Hebamme Martina Höfel

Hebamme

Martina Höfel

   

 

Bin ich eine Glucke?

Liebe Frau Höfel,

mein Sohn ist jetzt fast 25 Wochen alt ein so genanntes High Need Baby. Er hatte viele Baustellen, Kiss, Reflux usw.
Heute geht es ihm gut, er ist sehr gut entwickelt.
Er braucht aber nach wie vor sehr viel Nähe, ich gebe sie ihm gerne und trage ihn eig fast den ganzen Tag im Tuch. Er ist dann sehr zufrieden.
Er ist vollgestillt und zeigt auch noch kein Interesse an fester Kost, wird noch alles verweigert.
Er nimmt aber weiterhin gut zu, hat allerdings einen Eisenmangel, gegen den er jetzt Tropfen bekommt.

Nun ist es so das meine Mutter jetzt anfängt ein ziemliches Theater zu machen. Sie sagt ich verwöhne ihm mit dem Rumgeschleppe, ich bin selbst schuld usw. Und wie lange ich ihn denn noch stillen will und das es doch jetzt mal reicht. Das er endlich essen muss und das er doch jetzt mal die Flasche bekommen muss.
Sie will ihn unbedingt mit zu sich haben oder mit ihm spazieren gehen und will dann aber die Flasche mitnehmen, damit sie ihn nicht zu mir bringen muss sofort wenn er weint.
Ich möchte nicht das er die Flasche bekommt und er ist gerade mal 6 Monate alt. Gut er hat Eisenmangel, aber er bekommt ja jetzt die Tropfen. Ich sehe keinen Grund abzustillen und essen wird er wenn er bereit ist. Ich biete es ihm immer mal wieder an.

Sie sagt aber jetzt dazu ich bin eine Glucke, ich kann ihn nicht hergeben usw.
Ja ich will ihn wirklich noch nicht ohne mich irgendwo lassen. Aber ist das so verwerflich? Gefährde ich ihn deshalb?
Noch zeigt er deutlich an , dass er bei mir sein will. Sollte das anders werden, dann werde ich ihn sicher nicht zwingen. Aber er ist doch jetzt noch so klein. Bin ich wirklich eine Glucke?

Liebe Grüße und vielen Dank!!!

von OliviaÖl am 14.07.2016, 12:31 Uhr

 

Antwort:

Bin ich eine Glucke?

Liebe Olivia,

ja, Ihr Sohn ist verwöhnt - sehr sogar! UND DAS IST AUCH GUT SO!

"Verwöhnen"! Dieses Wort, welches viele Eltern in Bedrängnis bringt. Dieses Wort, was leider in unserem Sprachgebrauch so negativ besetzt ist und von Außenstehenden gerne als Abwertung benutzt wird, wenn sie etwas nicht gut heißen! Dabei ist verwöhnen was Tolles!

Fragen Sie doch mal andere Leute, ob sie gerne verwöhnt werden!

Ein paar Beispiele (ohne Ansehen der Person):
Mag Ihr Freund es, wenn man ihn verwöhnt? Ein paar Schnittchen für die Kumpels und ihn beim Fernseh-Fußball-Abend? Abends eine warme Mahlzeit? Rücken eincremen nach dem Baden? Das Bier holen, obwohl er selber gehen kann? Kuscheln vorm Fernseher? DAS ist Verwöhnen!

Mag Ihre (Schwieger)mutter es, wenn Sie Ihr aufmerksam zuhören? Wenn Sie Ihr zum Kaffee den Tisch nett richten? Mal eine kleine Aufmerksamkeit und sei es nur das Bemerken der neuen Frisur? DAS ist verwöhnen!

Mag Ihre Nachbarin es, wenn Sie die Tageszeitung von unten mit hochbringen etc....... usw.!

Fragen Sie mal Ihren Freund, wie es ihm gehen würde, wenn er von der Arbeit käme (nachdem er sich über die Kollegen geärgert hat und der Tag sowieso mies war) und Sie würden ihm einen großen Stopfen in den Mund schieben und ihn hin und her wiegen und ihm sagen: Schscht, ist alles gut! Schlaf ein bisschen......... oder geh nach nebenan und brüll da vor Dich hin! *grins*

Oder wenn Ihre (Schwieger)mutter das Neueste erzählen will und Sie hören gar nicht hin, sondern telefonieren mit der Freundin!

Zu unterscheiden ist verwöhnen (besonders umsorgt werden; jeden Wunsch von den Augen abgelesen zu bekommen; einfach das Gefühl, etwas Besonderes zu sein) von verziehen (maßlosen Wünschen nachgeben; unsinnige Dinge erlauben; inkonsequent sein etc.). Aber davon sind Sie weit entfernt!

Ihre Mutter hat Sie zu einer Zeit groß gezogen, da war mit Stillen nach ein paar Monaten Schluss - wenn überhaupt gestillt wurde! So viel Nähe und Empathie war damals nicht angesagt. Ich kann schon verstehen, dass Großmütter da heute etwas befremdlich reagieren. Vielleicht hätten sie es selber gerne anders gehabt!?

Sagen Sie Ihrer Mutter freundlich, aber klar und konsequent: Du hast uns wunderbar erzogen. Mit den damals gängigen Methoden. Diese Zeit ist vorbei. Für dieses KInd bin ich verantwortlich/sind wir verantwortlich.

Wenn ich Deinen Rat und Deine Hilfe brauche, werde ich mich an Dich wenden.

Bleiben Sie entspannt, machen Sie den Rücken gerade und strecken Sie die Brust vor - für Ihr KInd!*g

Liebe GRüße
Martina Höfel

von Martina Höfel am 14.07.2016

Antwort:

Bin ich eine Glucke?

Liebe Olivia,
ich bin zwar nicht Frau Höfel, aber ich will dich gern virtuell trösten! Du machst alles richtig und kannst ganz entspannt durchatmen und die Kritik deiner Mutter an dir abprallen lassen! Sie ist in einer anderen Zeit großgeworden, da waren die Ansätze in der Erziehung noch ganz andere. Schon alleine wenn ich "er MUSS" lese, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Dein Kind wird essen, wenn es für ihn der richtige Zeitpunkt ist (und auch für dich...), dein Kind wird sich von dir lösen, wenn es der richtige Zeitpunkt ist usw.
Bleib deinem Gefühl treu und genieße deinen ausgeglichenen Schatz!
Alles Gute, ER

von ER2011 am 14.07.2016

Antwort:

Bin ich eine Glucke?

Hallo,
Ja die"Tips" von Aussenstehenden können ganz schön schlauchen....
Ich muss zustimmen, einige Dinge waren in früheren Generationen eben anders!
Heute weiß man, dass das Baby eben nicht die Flasche bekommen MUSS, und Muttermilch bekommen darf. Nähe wird viel mehr gegeben und die Beikost sanft eingeführt.
Mit Druck und Hektik erreicht man bei einem Baby und Kind sowieso nichts.
Du bist die Mutter und weißt was gut ist, denn du kennst dein Baby am Besten.
Und gerade mit dem Hintergrund- High Need!!!
Du machst das genau richtig!
Ich kenne es nur so...In meinem Freundeskreis und meiner Familie wird es so gemacht und da gibt es zufriedene Babys und Eltern.
Lass dich nicht verunsichern.
Und wenn eine liebende fürsorgliche Mutter eine Glucke ist dann bist du eine- so wie alle anderen auch!
Liebe grüße

von Alenmelli am 14.07.2016

Antwort:

Nein....

Für mich bist du definitiv keine Glucke und sorry, aber das Verhalten deiner Mutter finde ich total übergriffig und unmöglich. Du machst das alles genau richtig. Dein Sohn ist 6 Monate und braucht in erster Linie Mamas Nähe und Muttermilch.

Früher war es tatsächlich anders und meine Eltern sagen auch immer, ich würde meine Kids verwöhnen. Allerdings würden sie mir nie vorschreiben, wie ich was zu machen habe.

Den Großen habe ich lange getragen und auch immer nur auf meinem oder Papas Arm schlafen lassen. Beim Kleinen bin ich etwas entspannter, liegt aber auch daran, dass ich nicht die Zeit habe, ihn auf mir schlafen zu lassen.Wir praktizieren übrigens das Familienbett und schlafen alle im Elternschlafzimmer. Der Große ist drei und der Kleine 7 Monate. Der Kleine wird nach wie vor voll gestillt weil er den Brei bisher eher schlecht als recht annimmt. Den Großen habe ich mit knapp einem Jahr abgestillt. Die Flasche gab es bei uns nie, wieso auch wenn das Stillen klappt?!

Den Großen habe ich das erste mal mit 2 Jahren bei meinen Eltern abgegeben. Vorher war ich immer mit dabei. Über Nacht war er bis heute noch nie bei Oma und Opa und das will er auch noch gar nicht. Beim Kleinen bin ich wie gesagt etwas entspannter. Meine Mutter hat kürzlich mal auf ihn aufgepasst als ich mit dem Großen zum Arzt musste. Da handelt es sich aber auch nur um 'ne Std. Dann schau ich, dass ich ihn vorher stille und gut is. Es mag jetzt sein, das manch einer denkt, dass ich eine Glucke bin, aber das ist mir herzlich egal. Ich bin die Mama und ich entscheide, was gut für meine Kinder ist. Ganz einfach, das solltest auch du nie vergessen. Es ist DEIN Kind !!!

von Locken-Rocken am 14.07.2016

Antwort:

Bin ich eine Glucke?

Ich kann Frau Höfel nur zustimmen! Jede Mutter macht es doch so wie sie es für richtig hält. Und lass dich bitte nicht von deiner Mama oder anderen Personen verrückt machen. Dein Kind brauch deine Nähe also geb sie ihm. Ich hääte nich gefreut, wenn das stillen und das tragen im Tuch bei mir so gut geklappt hätte. Nimm es als Geschenk das alles so gut bei euch beiden funktioniert. Glaub mir, irgendwann will dein Kind die Welt alleine endecken und dann sehnst du dich nach der Zeit zurück wo ihr eng miteinander verschlungen wart. (Tragetuch)

von ThorinsMama am 15.07.2016

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