Rund ums Kleinkind - Forum

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Geschrieben von Banu28 am 22.02.2021, 14:38 Uhr

Training

Hallo,

meine Tochter war auch so scheu und zurückhaltend gegenüber anderen Kindern. Sie ging sogar weg, wenn ein Kind sie ansprach, und klebte sehr an mir.

Das Einzige, was bei uns half, war Routine, heißt: ein möglichst täglicher Kontakt mit anderen Kindern. Durch nichts lernen kleine Kinder ein entkrampftes Sozialverhalten. Vielleicht trefft Ihr Euch trotz allem noch zu selten mit anderen, was zu Coronazeiten ja auch normal ist.
Aber sobald es wieder geht, solltet Ihr richtig durchstarten, ich habe das damals auch gemacht: zweimal die Woche eine Spiel- und Turngruppe (zwei unterschiedliche gebucht), einmal die Woche eine Freundin mit Kind zu Besuch, einmal auf den Spielplatz, dann wieder einfach alte Freundinnen von mir besucht (teils Mütter, teils kinderlos, egal, Hauptsache soziale Kontakte).

Man kann einem ängstlichen Kind dagegen durch noch so viel Reden und Erklären und Ermutigen die Angst nicht nehmen, nicht mal ein Fitzelchen davon. Das Einzige, was ihm hilft, sind Übung, Training und Routine im Umgang mit anderen. Die Kontakte mit anderen Kindern auch nachmittags sind wichtig, weil das Sozialverhalten viel intensiver gefordert und gefördert wird, wenn man zu zweit ist und nicht in der großen Kiga-Gruppe.

Dasselbe gilt für die Motorik: nicht reden, nicht ermutigen, nicht erklären, sondern üben: Jeden Tag in den Wald gehen, über Wiesen laufen (im Frühjahr und Sommer auch barfuß), auf liegenden Baumstämmen balancieren, Männchen aus Steinen miteinander bauen, kleine Staudämme im Bach konstruieren - Natur pur und am besten jeden Tag bei jedem Wetter und stundenlang. Denn auch hier gilt: Nur ständiger Kontakt mit der Natur und dem eigenen Körper gibt Sicherheit und Routine sowie ein gutes, verlässliches Körpergefühl.

Dabei ist wichtig, als Mutter nicht etepetete zu sein, also nicht ständig vor Gefahren, vor Dreck und Schmutz zu warnen. Kinder müssen klettern dürfen, an Pfützen matschen, Matschkegel aus Schlammtropfen bauen, nass und schmutzig werden dürfen. So spüren sie sich.

Es hilft also nur Training bei allen Skills, die Du Dir für Deinen Sohn wünschst. Und Akzeptanz. Nur wenn er spürt, dass Du ihn wunderbar findest, genau so wie er ist, wird er sich von dieser sicheren Basis aus auch weiter hinaus in die Welt wagen. Fordere ihn also nicht ständig auf, sich mehr zu trauen, denn dann lautet die Botschaft: „So wie du bist, gefällst du mir nicht. Ich wünsche mir, dass du anders bist.“ Und das macht ein ängstliches Kind noch selbstunsicherer.

Ich habe meiner Tochter immer gesagt, dass es okay ist, wenn sie nicht mitmacht. Ich habe zu anderen Müttern und auch zu Erzieherinnen gesagt: „Sie möchte im Moment lieber schauen. Vielleicht macht sie später mit, das weiß sie noch nicht.“ So hat meine Tochter gehört, dass ich sie normal und prima finde. Heute ist sie erwachsen und ausgesprochen selbstbewusst und fröhlich. Weißt Du, Kinder entwickeln sich so stark, man kann sich das nicht vorstellen, wenn sie klein sind. Man sieht sie als Mutter oft viel zu statisch. Hab Geduld, es wird alles kommen, Du wirst sehen.

LG

 
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