Verhütung nach der Geburt

Tablettenpackung

© fotolia, Sven Bähren

Kaum ist das Baby auf der Welt, könnte auch schon das nächste folgen - zumindest wenn es nach Mutter Natur geht.

Weil die meisten Frauen direkt nach der Geburt aber (noch) kein weiteres Kind bekommen wollen, steht schon wieder das leidige Thema "Verhütung" an. Wahrscheinlich hat sich Ihr Körper durch die Schwangerschaft verändert. Die Lebensumstände mit kleinem Baby und durchwachten Nächten sind anders als zuvor. Ihre alte Verhütungsmethode, die Sie vor der Schwangerschaft verwendet haben, passt vielleicht nicht mehr zu Ihnen.

Welche Verhütung nach der Geburt überhaupt in Frage kommt und welche Verhütungsmittel für Sie geeignet sind, haben wir hier zusammengestellt.

Der Sicherheitsaspekt: Der Pearl-Index

Für viele Frauen steht die Sicherheit einer Verhütungsmethode im Vordergrund. Sie wird durch den sogenannten Pearl-Index angegeben, der die Fehlerquote anzeigt. Je niedriger er liegt, desto sicherer ist die Methode. In einem Beispiel wird es deutlicher: Ein Pearl-Index von 3,0 besagt beispielsweise, dass von 100 Frauen, die 12 Monate lang diese Verhütung verwenden, 3 in dieser Zeit schwanger werden. Nachdem viele Schwangerschaften aber nicht grundsätzlich durch mangelnde Sicherheit der Methode sondern durch Fehler in der Anwendung entstehen, ist es schwierig hier wirklich genaue Angaben zu machen. Grundsätzlich steigt die Sicherheit auch durch die Erfahrung, die ein Paar mit dieser Methode hat.

Wann nach der Geburt wieder fruchtbar?

Wann Sie nach der Geburt wieder den ersten Eisprung haben und damit wieder fruchtbar sind, kann man nicht genau voraussagen. Dabei spielt vor allem eine Rolle, ob Sie Ihr Baby voll oder teilweise stillen oder gar nicht. Falls Ihr Baby ausschließlich die Flasche bekommt, werden Sie vermutlich etwa 4 bis 6 Wochen nach der Geburt Ihre erste Regelblutung bekommen. Wenn Sie teilweise stillen oder Muttermilch abpumpen, etwas später - nach etwa 2 bis 3 Monaten. Dabei sollten Sie aber bedenken, dass einer Regelblutung meistens schon etwa 2 Wochen vorher ein Eisprung vorausgeht!

Schwanger in der Stillzeit?

Nur wenn Sie wirklich voll stillen, sind Sie vor einer Schwangerschaft erst mal einigermaßen sicher. Voll stillen bedeutet in diesem Fall aber, dass Sie Ihr Baby tagsüber regelmäßig alle 4 Stunden (nachts alle 6 Stunden) für mindestens 20 Minuten anlegen, und dass es zusätzlich keinen Tee oder Schnuller bekommt. In diesem Fall sorgt der hohe Prolaktinspiegel in Ihrem Körper dafür, dass der Eisprung unterdrückt wird. Vermutlich werden Sie Ihre Regelblutung etwa 6 bis 18 Monaten nach der Geburt wieder bekommen, je nachdem ab wann Sie Beikost oder Fläschchen einführen. Aber bitte verlassen Sie sich nicht darauf. Schon eine längere Stillpause, z.B. wenn Ihr Baby mal länger schläft, kann einen Eisprung zur Folge haben. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, sollten Sie zusätzlich verhüten.

Welche Verhütung nach der Geburt?

Durch die Schwangerschaft und die Geburt hat sich Ihr Körper verändert. Scheide, Beckenboden, Muttermund und Gebärmutter wurden stark gedehnt. Vieles davon wird sich in den folgenden Wochen zurückbilden, aber einige (kleinere) Veränderungen bleiben auch. Ein Diaphragma muss beispielsweise nach der Geburt von Ihrem Frauenarzt neu angepasst werden (möglich etwa 3 Monate nach der Geburt, aber nicht während der Stillzeit). Es sollte hier aber immer zusätzlich ein Spermizid verwendet werden. Die Spirale kann nach etwa 4 bis 8 Wochen wieder eingesetzt werden, je nachdem wie schnell sich die Gebärmutter vollständig zurückbildet. Die Pille können Sie schon wenige Wochen nach der Geburt wieder nehmen, vorausgesetzt Sie stillen nicht. Natürliche Familienplanung wie z.B. die symptothermale Methode oder das Basaltemperaturmessen scheiden nach der Entbindung für längere Zeit aus, bis sich Ihr Zyklus normalisiert hat und wirklich wieder regelmäßig ist. Meistens kommt diese Methode in der ersten Zeit mit Baby aber schon wegen der durchwachten Nächte nicht in Frage. Die meisten Frauen verhüten direkt nach der Geburt erst mal mit Kondomen. Sie sind einfach in der Anwendung, greifen nicht in den Hormonhaushalt ein und können auch schon während des Wochenflusses angewendet werden.

Welche Verhütung während der Stillzeit?

In den ersten Monaten der Stillzeit sind Sie relativ sicher vor einer erneuten Schwangerschaft - vorausgesetzt Sie stillen wirklich voll. Trotzdem ist Verhütung natürlich ein Thema, vor allem gegen Ende der Stillzeit. Hormonelle Kombi-Präparate (z.B. Pille, Mikropille, Drei-Monatsspritze, Verhütungsring) scheiden erst mal aus, weil die Östrogene die Menge und Zusammensetzung der Muttermilch verändern. Eine gute Alternative sind reine Gestagen-Präparate (z.B. Minipille), die allerdings sehr regelmäßig und genau eingenommen werden müssen. Kondome können Sie direkt nach der Geburt verwenden. Die Spirale kann nach etwa 4 bis 8 Wochen eingesetzt werden. Ein Diaphragma hält während der Stillzeit nicht, weil der Beckenboden noch sehr instabil und nachgiebig ist. Es sollte erst etwa 3 Monate nach dem Abstillen wieder verwendet werden und muss dann von Ihrem Frauenarzt neu angepasst werden.

Kein Kind mehr?!

Wenn Sie sich sicher sind, dass Ihre Familienplanung abgeschlossen ist, kommt für Sie vielleicht auch eine Sterilisation in Frage. Sie kann entweder beim Mann (Durchtrennung/Verschließung der Samenleiter) oder der Frau (Durchtrennung/Verschließung der Eileiter) durchgeführt werden. Bedenken Sie aber bitte, dass dies ein operativer Eingriff ist, der normalerweise nicht wieder rückgängig gemacht werden kann. Der große Vorteil ist natürlich, dass Sie sich in Zukunft mit dem leidigen Thema Verhütung nie mehr befassen müssen.

Die Verhütungsmethoden auf einen Blick

Im Anschluss finden Sie eine Übersicht, welche Verhütungsmethoden für Sie im Moment in Frage kommen. Wenn Sie sich trotzdem unsicher sind, sprechen Sie am besten mit Ihrem Frauenarzt.

Verhütung nach der Geburt

Methode

Sicherheit "Pearl-Index"

Nach der Geburt geeignet

Während der Stillzeit möglich

Keine Verhütung

85    

Pille

0,1-0,5 Ja Nein
Mikropille 0,1-0,5 Ja Nein
Östrogen­freie Pille 0,1-0,5 Ja Ja, nach 8 Wochen
Minipille 0,3-3,0 Ja Ja, nach 8 Wochen
Pille danach 1,0-5,0 Nur im Notfall Nur im Notfall, und 36 Stunden danach nicht stillen!

Andere hormonelle Methoden

Drei-Monats-Spritze 0,3-3,0 Ja Eher nein
Hormonring 0,2-0,5 Ja Nein
Hormon-Implantat 0,1 Ja Nein
Verhütungs­pflaster 0,7-0,9 Ja Nein

Spirale

     
Kupfer-Spirale 0,9-3,0 Nach 4 bis 8 Wochen Nach 4 bis 8 Wochen
Gestagen-Spirale 0,1-2,0 Nach 4 bis 8 Wochen Nach 4 bis 8 Wochen

Mechanische / Barriere­methoden

Kondom 2,0-3,5 Ja Ja
Kondom für die Frau 5 Nach Ende des Wochen­flusses Ja
Diaphragma 2,0-6,0 3 Monate nach der Geburt 3 Monate nach dem Abstillen
Chemische Mittel / Spermizide 4,0-21,0 Nein Nein

Natürliche Familien­planung

Basal­temperatur-Methode 0,8-3,0 Nein Nein
Sympto­thermale Methode 0,3-1,2 Nein Nein
Billings-Methode 5 Nein Nein
Zyklus­computer 2,0-6,0 Nein Nein
Knaus-Ogino / Kalender-Methode 9 Nein Nein
Coitus interruptus 4,0-18,0 Nein Nein
Voll Stillen in den ersten 10 Wochen 1,0 1,0    
Stillen 3,7-7,4    

Chirurgische Methoden

Sterilisation der Frau 0,01-1,8 3 Tage nach der Geburt möglich Ja
Sterilisation des Mannes 0,03-0,1 Ja Ja

Zuletzt überarbeitet: März 2019

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