Die häufigsten Irrtümer

Schwangere mit Laptop

© fotolia, zinkevych

Eltern, die ein Baby erwarten, werden im Laufe der Schwangerschaft mit dem Thema "Stammzellen aus der Nabelschnur" konfrontiert sein. 

Damit verbunden sind häufig ungenaue Informationen und vages Wissen. Um zu informieren, haben wir hier weit verbreitete Irrtümer über das Thema zusammengefasst.

Stammzelltherapien werden nur bei Kindern angewendet.

Ein Irrtum. Stammzelltherapien werden auch bei Erwachsenen angewendet. Dieses Vorurteil entsteht wahrscheinlich dadurch, dass die Stammzellentherapie, die leukämiekranke Kinder bekommen, wohl die bislang bekannteste Anwendung ist. Tatsache ist, dass zur Behandlung von Blutkrankheiten, von Immunkrankheiten oder zur Wiederherstellung des Blutsystems nach Krebstherapien besonders häufig Blutstammzellen zum Einsatz kommen. In Europa werden jährlich über 26.000 Patienten mit Blutstammzellen behandelt.

Stammzellen werden nur bei Blutkrebs angewendet

Besonders bei Krankheiten, bei denen nur ein Zelltyp geschädigt ist, sind die Erwartungen groß, dass in naher Zukunft Stammzellen eine bedeutende Rolle bei der Therapie spielen werden. Krankheiten wie bei Herzschwäche, Diabetes Typ I, Querschnittslähmung, Leberschäden oder Schäden der Netzhaut und der Hornhaut am Auge fallen darunter. Sogar für Parkinson könnte eine Stammzelltherapie eine vielversprechende Option sein. Auch bei frühkindlichen Hirnschäden, die z. B. durch eine Sauerstoffunterversorgung im Hirn vorkommen können, werden Stammzellen bereits mit vielversprechenden Ergebnissen eingesetzt.

Klinische Studien weltweit untersuchen die Eignung von Nabelschnurblut als neue Therapiemöglichkeit beispielsweise bei frühkindlichen Hirnschäden, Herzfehlern, Diabetes, Schlaganfall, Autismus oder verschiedenen Krebserkrankungen. Der Nachweis von Behandlungserfolgen ist jedoch bis zum Ablauf der Studien auf einzelne Heilversuche beschränkt. Einige dieser Versuche wurden aufgrund des besonderen Erfolgs in medizinischen Fachzeitschriften publiziert.

Stammzellen sind nicht für die eigene Anwendung geeignet.

Richtig ist, dass bei Krebserkrankungen des Blutes und des Knochenmarks fremde Stammzellen bevorzugt verwendet werden, da das Risiko besteht, dass die eigenen Zellen den Gendefekt bereits in sich tragen und erneut Krebs auslösen könnten. Das fremde Immunsystem des Spenders kann im Körper eventuell verbliebene Krebszellen außerdem zusätzlich bekämpfen. Diesen Effekt körperfremder Stammzellen macht man sich bei der Leukämietherapie zu Nutze. Wenn man keinen Spender findet, kann man aber die körpereigenen Stammzellen daraufhin testen, ob der Gendefekt wirklich bereits enthalten ist und ggf. diese körpereigenen Stammzellen nutzen.

Es gibt schon heute weitere Anwendungsgebiete, bei denen eigene Stammzellen z. B. aus dem Fettgewebe gewonnen werden und danach dem Patienten ins Kniegelenk gespritzt werden. Dort sollen die Stammzellen den Knorpel wieder aufbauen. Doch in Zukunft wird es besonders auf dem Gebiet der Regenerativen Medizin, wie z. B. bei der Therapie von Hirnschäden oder Herzerkrankungen, neue Anwendungsbereiche geben, in denen es von Vorteil ist, eigene Stammzellen zu verwenden, da hier kein Abstoßungsrisiko bei Transplantationen von z. B. gezüchtetem Gewebe oder sogar Organen besteht.

Man kann das Nabelschnurblut öffentlichen Banken spenden und erhält es später im Bedarfsfall zurück.

Das stimmt definitiv nicht. Wer das Nabelschnurblut seines Babys spendet, überlässt das Blut kostenlos einer öffentlichen Stammzellbank. Dadurch verliert man seinen persönlichen Anspruch auf das Blut. Ein späterer Zugriff auf das Nabelschnurblut seines Kindes ist somit nicht mehr möglich. In öffentlichen Banken wird das Blut eingelagert oder zu Forschungszwecken verwendet. Was die Spender meist nicht wissen: Öffentliche Stammzellbanken bewahren 80 bis 90 Prozent aller Nabelschnurblutspenden nicht auf, sondern entsorgen sie.

Stammzellen kann man bei Bedarf auch aus dem Knochenmark gewinnen.

Es ist richtig, dass sich aus dem Knochenmark von Erwachsenen und auch aus anderen Geweben, wie z. B. dem Fettgewebe Stammzellen gewinnen lassen. Heute werden Stammzellen häufig nach einer Mobilisierung über eine Art Blutspende gewonnen, weil dies für den Spender schonender ist.

Stammzellen aus Nabelschnurblut haben gegenüber Stammzellen aus dem Knochenmark oder dem Fettgewebe große Vorteile: Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sind sehr jung, teilungsfreudiger und in der Regel virenfrei. Sie werden von fremden Empfängern außerdem besser vertragen und zeigen im Falle der Fremdanwendung eine geringere Abstoßungsreaktion.

Ein Erkrankter, der Stammzellen benötigt, ist darauf angewiesen, einen passenden Spender zu finden. Doch das ist ein Glücksfall. Denn die Wahrscheinlichkeit, seinen "genetischen Zwilling" zu finden, der die passenden Stammzellen trägt, liegt bei etwa 1 zu 1 000 000. Wer hingegen eigene Stammzellen zur Gesundheitsvorsorge eingelagert hat, muss nicht auf einen Spender hoffen, sondern kann im Bedarfsfall sofort darauf zurückgreifen.

Nabelschnurblut kann nur kurzfristig aufgehoben werden.

Stammzellen sind ein kostbares und empfindliches Gut. Wenn sie jedoch richtig behandelt werden, kann man sie sehr lange aufbewahren. Nach der Abnahme des Nabelschnurbluts wird der Blutbeutel sofort in eine temperaturgepufferte Box gelegt und per Kurier ins Labor der Stammzellbank gebracht. Dort werden die Stammzellen aufbereitet und fachgerecht eingelagert, damit sie unbeschadet die kommenden Jahre und Jahrzehnte im Kälteschlaf überdauern. Forscher konnten zeigen, dass Stammzellen, selbst nach mehreren Jahrzehnten im Kälteschlaf, ihre besonderen Fähigkeiten nicht verlieren.

Nabelschnurblut einlagern ist teuer und bringt dem Kind nichts.

Wer das Nabelschnurblut seines Kindes einlagern lässt, muss mit Kosten ab ca. 20 Euro pro Monat rechnen. Ferner berechnen die meisten Unternehmen eine Jahresgebühr. Über den langen Zeitraum, den man das Blut einlagert, summieren sich die Kosten auf mehrere Tausend Euro.

Durch den medizinischen Fortschritt besteht jedoch die Hoffnung, dass Krankheiten wie Hirnschäden, Herzschwäche, Diabetes Typ 1, Augenerkrankungen, Leberschäden, Parkinson und sogar Querschnittslähmung eines Tages über eine Stammzellentherapie behandelt werden können.

Zuletzt überarbeitet: Januar 2019

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