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Augenprophylaxe

Neugeborene wurden im Rahmen der U1 bis in die 90er Jahre standardmäßig mit desinfizierenden Augentropfen behandelt, die eine Infektion mit Gonokokken vorbeugen sollten.

Gonokokken sind Krankheitserreger, die eine Gonorrhoe verursachen, eine weit verbreitete Geschlechtskrankheit, die umgangssprachlich auch „Tripper“ genannt wird. Eine infizierte Mutter kann bei einer vaginalen Geburt ihr Neugeborenes mit diesen Keimen anstecken. Ist das Baby mit Gonokokken infiziert, so besteht die Möglichkeit, dass es an einer gonorrhoischen Augeninfektion (Gonoblennorrhoe) erkrankt. Diese eitrige Bindehautentzündung kann eine Erblindung des Kindes zur Folge haben.

Augenprophylaxe nach Credé


Bereits 1881 wurde diese Form der Neugeborenen-Prophylaxe durch den deutschen Gynäkologen Carl Siegmund Franz Credé eingeführt und nach ihm benannt. Ursprünglich wurde den Babys eine einprozentige Silbernitratlösung in die Augen geträufelt. Diese wirkt desinfizierend, brennt jedoch stark und reizt die Augen der Neugeborenen. Heute verwendete man eine besser verträgliche Polyvidon-Iod-Lösung oder antibiotikahaltige Augentropfen.

Der Anteil an Gonokokken-infizierten Schwangeren ist mittlerweile sehr gering. Deshalb wird die Prophylaxe nur noch in Verdachtsfällen durchgeführt oder ganz auf die Augenprophylaxe verzichtet. Eltern müssen heute ausdrücklich ihr Einverständnis für die Maßnahme geben. Weil die Credé-Augenprophylaxe jedoch hochwirksam ist, befürworten Augenärzte nach wie vor die Behandlung der Neugeborenen mit den desinfizierenden Augentropfen.


von Dagmar Fritz
 
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