Psychische Folgen einer Frühgeburt bei Eltern

Psychische Folgen einer Frühgeburt bei Eltern

Eine Frühgeburt ist für Eltern überaus belastend. Deshalb tragen Mütter und Väter von Frühchen ein erhöhtes Risiko nach der Frühgeburt ihres Kindes psychisch zu erkranken. Ein Trauma, postnatale Depressionen oder Angsterkrankungen können die Folgen sein.

 

Bei einer Frühgeburt ist alles anders: Weil sie unreif zur Welt kommen, haben Frühchen Anpassungsschwierigkeiten an das Leben außerhalb des Mutterleibs. Die Eltern bangen um das Wohl ihres winzigen Kindes. Jedes Jahr kommen über 60.000 Babys vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Etwa 8.000 von ihnen werden sogar noch vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren und wiegen oft weniger als 1.000 Gramm.

Eine Frühgeburt ist psychisch belastend für Eltern

In manchen Fällen zeichnet sich eine Frühgeburt schon während der Schwangerschaft ab. Wenn andere Mütter mit Babybauch sich zum Geburtsvorbereitungskurs treffen, liegen Mütter mit einer Problemschwangerschaft oft in den letzten Wochen und Monaten im Krankenhaus, werden medizinisch überwacht und müssen strenge Bettruhe halten - denn jeder Tag zählt, den das Kind länger im Mutterleib verbringen kann.

Die betroffenen Frauen fühlen sich in dieser Situation häufig wie ein lebender Brutkasten. Sie sehen, wie es anderen Müttern geht, die ihre Kinder bereits zur Welt gebracht haben. Die meisten Frühchen kommen gesund zur Welt und mit Hilfe intensiver, medizinischer Betreuung geht es ihnen gut und sie entwickeln sich schnell. Es gibt aber auch Kinder, die unter ernsten Komplikationen leiden. Sie können Probleme bei der Atmung haben, weil die Lunge zu unreif ist, es können Schäden der Netzhaut auftreten und im schlimmsten Fall tödlich verlaufende Infektionen und Hirnblutungen.

Anstrengende Klinikzeit

Nach dem Frühstart ins Leben ist deshalb besonders bei Eltern sehr kleiner Frühchen die Angst und um das Leben und die Gesundheit des Kindes groß. Plötzlich ist alles ganz anders, wie man es sich als Eltern eines Neugeborenen gewünscht hat: Das Baby ist winzig, mit durchscheinender Haut und sieht gar nicht aus, wie man sich ein gesundes, properes Neugeborenes vorstellt. Das Frühchen liegt in einem Glaskasten, verbunden mit Schläuchen und Kabel und überwacht von Monitoren. Die Eltern können ihr Kind nicht immer um sich haben, es einfach hochnehmen, es füttern, an sich drücken und mit ihm kuscheln. Hilflosigkeit und Verzweiflung sind in dieser Situation die vorherrschenden Gefühle.

Besonders schmerzlich ist der tägliche Abschied vom Kind. Abends die Frühchenstation verlassen zu müssen, fällt den meisten Eltern sehr schwer. Wer es trotz der Sorgen ums Baby schafft, in den wenigen Stunden zuhause etwas Ruhe und Kraft zu tanken, kann froh sein, denn die Klinikzeit ist nervenaufreibend und anstrengend.

Nähe zum Kind und Kontakt mit anderen Frühchen-Eltern

Eltern und Kind tut es in dieser Zeit unglaublich gut in Kontakt zu sein und körperliche Nähe zu spüren. Das Pflegepersonal wird Ihnen erklären wie "Känguruhen" funktioniert und wann es die Kuscheleinheiten möglich sind. Dabei liegt das Baby nur mit einer Windel bekleidet auf der nackten Brust der Mutter oder des Vaters. Diesen innigen Kontakt zu spüren, ist Balsam für die Seelen von Mutter und Kind. Endlich das Kind bei sich zu haben und es hautnah erleben zu können vermittelt den Eltern ein Gefühl von Gebrauchtwerden und helfen können.

Tauschen Sie sich mit anderen Eltern, die in der gleichen Situation sind, über Ihre Erfahrungen aus. Auf der Frühchenstation, in Selbsthilfegruppen und Internetforen können Sie mit anderen Frühcheneltern in Kontakt treten und Erfahrung austauschen. Sprechen Sie auch mit Ihrer Familie über die Erlebnisse im Krankenhaus. Es ist eine große psychische Hilfe, wenn man seine Erlebnisse mitteilen kann und im Austausch mit anderen Eltern erkennt, dass man mit dieser Situation nicht allein ist.

Trauma durch Frühgeburt

Etwa zwei Prozent der Mütter entwickeln nach einer Frühgeburt eine posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS: Die Trauer über die nicht bis zum Ende erlebte Schwangerschaft, die eigene Hilflosigkeit, das unreife Kind und sein mitunter kritischer Gesundheitszustand sind besonders für Mütter ein Schockerlebnis. Anzeichen für eine PTBS sind sich aufdrängende Erinnerungen an die Geburt, belastende Träume, verbunden mit einem andauernden Gefühl der Losgelöstheit, emotionale Stumpfheit, Freudlosigkeit und Gleichgültigkeit. Auch impulsive Gefühlsausbrüche, Desorganisation, Angstzustände und Starre können Anzeichen einer Traumatisierung sein.

Väter leiden auch psychisch unter der Hilflosigkeit und Ohnmacht, wenn es um die Gesundheit und Entwicklung ihres Frühchens geht. Männer entwickeln häufiger Angstsymptome, haben jedoch eine geringere Bereitschaft über ihre Schwierigkeiten zu sprechen. Diese psychischen Probleme können Eltern so stark belasten, dass die Bindung zum Kind beeinträchtigt wird.

Psychologische Unterstützung einfordern

In den meisten großen Perinatalzentren arbeiten Psychologen, die den betroffenen Eltern helfen, das Erlebte einzuordnen und zu verarbeiten. Sollten Sie oder Ihr Partner sich mit der Situation psychisch überfordert fühlen, unter Niedergeschlagenheit oder Ängsten leiden, zögern Sie nicht und wenden Sie sich vertrauensvoll an die Psychologen der Perinatalklinik oder an Ihren behandelnden Hausarzt, Gynäkologen oder Kinderarzt. Eine psychotherapeutische Behandlung der Depressionen und Ängste ist wichtig, um eine gute Eltern-Kind-Bindung und hier speziell eine gute Mutter-Kind-Bindung zu fördern. Besonders für Mütter ist eine professionelle Aufarbeitung hilfreich. So gelingt es Müttern besser Schuldgefühle, negative Emotionen und Belastungen, die mit der Versorgung des Frühgeborenen einhergehen, zu bewältigen.

Zuletzt überarbeitet: Dezember 2018

Mobile Ansicht

Impressum Über uns Jobs Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2020 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.