Gesichter sprechen auch für Babys Bände

neugieriges Baby

© fotolia, HaywireMedia

Etwas, das ein Baby von der Natur mit in die Wiege gelegt bekommt, ist die Fähigkeit, in den Gesichtern zu lesen, die sich ihm zuwenden. 

Dieses - zugegebenermaßen anfangs noch bescheidene - "Urteilsvermögen" hat es längst, bevor es sprechen oder Worte verstehen kann. Der Entwicklungsforscher Charles Darwin behauptete als erster, dass die Fähigkeit, Gefühle anderer aus deren Gesichtern zu "lesen", sowie mit dem eigenen Gesicht Emotionen auszudrücken, ein angeborener Bestandteil unseres evolutionären Erbes sei. Inzwischen ist sich die Forschung weitgehend einig, dass mindestens vier Gefühle auch schon von Babys unterschieden werden:

  • Fröhlichkeit und Freude
  • Zorn
  • Angst bzw. Unsicherheit
  • Überraschung

Sie reagieren in angeborener Art und Weise darauf, indem sie ein lächelndes oder auch ausdrucksloses Gesicht anlächeln, um Kontakt aufzunehmen und beginnen zu schreien, wenn sie Zorn sehen. Zwei der grundsätzlichen Voraussetzungen, mit dem Leben bzw. den anderen Menschen fertig werden zu können, scheinen also auch Babys schon recht früh, natürlich noch eingeschränkt, aber doch erkennbar, zu beherrschen:

  • die Fähigkeit, anderen die eigenen Gefühle - z. B. mit Stirnrunzeln, Lächeln, Quengeln - mitzuteilen (nicht zuletzt, um die eigene Versorgung und den
    eigenen Schutz sicherzustellen)
  • die Fähigkeit, die Gefühle anderer anhand des Gesichtsausdruckes zu entschlüsseln.

So kann es sein, dass ein Baby mit drei Monaten lacht, weil seine Mutter lacht - und die Stirn runzelt, wenn es seine Mutter traurig sieht. Schon Säuglinge reagieren nicht nur auf vertraute Erwachsene, sondern treten mit Ihnen in Interaktion, versuchen z. B. Blicke und Mimik mit denen der Mutter abzustimmen - ohne dass sie bereits ein Bewusstsein in unserem Sinne hätten (Martin 1981). Ihre Fähigkeit zum Gesichtsausdruck verbessert sich, indem mit der Zeit die Gesichtsmuskulatur zunehmend trainiert wird. So kann der Ausdruck der Gefühle immer effizienter eingesetzt werden - gezielt zur Kommunikation und weniger gezielt als eher unterbewusste Reaktion auf Gefühle, die sie mit wachsender Wahrnehmungsfähigkeit bei ihrem Gegenüber erkennen. Schon recht bald können sie z. B. unterscheiden, ob es sich lohnt, ein interessiertes Gegenüber mit Lächeln, Quietschen und Strampeln zum Weiterspielen aufzufordern, oder ob sie es bei einem desinteressierten Zeitgenossen besser bleiben lassen.

Ein besonders spannendes Experiment dazu, inwieweit schon Babys in Gesichtern lesen können, machte man im Jahre 1985 mit 69 Müttern und ihren Kindern, die gerade Laufen gelernt hatten. Auf einen Fußboden malte man eine Art quer verlaufende Vertiefung von etwa einem Meter Tiefe und einem Meter Breite als optische Täuschung. Dann ließ man die Babys darauf zugehen. Die Babys sahen die "Vertiefung" und ihre Mutter auf der anderen Seite, die angehalten war, nur über ihre Gesichtsmimik mit dem Baby zu kommunizieren.

Das Zeigen negativer Gefühle wie Skepsis, Unsicherheit oder gar Furcht "fror" die Annäherung der allermeisten Babys ein und bewog sie zum Teil sogar zur Umkehr. Zeigte die Mutter dagegen Freude, so signalisierte sie damit, dass die Situation sicher war - woraufhin nahezu alle Babys bedenkenlos über den "Abgrund" hinweg auf ihre Mutter zugingen. Malte man eine Art Steg über den "Abgrund", war die Sache für alle Babys kein Problem mehr. Sie hielten sich nicht mehr länger, wie zuvor, damit auf, den Gesichtsausdruck der Mutter zu studieren, sondern machten sich ohne Umschweife auf den Weg (Sorce, Emde, Campos & Kinnert 1985).

Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder weltweit sehr schnell lernen, Gefühle wie Fröhlichkeit, Traurigkeit, Wut, Furcht, Überraschung, Ekel und Verachtung anhand eines Gesichtsausdruckes zu bestimmen - und darin bereits mit fünf Jahren ähnlich perfekt sind, wie College-Studenten (Ekman 1972).

Aufgrund pädagogischer Untersuchungen kam man zu dem Schluss dass die Fantasie von Babys ab dem vierten Monat besonders angeregt werden kann, wenn einige der Puppen oder Schmusetiere noch keinen festgelegten Gesichtsausdruck haben. Sind nur Augen und Nase vorhanden, kann das Kuscheltier glücklich oder traurig sein, müde oder munter - ganz so, wie es sich das Baby gerade vorstellen möchte.

Zuletzt überarbeitet: April 2019

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