklärt ist und eine mögliche Förderung/Therapie vorgeschlafen wird, würde ich ihn nicht drängen, dass er endlich sprechen muss. Und auch das solltest du eben mit dem neuen KiGa besprechen.
Druck wird bei einem schüchternen, ängstlichen Kind, das genau aus den Gründen nicht mit "Fremden" spricht, nur für noch mehr Angst/Druck sorgen und wäre eher kontraproduktiv.
Ich würde im SPZ nicht nur den vermuteten Mutismus ansprechen, sondern die starken, ihn hemmenden Ängste vor allem Ungewohnten/Neuen, ist aber gleichzeitig offenbar sehr impulsiv/emotional. Er scheint ja auch jetzt noch sehr gehemmt im KiGa zu sein und das nach 2 Jahren. Möglicherweise steckt eben doch grundsätzlich etwas anderes dahinter, zB eine Wahrnehmungsstörung. (Störung hört sich immer so hart an - er ist natürlich nicht gestört! So nennt sich das einfach). Also das er zB einfach alles anders/stärker wahrnimmt und deswegen Ängste entwickelt, die dann wiederum zum selektiven Mutismus führen.
Ich wundere mich ehrlich gesagt ein wenig, dass nicht schon früher mal zumindest vom KiA zu einer Vorstellung im SPZ geraten wurden, da diese Ängste/Gehemmtheit und die Angst vor Gesprächen/Kontakt zu neuen Personen ja wohl schon länger besteht und er seit 2 Jahren gar nicht, non-verbal oder nur geflüstert mit ihm inzwischen doch gut bekannten Erzieherinnen kommuniziert.

von cube am 11.11.2019

Antwort auf:

Kind spricht nur mit engster Familie

Liebe Cube,

danke, dass du dir Zeit genommen hast für unser Problem :-) Ich werde deine Tipps auf jeden Fall umsetzen.
Der KiA hat sich immer mit der vorbildlichen, von uns berichteten, Sprachentwicklung zufrieden gegeben und meinte, das Nicht-Sprechen mit "Fremden" wird erst in Richtung Schulzeit behandlungsbedürftig. Die Erzieherinnen haben sich an den kleinen Fortschritten, wenn er gelacht, getanzt, beim Morgenkreis mitgemacht hat, erfreut. Und ich selbst dachte, er ist einfach sehr schüchtern und der Knoten platzt schon noch. Ist aber leider nicht passiert und ich merke wie er jetzt unter dem Nicht-Sprechen-Können leidet. Er hat mit uns zusammen so Spaß am zusammen Spielen, Kommunizieren, Singen, Turnen, Klettern und "spielt" sehr gerne mit anderen Kindern mit mir zusammen als Dolmetscher/Vermittler.
Zu Hause haben wir mit den starken (positiven und negativen) Emotionenen zu kämpfen, die sich nach der Kita bei uns "entladen". Dort kann er sie kaum zeigen, z.B. wenn er sich weh getan hat, versucht er sein Weinen zu unterdrücken oder versteckt es. Als wäre er dort auf Stand-by und schon sind wir um die Ecke geht es los mit Hüpfen vor Freude, Fragen stellen, erzählen.... Und wenn irgendwas nicht nach seinen Vorstellungen verläuft, wird geschrien wie am Spieß.

von Sunflower79 am 11.11.2019

Antwort auf:

Kind spricht nur mit engster Familie

Ok, er ist ja erst 3 und somit stimmt ´s schon - man muss auch nicht sofort mit allen möglichen Therapieen, Diagnosen etc kommen und sollte jedem Kind auch erst mal ein bisschen Zeit lassen sich in seinem Tempo zu entwicklen.
"Erst in Richtung Schule ein Problem" fände ich aber deutlich zu spät! Denn eine Therapie braucht ja nun auch Zeit.
Gut finde ich aber dennoch, dass der KiGa kleine Fortschritte gesehen hat und auch entsprechend honoriert. Das ist wirklich toll und nicht unbedingt selbstverständlich bei der teilweise Überlastung der Erzieherinnen.
Definitiv sollte es aber jetzt in Angriff genommen werden. Ich könnte mit nämlich auch vorstellen, dass sein Frust über sein emotionales Unvermögen, mit allen kommunizieren zu können auch zu den großen emotionalen Ausbrüchen führt. Und zwar eben dann, wenn er mit menschen zusammen ist, denen er sich mitteilen kann.
Ich bin gespannt, was Frau Ubbens noch an Tipps hat und wünsche euch auf jeden Fall alles Gute und einen hoffentlich schönen Start in den neuen Abschnitt "KiGa-Kind"!

von cube am 11.11.2019

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